Betreuungsgeld oder Kita? Überraschende Ergebnisse.

Kleinkinderschule, Albert Anker, 1900
Montag geht die Krippe wieder los, meine kleine Prinzessin wird sicher laut meckern. Sie geht nicht gerne von Papa oder Mama weg. Aber sie muss. Eine Zusammenfassung von Forschungsergebnissen zeigt, warum das nicht schlimm ist - und warum auch das Betreungsgeld gut für Mutter, Vater und Kind ist.

Jedem Elternpaar und noch mehr Alleinerziehenden stellt sich die Frage: wann fangen wir wieder zu arbeiten an, und was ist dann die beste Lösung für das Kind. Kindertagesstätte (Krippe), Kindergarten oder Tagesmutter, Omas und Opas, alles sind Lösungen, die Vor- und Nachteile haben. Es gibt wenig überraschend eine Menge Forschungsergebnisse dazu, die (von Melinda Wenner Moyer in Slate zusammengefasst) ein überraschendes Ergebnis haben. Die wichtigsten Punkte sind:

  1. Gute Betreuung in Kitas fördert Sprache und Denken.
  2. ...aber nicht bei sehr jungen Kindern
  3. ...vor allem bei Kindern aus weniger gebildeten Familien.
  4. ...aber schlechte Betreuung ist schlechter als gar keine Betreuung.
  5. Es spielt dabei kaum eine Rolle, wie viel Zeit pro Woche die Kinder in der Kita verbringen
  6. Betreuung und Kitas erhöhen die Wahrscheinlichkeit aggressiven Verhaltens.
  7. Einen deutlichen Einfluss hat, ob Mütter die Wahl haben, ob sie Kitas nutzen oder selber betreuen. Solange ihre Wünsche und ihre Situation deckungsgleich sind, sind die Ergebnisse für Kind und Mutter besser.

Pro oder Kontra Betreuungsgeld?

Aus diesen Punkten ergeben sich zwei interessante Argumente zur Frage nach der Berechtigung des Betreuungsgeld. Wenn es Müttern die Wahl gibt, hat es offenbar positive Auswirkungen für die Entwicklung der Kinder (siehe Punkt 7). Aber wenn es stimmt, das vor allem Mütter mit geringem Bildungsniveau diese Option wählen, dann entgeht ihren Kindern möglicherweise doch der positive Effekt einer Kita. Wohlhabende Eltern hingegen, die über ein hohes Bildungsniveau verfügen, sollten einem Wunsch nach Betreuung durch Mama oder Papa und Bezug des Betreuungsgeldes nachkommen - ihre Kinder gewinnen weniger durch den Besuch der Kita.

Ich bin persönlich skeptisch, was die Ergebnisse angeht. Einerseits sind sie (obwohl die Studien Faktoren wie Einkommen, Bildung und dergleichen auszuschließen versuchen) vermutlich durch die Tatsache verzerrt, dass eben doch eine gewisse Selektion ihrer Untersuchungsgruppe stattfindet. Welche Einflüsse diese auf die Ergebnisse hat ist schwer zu sagen. Wie will man etwa erklären, dass Kinder von Afro-Amerikanischen Müttern keinen kognitiven Nachteil haben, wenn ihre Mütter im ersten Lebensjahr schon wieder zur Arbeit gehen - im Gegensatz zu anderen (siehe Punkt 2). Meine beiden Kinder scheinen in der Krippe gewaltige Fortschritte zu machen, und dass obwohl ihre Betreuung davor und außerhalb nicht schlecht ist - wir haben den Luxus der räumlichen Nähe zu beiden Großelterpaaren und einen Haufen akademischer Titel in der Familie. Eigentlich sollten Brainbug und seine Schwester wenig von ihrem Krippenbesuch haben, was die geistige Entwicklung angeht.

Vielleicht kann man sich als Papa oder Mama vor allem eines aus der verworrenen Lage der Forschung mitnehmen: die beruhigende Gewissheit, dass man nicht viel falsch macht, egal wie man sich einrichtet. Wenn es starke negative Effekte einer Lösung gäbe, wären sie bei dieser Masse von Studien sicher klar geworden. Ich kann dem Montag also beruhigt entgegen sehen, und muss die bitteren Tränen zum Abschied nicht zu schwer nehmen.



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