Sonntag, 12. Dezember 2010

Wachsamkeit, Offenheit und Transparenz

Kinder sind wichtig und schützenswert. Es ist eine unserer wichtigsten Aufgaben als Gesellschaft, Kinder vor Übel zu bewahren, so weit es in unserer Macht steht. Gemeinnützige Vereine, die sich dieser Aufgabe annehmen, verdienen Unterstützung und Anerkennung.

Und sie verdienen Wachsamkeit von unserer Seite, um Schwarze Schafe zu finden. Denn der hohe Anspruch des Schutzes Heranwachsender ist gleichzeitig ein Schutzschild vor Anfeindungen, der mit einem Blankoscheck verwechselt werden könnte, zu machen was man will und niemandem Rechenschaft abzulegen. Der Fall "Innocence in Danger" (hier eine Contra-Position, hier eine Pro-Position) zeigt, dass diese Wachsamkeit möglich und wichtig ist. Nicht, um den ehrenamtlichen Mitarbeitern das Leben schwer zu machen, sondern gerade eben, um das Feld sauber zu halten vor solchen, die tatsächlich schlampig, ineffektiv oder gar unlauter handeln. Das DIZ-Siegel, desen Fehlen bei "Innocence in Danger" bemängelt wird, ist vermutlich ein guter Indikator für eine tatsächlich gut geführte Organisation, die keinen Grund hat, ihre Finanzen (also die Verwendung ihrer Spendengelder) nicht offen zu legen.

Warum ich das alles zusammenfasse? Weil es mittlerweile 11 Tage her ist, seit ich eine höfliche aber kritische Frage auf dem Blog des Vereins Sicher-Stark-Stiftung e.V. eingestellt habe. Hier ist ein Screenshot (klicken für eine größere Fassung):
Dieser Beitrag ist bislang nicht einmal freigschaltet worden, geschweige denn beantwortet. In der Zwischenzeit habe ich eine Mail und einen Brief gleichen Inhalts geschrieben, die ebenfalls ohne Reaktion blieben. Ein neuer Blogeintrag auf der Seite vom 3.12. zeigt, dass die Site gepflegt wird. Mit "über 200 – größtenteils ehrenamtlichen – Mitarbeiter(n)", wie der Verein seine Größe angibt, sollte man meinen, dass sich doch jemand findet, der meine Fragen beantworten kann. Und sei es auch nur, um unberechtigte Bedenken zu zerstreuen und Blogeinträge wie diesen zu verhindern.
War wohl nicht so.

Mittlerweile mache ich mir schon Gedanken, ob an der Sache nicht mehr dran ist. Wieviel verdienen die nicht ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins? Ist das ein Geheimnis? Und wenn ja, warum? Haben die Spender - T-System Multimedia Solution GmbH, Aliud Pharma, die Sparkasse Freiberg (und andere), die NRW Bank, die Hypo Vereinsbank Filiale für Privat- und Geschäftskunden in Bonn, RWE Rhein-Ruhr, e-plus und die Bankakademie-Studenten und Trainees der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz in Mainz und andere - kein Recht darauf? Sollen auch Privatpersonen denn Spenden machen ohne eine Ahnung, wie ihr Geld verwendet wird?

Ich bin ja immer noch der Meinung, dass es nur der vorweihnachtliche Spendenrun sein könnte, und die damit verbundene Arbeit, welcher die Antwort des Vereins verzögert haben. Ich würde mich freuen, morgen oder übermorgen hier berichten zu können, dass ein überarbeiteter ehrenamtlicher Mitarbeiter sich bei mir gemeldet hat und meine Bedenken zerstreuen konnte.

Was, wenn nicht? Soll ich mich an lokale Medien wenden, meine Bedenken den Spenderorganisationen zur Kenntnis bringen, das Amtsgericht Euskirchen anschreiben, um ihre Meinung zu dem Thema zu hören?

Wer weiß Rat, wie man am besten vorgeht, um der Sache zu dienen, indem man Transparenz fördert - und sei es durch kritisches Nachfragen? Ich bitte um Tipps.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Wann das Jugendamt (wirklich) kommt

So, jetzt ist es passiert: das Jugendamt war da. Nicht bei mir (obwohl ich ja schon mal zweifelte, wann sie aufschlagen, oder ob) sondern bei einer lieben Freundin. Und es war nicht der Alkohol, der die Hüter der Jugend auf den Plan rief, sondern der Lärm.
Der Kleene - nennen wir ihn Adrian - wächst leider ohne Vater auf. Die Eltern haben sich getrennt, vor kurzem erst, und Adrians Mutter ist rein statistisch eine "gute" Zielgruppe für Probleme mit dem Baby: jung, formal wenig gebildet, arbeitslos.
Offenbar reicht das schon, um sie dem Jugendamt ins Visier zu rücken. Alles was es braucht, bis ein Verterer der Amtes anrückte, war - jetzt kommts - ein Anruf vom Nachbarn, der sich über den Lärm beschwerte. "Das Kind schreit andauern", oder so ähnlich.
Meine Bekannte war natürlich völlig mit den Nerven fertig, und spekulierte heftig, welchem ihrer Hausnachbarn sie eine gebrauchte Windel in den Briefkasten stopfen sollte. Der eigentliche Termin war dann völlig harmlos: richtig nett sei die Dame vom Amt gewesen, und natürlich gab es nichts zu beanstanden. Keine Folgetermine wurden ausgemacht, keine Aufsichtspflichten angemahnt, nix.
Dieses glimpfliche Ende war das erste vernünftige Kapitel in diesem Trauerspiel. Adrian ist gesund und munter, seine Mama nicht mehr überfordert als andere junge Eltern auch, und Kinder schreien eben. Aus allen möglichen Gründen. Es war eine richtige Entscheidung der Jugendbeamten.
Aber ich hab mich trotzdem darüber geärgert. Ihr Kommen zeigt nämlich, dass das Jugendamt vor allem mit einem einzigen Werkzeug arbeitet, um seine "Kandidaten" auszuwählen: der Statistik. Alter + Einkommen + Schulabschluss ist kleiner gleich Wert X? Dann reicht schon ein Blockwart, der meckert.
Aber bei einer Adresse in einer "teuren" Straße, Reihenendhaus oder gar Doppelhaushälfte? Da kann das Kind auch mal von seinen Suff-Eskapaden erzählen und nichts rührt sich.
Mit ein bisschen Statistik und Sozialwissenschaft weiß kman natürlich, dass daran nichts systematisch Falsches ist. Große Fallzahlen (von Menschen) erfordern eben statistisch basierte Regeln. Aber es geht eben nicht um Fallzahlen. Es geht um Adrian und seine Mutter, und irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Fürsorge für gefährdete Kinder (und die ist wichtig und richtig) nicht besser wird, wenn sie nicht mit Menschen arbeitet, sondern Kenngrößen.
Ganz zum Abschluss: typisch Deutschland. Eine Beschwerde wegen Kinderlärm.