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Es werden Posts vom 2016 angezeigt.

Rezension: Vaiana. Ein großartiger Flop

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Es kann nicht alles super sein. Ich bin ein großer Fan von Pixar und ihrem Produzenten John Lasseter, aber diesem Mal hat er einen Blindgänger abgeliefert. "Vaiana" ist ein fades, moralinsaures und dialogheftiges Stück Kinderfilm. Das klappt natürlich nicht. Für einen Erwachsenenfilm ist es aber zu leicht und vorhersehbar. Mit anderen Worten: ein Film, der alles richtig machen will, aber genau das falsche Publikum anspricht. Das ist kein zweiter "Frozen", keine "Merida". Er erreicht nicht die süße Melancholie von "Oben" oder "Wall-E". Es ist ein düsterer, verkopfter und ziemlich tougher Film, was Schocker und Monster angeht.

Zweifel an Oxytocin und Empathie-Studie

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Die Medien lieben Stories über Hormone. "Forscher: Testosteron macht untreu" oder "Studie: Kuschelhormon macht dick" oder was auch immer einem Forscher eingefallen ist. Als News ist es einfach zu verlockend: schnell geschrieben, menschlich relevant, und jeder kann sich beim Lesen was drunter vorstellen. "Ja stimmt, der Fred ist auch so ein Macho, das sind sicher die Hormone." Nur leider verliert Forschung auf dem Weg in die Zeitung gerne etwas wesentliches, nämlich die Nuance der Belastbarkeit. Die aktuelle News "Menschen ohne Kuschelhormon fehlt die Empathie" ist ein erstklassiges Beispiel dafür. Nicht, weil die Forscherin geschlampt hat, oder die Journalisten. Sondern weil erstere und letztere etwas unterschiedliches suchen. Warum also bin ich der Meinung, dass Oxytocin die Empathie nicht begünstigt? Drei Gründe: Größe, Alternativen und Widersprüche.


Drei Gedanken zum Männertag

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Heute ist Welt-Männertag. Ein Aktionstag für die Männergesundheit. Tatsächlich ist er ein Tag der Missverständnisse - und ich blicke teilweise in die Ecke der selbsterklärten Maskulinisten, teilweise in die gegenüberliegende Ecke der Feministen. Beide haben, meine ich, ein überzeichnetes Bild der Menschen mit einem Y-Chromosom. Männer sind weder Opfer noch Täter. Aber an drei Punkten, meine ich, lohnt es sich nachzudenken über die Rolle der Männer in der Gesellschaft. Wir könnten das zum allgemeinen Vorteil besser regeln.

Baumhaus vs. Helikopter: eine neue Front im Kulturkampf

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Haben Kinder genug Freiraum zum Spielen und Wachsen, oder sind wir Eltern zu vorsichtig, planen jede Minute freier Zeit für unsere Kinder durch, behüten sie vor jedem noch so kleinen Risiko? Viele Väter und Mütter meiner Generation sind der Meinung, dass unsere unregulierten, aber auch unstrukturierten Kinderjahre besser waren. Wir hatten mehr Zeit, alleine draußen zu spielen. Wir bauten Baumhäuser ohne die Hilfe der Erwachsenen. Die Spielplätze waren etwas weniger gepolstert, Raufereien und Reibereien an der Tagesordnung. Aber wir hatten die Freiheit zu tun was wir wollten - Mit allen Risiken, die das mit sich brachte. Heute entbrennt um diese Freiheit ein kleiner Kulturkampf. Verweichlichen unsere Kinder, oder fördern und betreuen wir sie einfach besser?

Mutterinstinkte vs. Schmerzmittel

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Eltern sind im Kopf anders. Jedenfalls bin ich davon überzeugt dass bei jedem von uns ein kleiner Schalter umgelegt wird, wenn wir Vater oder Mutter werden. Doch die Grundlagen dieser anderen Geistes- und Seelenhaltung sind in jedem Menschen vorhanden. Die Reaktion auf das "Kindchenschema" etwa, also auf große Augen, runde Köpfe und so weiter. Eine neue Untersuchung zeigt nun, dass dieser Instinkt aber durch Opioide gestört werden kann. Dazu zählen Drogen wie Heroin, aber auch verschreibungspflichtige Schmerzmittel. Wir unterdrücken unsere Elterninstinkte, wenn wir Schmerzen chemisch dämpfen. Was vielleicht einiges über das Elterndasein aussagt.


Rezension (ein Film über Scheidung): Die Ökonomie der Liebe

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Filme wie dieser sind der Grund, warum das französische Kino im Ruf steht schwermütig zu sein. Er erzählt die Geschichte einer Scheidung - Marie und Boris haben sich nichts mehr zu sagen, und bleiben wegen der beiden Töchter und des gemeinsamen Hauses zusammen. "Die Ökonomie der Liebe" zeigt ihren Weg von einer gemeinsam gelebten Trennung hin zu einer formellen - also ein Thema, das ich aktuell perfekt und unmittelbar nachvollziehen kann. Es ist eine traurige Geschichte. Warum zum Teufel tu ich mir so einen Film dann an? Nun, weil es ein hervorragender Film ist.



Anleitung: Eine Schnitzeljagd für Neunjährige

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Sucht ihr ein paar Anregungen für eine Schnitzeljagd? Für die Geburtstagsfeiern meines (nun) Neunjährigen sind sie ein fester Bestandteil, und ich wollte meine Ideen und Tipps gerne mit euch teilen. Hier sind acht Stationen, die ihr mit wenig Aufwand für die nächste Geburtstagsfeier aufbauen könnt.


Kinder allein lassen dürfen nur moralisch einwandfreie Eltern

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Kinder dürfen heute weniger als früher. Eltern gelten eher als verantwortungslos, wenn sie ihre Kinder alleine lassen. Was in der Kindheit der Eltern normal war (einen Nachmittag alleine irgendwo draußen unterwegs) gilt heute oft als unmöglich. Was hat sich geändert? Und ist die Angst um fremde Kinder gerechtfertigt? Ein paar Zahlen und eine neue Studie deuten an: Nein. Kinder sind sicherer als je zuvor. Es ist etwas anderes, dass die neue Angst um Kinder schürt - und dass auch andere Ängste (Terror, Gentechnologie, Schwule und Lesben, Transgender) beeinflußt.



Larp für Kinder als Wochenend-Event in München

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Ich wollte meinen Achtjährigen schon lange mal zum Larp mitnehmen. Ich larpe gerne, und finde es einen fantastischen kreativen Ausgleich. Mein Inneres Kind ist ganz meiner Meinung. Deswegen war ich froh, dass es in München jetzt das Heldenverlies.de gibt, wo wir gemeinsam Fantasy-Abenteuer erleben können. Am Wochenende, ohne tagelange Vorbereitungen (Larper wissen was ich meine). Aber wie läuft das ab, wie ist es organisiert, und ist es für Eltern erträglich?
Wir zogen los, die Vierjährige im Schlepptau, und erkundeten das Heldenverlies.


Was macht unsere Scheidung mit uns, unseren Kindern?

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Nach elf Jahren ist Schluss mit unserer Ehe. Ganz vernünftig, alle Freunde haben schon lange gefragt warum wir uns das noch antun. Füreinander hatten wir schon lange nichts mehr übrig. Aber wir haben zwei Kinder, die wir lieben, und denen wir ein heiles Zuhause bieten wollten. Eine Zeit lang noch.

Und jetzt ist die vorbei. Sie wissen es noch nicht. Seit zwei Monaten verhandeln Mama und Papa hinter verschlossenen Türen über die Details. Zugewinn, Rentenansprüche, Unterhalt. Aber die zentrale Frage kann man nicht klären. Was tun wir unseren Kindern an, und wie können wir es so wenig traumatisch wie möglich gestalten. Zuletzt auch: wie können wir die - teilweise - Trennung von den Kindern überstehen?

Kleine Jungs auf der Jagd

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Es ist sechs Uhr morgens. Mein Kind ist wach.
Warum ist mein Kind wach? Es ist Schultag. Seit drei Jahren ist mein Kind an Schultagen nicht aus dem Bett zu bringen.
Langsam erhebe ich mich und sehe nach. Es dauert, bis ich meine Augen offen und einen Morgenmantel angelegt habe.
Es ist kurz nach sechs Uhr. Mein Kind ist weg. Die Terassentür steht offen. Außerdem weg: Mamas Handy.


Nicht das Alter des Vaters steigert das Risiko für Autismus, sondern andersherum - oder?

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Es ist wissenschaftlich gut belegt, das das Alter des Vaters ein Faktor für die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Kind autistische Merkmale zeigt. Es galt als wahrscheinlich, dass Mutationen in den Spermien, in zunehmendem Alter vermehrt, die Ursache sind. Eine neue Untersuchung zeigt, dass diese Erklärung nur einen kleinen Teil des zusätzlichen Autismusrisikos abdeckt - rund 20 Prozent. Über den Rest herrscht Unklarheit, und wie die Mathematiker sind, haben sie die Kausalität in ihrer Theorie einfach umgedreht. Nicht das Alter des Mann bei der Zeugung beeinflusst das Risiko, sondern sein genetisches Risko beeinflusst das Alter, in dem er Kinder zeugt.


Ja. Alkohol in der Schwangerschaft.

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Meine Mutter hat während meiner Schwangerschaft Alkohol getrunken. Nicht viel - ein Gläschen dann und wann. Mir war lange nicht klar, dass sie als mutige und eigenwillige Frau auszeichnete, die ihrer Zeit voraus war. Nicht etwa verantwortungslos. Diese Erkenntnis war lange tabu, setzt sich aber immer mehr durch. Immer mehr Ärzte raten ihren schwangeren Patientinnen zwar, Alkohol nach Möglichkeit zu vermeiden. Aber oft nehmen auch die Mediziner das Verbot eher locker. Die werdende Mutter hat genug andere Sorgen, und eine lange Liste von Verboten und Geboten, die für eine gesunde Schwangerschaft und ein gesundes Kind nötig sind - oder zumindest empfohlen werden. Zuviel Streß ist sicherlich nicht hilfreich, im Gegenteil, er wirkt sich nachweislich auf das Kind aus. Also warum nicht bei der schwammigen Faktenlage zum Alkohol mal ein Auge zudrücken?

Ein ganzer Kerl dank Hafer. (und: väterliche Sorgenfalten)

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Es fing an mit frechen Sprüchen. „Du hast einen Schwabbelbauch“. Dann forderte der Achtjährige meine Hilfe bei Liegestützen und Crunches. Meine Hanteln lagen immer öfter im Wohnzimmer rum. Dann auf einmal verweigerte er das Cereal zum Frühstück. „Was ist denn gesund? Papa, ich will Banane.“ Keine Frage: der junge Mann will groß und stark werden. Das kann man mit gemischten Gefühlen sehen. Lecker ist aber, dass wir seitdem Hafer frühstücken. Besser als Kellog‘s.

Rezension: Zoomania. Die Natur kann grausam sein.

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Disney kann so grausam sein. Erinnert ihr euch an Bambi? Die Sache mit seiner Mutter? Millionen von vergossenen Tränen später macht sich das Studio wieder auf, Kinder in aller Welt mit Tieren zu schocken. In Zoomania kommt zwar kein Tier ernsthaft zu Schaden - aber sogar mein hartgesottener Achtjähriger warf meinte schockiert "Das ist ganz schöne gruselig". Recht hat er. Manchmal greift der Film tief in die Trickkiste der Horrorfilme - verlassenes Sanatorium mit mörderischen Insassen inklusive. Ein großer Spaß.
Quatsch beiseite. Der Film ist tatsächlich ein beeindruckendes Werk, sowohl was das Buch, die Umsetzung und (natürlich) den Humor angeht. Aber eure zartbesaiteten Prinzessinnen und Prinzen sollten vielleicht noch ein paar Jahre warten, bis sie ihn anschauen.

Handball ohne Tore und Pokale fürs Mitmachen

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Kinder sind ehrgeizig, im Sport vor allem. Tore schießen oder werfen ist meinem 8-jährigen fast das Wichtigste. Wenn er gewinnt ist er den Rest des Tages happy. Wenn er verliert müssen wir mit seiner Saulaune leben. Deswegen war ich etwas erstaunt, als die Trainerin der Heimmannschaft vor dem letzten Turnier folgende Ansage machte:
"Wie ihr wisst zählt nur der Handball. Deswegen werden heute keine Tore gezählt. Und wir möchten auch die Eltern bitten, nicht mitzuzählen."

Diese Worte, gesprochen in der nagelneuen Turnhalle einer Montessori-Schule, kamen allgemein unerwartet.

Wie ich mit meinen Kindern die Flüchtlingsunterkunft besucht habe.

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Zwei kleine Jungs laufen durch den Container, zwei und vier Jahre alt vielleicht. Sie haben beide einen Löffel in der einen Hand, einen leeren Fruchtzwerg in der anderen, und weiße Jogurthklekse im Gesicht. Sie blicken neugieren zu meinen beiden Kindern hinüber, dann kommt der kleinere der beiden, sehr lebhaft und offenbar gut gelaunt, gerannt. Er stellt sich ganz nah vor meine dreijährige Prinzessin und spricht sie an. Laut. Ziemlich laut. Wie kleine Kinder so halt sind. Ich habe keine Ahnung in welcher Sprache - vermutlich eine Afrikanische, gefiltert durch das Sprachvermögen eines Zweijährigen. Meine Prinzessin ist verstört, weicht zurück. Er bleibt ihr auf den Fersen; offenbar hat er einen tollen Vorschlag gemacht und will eine Antwort hören. Ihr großer Bruder steht wachsam daneben, aber die Prinzessin hat genug. Sie reckt die Arme zu mir, lässt ein gestresstes Quäken hören. Ich nehme sie in die Arme, in die rettende Höhe. Später erklärt sie mir ihre Sorge: "Ich habe den nich…

Ich bin ein Hamster - Holt mich hier raus

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Tag 1: Ich bin in meinem neuen Verlies angekommen. Eindrucksvoll. 30 cm hohe Glaswände, vergitterte Türen. Nagesicherer Boden. Der Geruch einer Katze hängt in der Luft. Die Wärter sind zu viert. Ich werde mir was einfallen lassen müssen, hier raus zu kommen.

Tag 2: Keine Chance zur Flucht während der Fütterung. Die Wärter, vor allem die kleineren, lassen mich nicht eine Sekunde aus den Augen. Ein- oder zweimal habe ich das Gefühl ich kann entkommen, dann packen sie mich wieder. Es ist fast, als würden sie mit mir spielen.
Immerhin, das Essen ist gut, vor allem die Kekse. Ich werde mir etwas davon mitnehmen müssen auf der Flucht.