Dienstag, 31. Januar 2012

Ein ganzer Kerl dank Papi

Väter wollen, dass ihre Söhne ganze Kerle werden. Da dürfte es wenige Ausnahmen geben, und es ist ja auch nichts dagegen einzuwenden. Väter sind Vorbilder, müssen es sein, und das männliche Rollenbild ist halt ein auf Schmerz-, Furcht und Stillosigkeit ausgelegtes. Diese Story vom vereisten Fockenstein aber zeigt zwei andere Seiten des typischen Männerbildes: Sturheit und Selbstüberschätzung. Leider zum Schaden eines kleinen Jungen, der sich ganz auf Papa verlassen hatte.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Wann lernt man das englische "TH"?

Einer meiner Lieblingskomiker ist Loriot. Eines seiner besten Sketche ist die "Inhaltsangabe", wo sich Evely Hartmann durch ein Dickicht aus englischen Namen kämpft, die alle mit "th" gespickt sind. Dieser typisch englische Laut ist für deutsche Sprecher notorisch schwierig zu formen. Schulenglisch-Sprecher stoßen dabei oft an ihre Grenzen - Filmbösewichte erkennt man oft genau daran. Wenn man sein Kind also fit für die Zukunft machen will und sein Fremdsprachenarsenal um fehlerfreies Englisch erweitern will, sollte man ihm das "th" irgendwie beibringen. Nur wie? Nun, die Frage sollte besser lauten: "Wann?" Denn unsere Kleinen verwenden einen schlauen Trick beim Lernen von Sprache und vor allem von Aussprache:
Sie lesen es uns von den Lippen ab. Im Alter von 6 Monaten und einem Jahr, so eine aktuelle Untersuchung, schauen Babys ihrem Gegenüber nicht in die Augen, wenn sie angesprochen, sondern auf den Mund. Ganz offenbar hilft das dabei, die Formung von Lauten zu lernen (und ich werde jetzt nichts von Spiegelneuronen sagen, weil ich sonst sofort wieder von hundert Twitter-Spammern verfolgt werde. Mal im Ernst: können die Spiegelneuronenfans nicht spiegeln, dass ich dass nicht mehr hören kann?).
Dieser Kontrollblick lässt nach einer Weile nach, wenn die Sprachentwicklung ein wenig fortgeschritten ist und es wieder wichtiger wird, die Stimmung des Gegenübers zu ergründen. Das geht nun einmal am besten an den Augen.
Eine Ausnahme gibt es allerdings: Babys schauen auch nach dem 12 Lebensmonat verstärkt auf die Lippen, wenn sie eine Fremdsprache präsentiert bekommen. Also hat man auch nach dem ersten Geburtstag noch Chancen, das "th" zu vermitteln. Vorausgesetzt, man selber ist darin einigermaßen fit.
Und wenn nicht, dann kann man den Kindern auch die gute Evelyn zeigen. Die macht es nämlich eigentlich gar nicht schlecht:


Freitag, 30. Dezember 2011

Rezension: Wiki auf großer Fahrt

Wie versprochen rezensiere ich hier weiter alle Kinderfilme, die mir so vor die Linsen geraten. Nach den Feiertagen gibt es da ein paar, natürlich: Cars 2, Gnomeo & Juliet (ausgesprochen kein Kinderfilm eigenlich) und, am aktuellsten und relevantesten: Wiki auf großer Fahrt.

Den ersten Teil (Wickie und die starken Männer) hatte ich damals verpasst, er war aber offenbar zu großen Teilen ein Produkt von Bully Herbig. Auch in diesem Film meint man, die Feder des bayerischen Mäzenen zu erkennen - doch weit gefehlt. Obwohl viele Dialoge klingen wie direkt aus der Bullyparade oder dem Schuh des Manitu, hat Bully hier außer einem Dank in den Credits nichts beigetragen.

Die Handlung ist kinderfilmtauglich: die Wikinger aus Flake (also Wikis Dorf) müssen ein altes Rätsel erkunden, einen göttlichen Schatz bergen, und sich dabei mit Sven dem Schrecklichen herumschlagen. Ein wesentlicher Teil der Handlung besteht darin, dass Wiki an Stelle seines Vaters das Kommando auf dem Schiff hat und die Infiltration von Sven's Burg leitet, wo Wikis Vater Halvar gefangen gehalten wird. Ein Klotz am Bein ist ihm dabei eine glutäugige Sklavin, die sich schon in den ersten Szenen als intrigante Diebin entpuppt. Wiki als Hauptfigur hat am meisten Arbeit: nicht nur muss er die Fußstapfen seines Vaters füllen (was erstmal schief geht, wie im Trailer zu bewundern), dann besagte Sklavin enttarnen und zum Freund gewinnen und schließlich noch nebenbei die Welt retten. Jonas Hämmerle, der Darsteller Wikis, schafft es einem dabei nicht auf die Nerven zu gehen. Fast ein Novum im deutschen Kino, das eher ein schlechtes Händchen mit kindlichen Hauptdarstellern hat.


Überhaupt: die Darsteller. Hut ab vor der Leistung, einerseits die den Eltern aus Jungendtagen vertrauten Figuren der Wikinger zu verkörpern, anderersites eine komödiantische Darstellung zu liefern, die dem Zielpublikum (U7, würde ich sagen) gefällt und nicht zu dumm für die Ü30-Generation gerät. Wobei die weiblichen Rollen leider viel zu kurz kommen. Die Frauen von Flake halten gerade einmal als Material für ein paar sexistische Witze (auf Kosten der Männer, wohlgemerkt) her. Ganz arg aber hat es die Walküren erwischt, auf deren Insel es die Wikinger in einer völlig überflüssigen Szene verschlägt. In Leder-Bikinis bekleidet und flach wie ihre jungfräulichen Bäuche müssen sie sich vorkommen wie ein Stück Sex-Appel für Papa. Beizutragen haben sie jedenfalls nichts, und nach fünf Minuten ist der feuchte Traum dann auch schon vorbei.

Ein weiterer Nörgelpunkt: das Wiki-Lied, ursprünglich von Christian Bruhn (der eine Zeit lang alle deutsche TV-Unterhaltung mit Musik versah. Bei Captain Future hat er sogar seine Frau singen lassen). Nenas Neufassung ist vor allem eins: neu. Sonst nichts. Und keine Kopie kann an ein Original heranreichen, wenn sie nichts neues hinzufügt. Das wollte - oder durfte - Nena nicht, und so ist das Outro tatsächlich nichts als ein Rausschmeißer: verehrtes Publikum, schleich dich oder Du musst dir das noch länger anhören.

Fazit: mir hat es um die Zeit im Kino nicht leid getan. Der Film war unterhaltsam, für meinen vierjährigen Sohn fast schon etwas zu spannend (aber die Prügeleien haben es ihm sicher angetan). Nix für Mädchen, was auch am Fehlen weiblicher Rollenbilder fehlt, aber wenn eine TV-Serie schon "Wiki und die starken Männer" heißt, dann muss man auch nicht erwarten für die Trägerinnen doppelter X-Chromosomen etwas geeignetes zu bekommen. Minuspunkte gibt es für Musik und Walküren, Pluspunkte für die Darsteller, Ausstattung und Bühnenbild. Unterm Strich also ein sehenswerter Film.

Dienstag, 29. November 2011

Wir basteln uns einen Betreuungplatz für unser Kind

Unsere Gemeinde ist scheiße. Wir haben Geld dank Gewerbegebieten, aber einen Planungsstau, der epische Ausmaße annimt. Eine Ampel am Bahnübergang der Bundesstraße, die die Leute seit den 60er Jahren nervt, ist immer genau so lange schon unverändert. Der behindertengerechte Zugang zum Bahnhof hat 30 Jahre aus sich warten lassen (und das mit 2 großen Betreuungseinrichtungen für Behinderte im Ort). Hort-, Kindergarten- und Kinderkrippenplätze gibt es viel zu wenige. Und jetzt kommt ein Neubaugebiet für 500 Leute dazu. Die Gemeinde erlässt mal eine Bedarfsfeststellung für Betreuungsplätze, deren Ergebnisse nach dem Einzug der ersten Neubürger erwartet werden.
Eine Anekdote, um den Ruf der Gemeinde zu verdeutlichen: trotz Immobilien-Boom in allen Umlandgemeinden haben sich viele Bauträger nicht um unser Neubaugebiet beworben. Einer von ihnen hat uns den Grund verraten: "Die Gemeinde kriegt doch die versprochenen Betreuungsplätze nie fertig. Und ich bleib dann auf den Häusern sitzen." Der Mann hat Recht: im nächsten Jahr bietet der Hort der Gemeinde genau Null (in Zahlen: 0) freie Plätze an.

Ihr könnt euch ausrechnen, wie hoch wir unsere Chancen einschätzen einen Platz für unser noch ungeborenes Kind zu bekommen. Auf dem Weg nach einer Lösung suchen wir (noch rein akademisch) nach Alternativen. Eine Elterninitiative zur Einrichtung einer unabhängigen Betreuungseinrichtung wäre ein Weg. Vielleicht holen wir uns die Oppositionspartei ins Boot, als Schirmherr oder Unterstützer. Nur: wie macht man das? Was gilt es zuachten? Wer hat das schon mal gemacht, und kann uns Rat geben?

Ihr seht schon: es ist dies ein Aufruf, die Weisheit der Massen zu teilen. Erzählt uns von euren Erfahrungen mit Elterninitiativen, Betreuungseinrichtungen abseits der offiziellen Träger und auch dem Pakt mit dem Teufel Oppositionspartei (nichts für Ungut. Ich kann diese bestimmte Partei nicht leiden, aber das ist aus pragmatischen Gesichtspunkten nicht so wichtig.)

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Foto: Henry.

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