Wirkt Gott nicht vor dem 7. Geburtstag?

Im Angesicht von Tragödien wie dem Erdbeben in Japan fragen sich viele Leute, ob es nicht vielleicht ein göttlicher Wink mit dem Zaunpfahl war, ob die Katastrophe nicht ein Zeichen ist. Im aufgeklärten Deutschland werden solche Ansichten selten geäußert, anderswo häufiger. Nehmen wir mal an, es ist nur Aberglaube, der göttliches Wirken in Erdbeben sieht. Wodurch entsteht er? Ist er angeboren? Immerhin scheint er ja über alle Kulturkreise und Schichten verbreitet.

Wie es sicht zeigt, gibt es aber eine Gruppe, die davor gefeit scheint: Kinder unter 7 Jahren. Eine Studie der University of Arkansas kommt zum Schluss, dass erst ab diesem Alter ein geistiger Zusammenhang zwischen menschlich nicht verursachten Ereignissen und dem eigenen Handeln hergestellt wird. Erst Siebenjährige glauben, dass es Unglück bringt, Salz zu verschütten, die Braut am Tag vor der Hochzeit zu sehen, den Teufel beim Namen zu nennen und so weiter.

Wie kommt man auf solche Ergebnisse? Die Forscher stellten Kindern verschiedener Altersgruppen (3-9) die Aufgabe, zu erraten in welcher von zwei Kisten sich ein Ball befindet. Sie hatten dafür keinerlei Anhaltspunkte. Nun wurde manchen der Kinder (der "Alice-Gruppe") erzählt, dass eine unsichtbare Prinzessin namens Alice im Raum sei, die ihnen wohlgesonnen ist und ihnen durch ein Zeichen zu verstehen geben würde, wenn sie die falsche Wahl treffen. Die anderen Kinder (nenne wir sie "Who-the-fuck-is-Alice-Gruppe") erfuhr nichts von der unsichtbaren Prinzessin.

Wenn die Kinder nun ihre Wahl trafen und die zum Zeichen die Hand auf eine der Kisten legten, ließen die Forscher ein unvorhergesehenes, unverursachtes Ereignis eintreten. Eine Lampe flackerte, oder ein Bild fiel von der Wand. Wie reagierten die Kinder? Änderten sie ihre Wahl? Es zeigten sich Unterschiede entlang der Altersgrenzen und zwischen den Alice- und Who-the-fuck-is-Alice-Gruppen.

a) 7-bis 9-jährige in der Alicegruppe änderten ihre Wahl.
b) keines der Kinder, egal welchen Alters, in der Who-the-fuck-is-Alice-Gruppe änderte seine Wahl.
c) die 5-6-jährigen Alice-Gruppen-Kinder behielten ihre Wahl bei. Sie erklärten, Alice habe das Bild herunter geworfen, weil es ihr nicht gefällt, weil sie gerade List darauf hatte oder gaben ihr eine beliebige andere Motivation.
d) die 3-4-jährigen Alice-Gruppen-Kinder behielten ihre Wahl bei, und erklärten das Herunterfallen des Bildes mit physischen Ursachen: es sei nicht gut angeklebt gewesen etwa. Alice kam ihnen nicht als Ursache in den Sinn.

Was schließen die Forscher daraus? Offenbar entsteht erst ab dem 7. Lebensjahr die "Theory of Mind" der zweiten Ordnung, die es uns erlaubt nicht nur die Gefühle Anderer zu erahnen, sondern auch zu raten, was Andere über uns denken ("Alice weiß, dass ich nicht weiß wo der Ball ist, deswegen gibt sie mir ein Zeichen"). Zudem scheint Aberglaube eine erlernte Fähigkeit - Ergebnis b) zeigt, dass man nicht von selber auf den Gedanken kommt, dass unsichtbare Mächte auf die eigenen Handlungen reagieren.

Am charmantesten finde ich aber die Ergebnisse c) und d). d) zeigt, dass Kinder bessere Wissenschaftler sind als Erwachsene, weil sie mit Occams Rasiermesser unnötige Erklärungen wie Prinzessin Alice streichen, wenn es bessere Erklärungen gibt (besser im Sinne von alltäglich erlebt). Ergebnis c) zeigt, dass die Kinder die Geschichte von Prinzessin Alice nehmen und damit anstellen, was ihnen in den Sinn kommt. Prinzessin Alice mag das Bild lieber am Fußboden. Sie hat heute schlechte Laune und wirft Sachen herunter.

Was würde wohl geschehen, wenn 5-7-jährige die Bibel schrieben?

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