Nicht das Alter des Vaters steigert das Risiko für Autismus, sondern andersherum - oder?

Es ist wissenschaftlich gut belegt, das das Alter des Vaters ein Faktor für die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Kind autistische Merkmale zeigt. Es galt als wahrscheinlich, dass Mutationen in den Spermien, in zunehmendem Alter vermehrt, die Ursache sind. Eine neue Untersuchung zeigt, dass diese Erklärung nur einen kleinen Teil des zusätzlichen Autismusrisikos abdeckt - rund 20 Prozent. Über den Rest herrscht Unklarheit, und wie die Mathematiker sind, haben sie die Kausalität in ihrer Theorie einfach umgedreht. Nicht das Alter des Mann bei der Zeugung beeinflusst das Risiko, sondern sein genetisches Risko beeinflusst das Alter, in dem er Kinder zeugt.
WP Luis Trenker
Stieg spät noch auf hohe Berge: Luis Trenker.
Und wurde mit 90 Vater.


Die These basiert auf der mathematischen Analyse verschiedener Modelle, die das gesteigerte Autismusrisiko der Kinder von älteren Vätern (35 bis 39 Jahre, bei einem zusätzlichen Risiko von 20 Prozent) und die Häufigkeit sogenannter De Novo-Mutationen berücksichtigen. Die Forscher (ein Team um Jacob Gratten, von der University of Queensland in Brisbane) kamen zum Schluss, dass die Mutationsrate nicht ausreicht, um das erhöhte Risiko zu verursachen. Ein anderer Faktor muss im Spiel sein.

Die aktuellen Überlegungen gehen davon aus, dass Väter, die genetische Komponenten tragen und vererben, die Autismus verursachen können, einfach später Väter werden. Schon ein relativ schwacher Effekt könnte den beobachteten Anstieg erklären. Eine Untersuchung, die diesen Zusammenhang näher beleuchten würde, müsste Daten zu rund 100.000 erheben - nicht einfach, aber möglicherweise bald machbar.

Ich bin gespannt, wie sich die Lehrmeinung weiter entwickelt. Angenommen die später Vaterschaft von Männern mit autistischer Veranlagung (und autistischen Zügen) bewahrheitet sich - was bedeutet das für unser Wissen über den Wunsch nach Kindern generell? Oder brauchen Menschen, die "Schwierigkeiten, mit anderen Menschen zu sprechen [haben], Körpersprache einzusetzen und zu verstehen" (so die Wikipedia) einfach längere Zeit im Leben, bis sie gelernt haben eine tragfähige Beziehung aufzubauen, in der der Gedanke an gemeinsame Kinder möglich wird?

Und bedeutet das, dass Männer sich für ein zweites oder drittes Kind jenseits der 35 keine Sorgen machen müssen, wenn sie schon davor Vater geworden sind - weil sie offenbar nicht zu der Gruppe von Männern gehören, deren autistische Gene sie vom frühen Kinderkriegen abgehalten haben?



Foto: von Anonymous photographer, not identified anywhere [Public domain], via Wikimedia Commons

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