Wie motiviere ich mein Kind mit Service Level Agreements (SLA)

Na gut, ich schummle ein bisschen: die Methode, die ich im Folgenden vorstelle, ist nicht ganz ein SLA, sondern eigentlich eine Feedback-Schleife. Aber es hat schon viel mit dem Schachern mit Dienstleistern zu tun, wenn ich mit meinem Sohn über sein Verhalten rede. Mit 4 Jahren ist der junge Mann schon zu einer erstaunlichen Palette von Rechtfertigungen und Ausreden fähig:
  • "Ich kann nicht aufstehen, sonst falle ich in Ohnmacht"
  • "Ich kann nicht Händewaschen gehen, da ist es dunkel"
  • "Du hast aber gesagt, dass..." (was absolut nicht stimmt, aber reicht um sich darauf zu versteifen)
  • oder einfach: weglaufen und nicht mehr hören (müssen), was Papa gerade anordnet.
Ich habe mir deswegen von meinem Bruder eine Smiley-Liste abgeschaut, mit der er versucht seinem Sandwichkind in den "Terrible Twos" Herr zu werden, dass seine kleine Schwester erwürgen will und seine älteren Brüder in den Wahnsinn treibt.

Diese Smiley-Liste hat für jeden Tag ein leeres Feld, dass am Ende je nach dem Verhalten des Kindes mit einem Smiley oder einem Frowny ausgefüllt wird - also einem lachenden oder einem unglücklichen Gesicht. Für eine Woche voller Smileys gibt es einen Lolli.

Dieses System setzt auf psychologische Tricks, die gleich zwei postive Effekte erzielen: a) machen sie den Eltern das Leben leichter, weil das Verhalten des Kindes sich zum Teil deutlich bessert und b) fördern sie die Selbstkonktrolle des Kindes, dass sich seine Belohnungen verdienen will und dafür seine Impulse im Zaum hält.

Feedback-Schleifen beeinflussen Verhalten
Simpel, oder? Es gibt ein paar Dinge, die man beachten muss. Die Smiley-Tafel basiert psychologisch auf einer Feedback-Schleife. Die funktioniert nur, wenn diese vier Elemente enthalten sind:

  • Daten/Input: als Grundlage müssen Daten stehen. Hier ist es das Verhalten, bewertet durch die Eltern
  • Relevanz: Daten sind sinnlos, wenn sie dem Empfänger nichts bedeuten. Die Bedeutung muss klar und deutlich, aber vor allem im gleichen Atemzug, kommuniziert werden: Etwa so: "Dass Du deine Kleider auf den Boden wirfst, ist nicht OK. Das haben wir anders vereinbart, erinnerst Du dich?"
  • Konsequenz/Folgen: Selbst die beste Information ist kein Grund etwas zu ändern, wenn sie keine Konsequenzen hat. Auch hier gilt: sofort, direkt, konkret und deutlich. "Wenn Du das nicht gleich aufräumst, dann gibt das heute keinen Smiley."
  • Handlung: Zuguterletzt muss das Kind die Möglichkeit haben, etwas an der dargestellten Sache zu ändern, und er muss das auch verstehen. Ein Stück Spielzeug aufheben und in den Schrank legen kriegt er hin, schwieriger ist es "sich zu benehmen" (es ist ihm/ihr möglicherweise nicht klar, was das konkret bedeutet). Wenn von ihm verlangt wird etwas zu tun, was er noch nie gemacht hat ("Zieh deinen Pulli aus und steck ihn in die Waschmaschine" überfodert ihn/sie das wahrscheinlich.)


Ein Tipp. Feedback-Schleifen helfen auch bei Erwachsenen, um Verhalten zu beeinflussen. Probieren sie es mal aus, wenn sie vor einem Problem kollektiven Fehlverhaltens stehen (Kaffeeküchen-Hygiene in der Firma, Türenschließen an kalten Tagen...)

Wir haben in der ersten Woche ein bisschen geschummelt: um meinem Sohn das Spiel schmackhaft zu machen, haben wir als Tagesziel seine Lieblings-Fernsehsendung eingetragen ("Keine Kekse für Kobolde", es könnte schlimmer sein), was im Prinzip bedeutet, dass er etwas zu verlieren hat - bisher haben wie die Sendung immer erlaubt. Damit er auch gewinnen kann, ist das Wochenziel ein Kinobesuch (mit Indoor-Spielplatz und oft lecker Essen im Cineplex). Das hat ausgezeichnet funktioniert. Um die Motivation noch zu erhöhen, haben wir in der ersten Woche beide Augen zugedrückt, damit er das Wochenziel erreicht, erlebt und in Zukunft weiterhin anstrebt.

Konkrete Ziele oder generell gutes Verhalten?
Worüber ich mir noch nicht im Klaren bin ist die Frage, ob wir die Verhaltensziele konkret festlegen sollten, oder ob es besser ist, neben ein paar allgemeinen Richtlinien (keine Tantrums, Schuhe immer wegräumen, nach dem Essen Hände waschen) je nach Situation festzulegen, was wir von unserem Sohn erwarten ("Wenn Du jetzt nicht dem Simon sein Spielzeug wieder gibst, dann..."). Ersteres ist konkreter, und damit besser, zweiteres wird dem Chaos des wirklichen Lebens besser gerecht.

Im Augenblick ist die Smiley-Liste noch ein Versuchsprojekt. Ich bin gespannt, ob wir die gleichen guten Ergebnisse erzielen, die man von anderen hört (meines Bruders Baby ist bisher noch nicht erwürgt worden, noch haben die Großen das fürchterliche Sandwichkind im Wald ausgesetzt).

Foto: √oхέƒx™

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