Und bist du nicht willig, so brauch' ich Eiscreme

Kinder sind bockig. Das ist sozusagen ihre Visitenkarte. Manche sind schlimmer, andere handzahmer, aber schwierig sind sie alle. Dann und wann. Ich ertappe mich dabei, wie ich auf eine kleine Sammlung von Werkzeugen zurück greife, wenn Junior dringend motivieren muss und die übliche vernünftige Ansprache nicht klappt.

a) Drohung: "Ich werd echt wütend, wenn Du jetzt nicht aufstehst."
b) Das Auszählen. "Eins... Zwei..." Ein Klassiker. Ab und zu muss man mal bei "Drei" ankommen und eine Strafe auswählen, um den Effekt zu erhalten. Dann aber zeitlos.
c) Weggehen und Druck abbauen. Wenn man die Zeit hat ein guter Weg.
d) Verhandeln: "Na gut, ich lass dich noch zwei Minuten spielen, aber dann kommst du ohne Meckern." Funktioniert nicht immer.
e) Bestechen. Auch ein Klassiker. "Räum' jetzt dein Zimmer auf, dann darfst Du heute noch Sandmann schauen.
f) Erpressen. Das gleiche in Schwarz: "Wenn Du nicht sofort dein Zimmer aufräumst, gibts keinen Sandmann heute."


Ich persönlich mag ja das Bestechen lieber als das Erpressen. Nun zeigt aber Bruce Feiler in einem Artikel in der New York Times auf, warum das eine dumme Idee ist: Sie führt nicht zu langfristigen Erfolgen. Das Kind lernt nicht, selbsttätig zu handeln. Es erfüllt den geforderten Wunsch, aber nicht um dessen Bedeutung willen (Zähne putzen ist wichtig) sondern der Belohnung (Eine extra Gutenachtgeschichte).

Was soll also der richtige Weg sein? Nun, mit Punkt d) lag ich nicht so falsch. Reden, erklären, gemeinsam eine Vereinbarung treffen sind anscheinend die aktuell angesagte Methode. Ein Spiel draus machen ("Wetten du kannst die Jacke nicht anziehen bevor ich meine Schuhe an hab?") Bei ganz harten Nüssen kombiniert mit einer Art Salamitaktik. Am ersten Tag muss Brainbug nur die Kiste zum Aufräumen holen, am nächsten sie auch aufmachen, am dritten danach ein Spielzeug reinlegen...

Und wenn wir an Gleis 7 stehen, der Zug in einer Minute fährt, ich mit dem Kinderwagen der Babyschwester zu kämpfen hab und Brainbug unbedingt in den Zug getragen werden will? Dann ist Bestechen schon mal erlaubt.
Wäre ja auch noch schöner. Ich selber krieg' mich auch nur dazu, die Steuererklärung zu machen, wenn ich mir eine Belohnung verspreche. Warum soll mein Kind da der bessere Mensch sein?
















Foto von Colbyworld

Kommentare

  1. :-)

    Für Interessierte zum Weiterlesen: "Punished by rewards" von Alfie Kohn (http://www.alfiekohn.org/) (ist aber ein Sachbuch, also kein Ratgeber der einem sagt, was man tun soll)

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  2. Oha, bei uns läuft momentan auch sehr viel über Bestechen und Erpressen. Kuschelpädagogik ist hier nur bedingt sinnvoll, wenn ich nicht riskieren will, dass sie zu spät in die Kita, ich zu spät zur Arbeit und auch sonst alles ein bisschen später kommt, als ursprünglich geplant. Auch wenn sie das Erwartete nicht um der Sache Willen macht (Hände waschen ist total doof!!), macht sie es mit Aussicht auf eine zweite Gutenachtgeschichte eben doch (fast) ohne Meckern und das ist momentan noch die Hauptsache ;) Aber es beruhigt mich, zu lesen, dass es anderen genauso geht!

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    1. Ich mach mit meinem auch sicher noch viele, viele "Deals"...

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  3. Die Frage ob Eltern ihre Kinder bestechen sollten, erhält eine weitere vernünftige Stimme. In Slate (http://www.slate.com/blogs/xx_factor/2013/01/15/bribing_your_kids_the_experts_say_not_to_do_it_but_is_there_another_way.html) argumentiert Allison Benedikt ganz klar dafür. Es gehe schließlich darum, Alltagsprobleme zu lösen. Die Kinder würden ihr selbstständiges, vernünftiges Tun beizeiten von selber entwickeln. (Ein schönes Beispiel: es geht ihr nicht darum, ihren Zweijähren für alle Zukunft toilettentauglich zu machen - das kommt ganz von selber. Sie will es am besten nächste Woche. Nachvollziehbar auf der praktischen Ebene, nicht?)

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