Rezension: "La Mélodie - Der Klang von Paris"

Meine beiden Kinder sind musisch begabt, und beide sind dankbare Schüler an ihren Instrumenten. Ich bin froh darüber, und ich frage mich, was anderen Kindern entgeht, die keine Musik lernen. Entweder weil ihre Eltern keinen Wert darauf legen, oder weil ihnen die Möglichkeiten dazu fehlen. Unterricht ist teuer, Instrumente sind teuer, es kostet auch die Eltern Zeit. Deswegen hat mich "La Mélodie" sehr angesprochen. Hier geht es um eine Geigenklasse und ihren Lehrer Simon Daoud. Er ist Quereinsteiger in den Lehrberuf, seine Schüler sind Quereinsteiger in die Musik: ihr Unterricht ist ein Projekt, dass sozialschwachen Kindern die klassische Musik näher bringen soll. Bonus-Spaß: wer sich das französische Original anschaut, lernt ordentlich französisch fluchen.
La Mélodie: Die Geigenklasse beim Üben © 2017 PROKINO Filmverleih GmbH
Die Geigenklasse beim Üben - La Mélodie Bild © 2017 PROKINO Filmverleih GmbH

Rezension: La Mélodie - es gibt nur nette Menschen

Dafür, dass es eine Millieu-Studie sein soll, ist La Mélodie etwas naiv. Es gibt keine Antagonisten, nur vorübergehende Missverständnisse. Böse Menschen haben eben keine Lieder, und wer musiziert, kann deswegen nicht böse sein. Ab und zu hätte ich mir aber eine etwas ehrlichere Herangehensweise gewünscht. So wird die zentrale Botschaft des Filmes abgeschwächt: dass der gemeinsame Wunsch nach der Schönheit der Musik zum gemeinsamen Erfolg führt, ungeachtet dessen wer man ist oder woher man kommt. Dessen eingedenk, und wenn man La Mélodie als eine Art Weihnachtsfilm betrachtet, dann entdeckt man das künstlerische und schauspielerische Geschick.


Junge Schauspieler und falsche Violinisten

Der Film ist durchgehend großartig besetzt. Kad Merad in der Hauptrolle ist beeindruckend feinfühlig. Dennoch stehlen ihm die jungen Darsteller an seiner Seite die Show. Alfred Renely als Arnold, Zakaria-Tayeb Lazab als Samir, Youssouf Gueye als Abou und Mouctar Diawara als Mouctar schaffen das Unmögliche: authentische Teens und gleichzeitig mehrdimensionale junge Charaktäre zu vermitteln. Regisseur Rubén Mendoza gebührt hier größtes Lob dafür, wie er seine Darsteller führt.

Als Musiker musste ich allerdings mit den Augen rollen, wenn es um die Fortschritte der Geigenschüler ging. In so kurzer Zeit vom Tennisschläger-Sttadium ("kann man damit zuschlagen?") bis in die Philharmonie zu gelangen ist unmöglich. Ein Geigenschüler ist jahrelang eine Plage für seine Mitbewohner. La Mélodie lässt es einfach aussehen. Sozusagen eine Produktwerbung für die Geige. Entsprechend entsprechen in manchen Szenen die Handbewegungen beim Spielen nicht den Tönen, die sie produzieren.

Wer sich für Musik intererssiert, wer Kinder und sie für die Musik begeistern will hat oder sich mit gemischten Gefühlen an den eigenen Instrumentalunterricht erinnert, dem wird La Mélodie sicher gefallen. Der Film erzählt ein modernes Musikmärchen. Ohne böse Hexe, mit ein paar unflätigen Kraftausdrücken, aber trotzdem schön.



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