Das lange Vorspiel gebährfähiger Elternpaare

Romantik in der Ehe ist nicht mehr das, was sie mal war. Vorher, in den leidenschaftlichen, wilden Zeiten. Sex schon gleich zweimal nicht, terminlich eingeengt von quengelnden Kinder, Hausarbeit, Vollzeitjob und einem kleinen bisschen Sozialleben, das man so hat.
Ein Wunder, dass es überhaupt Zweitgeborene gibt (wenn auch nicht mehr so viele, hierzulande. Bei einer Fertilitätsrate von 1,3 sind die meisten Kinder Einzelkinder.)
Das Kinderkriegen ist in der Ehe eine hochkomplizierte Sache geworden, die oft ein langes, langes Vorspiel hat. Es umfasst folgende Phasen.

a) T minus beliebig
Diskussion "Können wir überhaupt..." Nichts Neues. Sind Auto, Wohnung und Einkommen groß genug für noch ein Kind? Neu vielleicht: ist der Abstand zum älteren Geschwister klein genug, dass man desses Krippenplatz, KiGa-Platz und Hortplatz übernehmen kann?

b) T minus 12 Monate
Steuerklassen wechseln. Meist kriegt Er die 5, Sie die 3. Warum? Weil sich das Geld in der Elternzeit (die "Wickelprämie") nach dem Nettogehalt richtet. Wenn Sie also länger Elternzeit macht als er, ist es sinnvoll, wenn Sie davor möglichst viel Nettogehalt hatte.

c) T minus 1 oder 2 Monate
Social Media hilft bei der Empfängnis. Online-Fruchtbarkeitsrechner machen es kinderleicht, die empfängnisreichen Tage nicht nur zu berechnen, sondern auch noch zu teilen. Man kann das "Flachlegen" auch terminlich so legen, dass ein Wunschgeschlecht des Kindes wahrscheinlicher wird.

d) T minus 1 oder 2 Tage
Wer passt während dem Zeugungsakt auf das erste Kind / die älteren Kinder auf? Ein Babysitter muss gegebenfalls organisiert werden. Oft führt das zu Gerüchten, die dem zu erwartenden Kind vorausgehen.

e) T minus Null
Das zumindest hat sich nicht geändert, oder?

f) T plus 2 Wochen
Sobald der erste Test positiv anschlägt, empfiehlt sich der Anruf in der Entbindungsklinik der Wahl. Ohne Witz: Krankenhäuser wie der "Dritte Orden" sind so beliebt, dass man 6 Monate vor Termin nicht mehr anfragen muss. Alle Betten belegt...

g) T plus 3 Monate
Großeltern und Freunde könnten jetzt erfahren, in welcher Farbe sie die Babysachen kaufen müssen.

h1) die ganze Zeit vor T plus 9 Monate
Papa rotiert: für das erste Kind muss ein Nest gebaut werden. Nach Vorstellungen von Mama. Für ein zweites Kind muss das Nest umgestaltet werden. Auch nach Vorstellungen von Mama. Die hat genug zu tun mit dem Austragen des Kindes und Ertragen der Nebenwirkungen, deswegen ist der Partner geordert. Die berüchtigten Stimmungsschwankungen tragen nicht dazu bei, dass das immer harmonisch verläuft. Die Beziehung wird ein bisschen auf die Probe gestellt. Aber es kommt noch schlimmer: nach der Geburt wird der Stress nicht weniger, der Schlaf aber schon.

h2) die ganze Zeit vor T plus 9 Monate Papa macht eine Midlife-Krise durch. Prost, Jungs. Tut euch nicht weh beim Paragliding.

i) T plus 40 Wochen (was 10 Monate sein sollen - aber wen kümmert schon die Mathematik)
Das von langer Hand geplante Projekt "Baby" kommt nun zu seinem vorläufigen Abschluss. Viele Paare erleben die nächsten Monate als anstrengendste Phase ihres Lebens. Es hilft das Mantra "Es wird jeden Tag ein kleines bisschen besser" und die Erkenntnis, dass viele Eltern älterer Kinder, die diese Phase ja auch durchgemacht haben müssen, es trotzdem nochmal angehen und oben bei Punkt a) neu einsteigen.

Irgendwas muss wohl dran sein am Kinderkriegen.

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