Väter raufen (mit Jungs) und reden (mit Mädchen)

So himmelweit die Unterschiede zwischen meinen beiden Kindern sind, so oft frage ich mich, ob das auch an mit liegt. Ist der Sohn deswegen Taff, weil es Junge ist, oder weil ich ihn wie einen Junge behandle, oder ist das irgendwo genetisch festgelegt? (Und seine Schwester ist vergleichsweise auch hart im Nehmen, nutzt ihre Wehwehchen aber bestens aus, um von uns Zuneigung und Eiscreme zu gewinnen). Im Allgemeinen versuche ich schon, Gender-Klischees zu vermeiden. Das ist halt nur nicht so leicht, man ertappt sich doch immer wieder dabei. Der Frage, wie genau Papas mit Jungs und Mädchen anders umgehen, haben Psychologen an der Emory University untersucht.
Father, daughter, son.
Söhne und Töchter werden anders behandelt. Foto: Several seconds
unter CC BY-NC-ND 2.0 



Was haben die Forscher gemacht? Zum einen haben sie die Unterhaltungen von Vätern mit einem Sohn oder einer Tochter im Alltag aufgezeichnet, sprachlich analysiert. Zweitens haben sie im Labor die Hirnaktivität der Väter gemessen, wenn sie Bilder ihrer Kinder mit verschiedenen Gesichtsausdrücken sahen. Es zeigten sich Unterschiede von Vätern mit Töchtern und solchen mit Söhnen.

Mit Töchtern: 


  • sangen Väter öfter,
  • redeten sie öfter über Emotionen
  • ...und in analytischen Kategorien.
  • Sie reagierten auch mit größerer Wahrscheinlichkeit, wenn sie gerufen wurden.
  • Ihr Hirnaktivität war höher, wenn sie Bilder ihrer Tochter mit glücklichem Gesichtsausdruck sahen.

Mit Söhnen:


  • rauften die Väter öfter,
  • redeten sie häufiger über Wettkämpfe und Gewinnen.
  • Ihr Hirnaktivität war höher, wenn sie Bilder ihres Sohns mit neutralem Gesichtsausdruck sahen.
Die Studie war notwendigerweise klein und beschränkt (rund 60 Paare von Vater und Kind, sämtlich im gleichen US-Bundesstaat) und ist deswegen nur schwer in allgemein gültige Aussagen umzusetzen. Sind Väter generell mehr für Töchter da? Kommunizieren alle Väter mit ihren Söhnen übers Raufen und Toben (ich weiß inzwischen, dass mein Sohn mit mir rauft um zu kuscheln)? Keine Ahnung. Aber dass es messbare Unterschiede gibt, wie wir mit unseren verschiedenen Kindern umgehen, und dass diese Unterschiede mit deren Geschlecht zu tun haben, ist bedeutend genug. 

Man sollte sich vermutlich keinen Kopf machen deswegen. Wir gehen mit jeden unserer Kinder anders um - das Geschlecht macht da vermutlich nur einen kleinen Teil des Unterschieds aus. Wichtig ist, dass wir jeden Sohn und jede Tochter als die einzigartigen Quälgeister Individuen begreifen, die sie sind. Mit Geduld und Liebe geht dann schon.

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