"No, I am your father" - Alternativen zum Vatertag

Star Wars ist eine herrlicher Filmfolge, die sich bei meinem Sohn und in seinem Kindergarten größter Beliebtheit erfreut. Deswegen habe ich ich auch nicht allzusehr gewundert, dass mir mein Schatz gestern mit einem Rasiermesser in der Hand und dem "Imperial March" auf den Lippen an den Hals ging. Links und rechts von mir ging das 21 anderen Vätern ja genau so. Es war Vatertag im Kindergarten, und ich war einer der glücklichen, die sich frei nehmen konnten um hin zu gehen. Jeder Dritte Papa fand das wichtig genug. Eine Woche vorher hatten fast 100 Prozent der Mamas ihr Muttertagsevent im KiGa besucht. Dieses Missverhältnis war Grund für meine Frau, sich furchtbar aufzuregen. Ich weiß nicht, was sie hat: Darth Vader hat auch erst nach 19 Jahren Zeit gefunden, mal Zeit mit seinem Sohn Luke zu verbringen.

Auf den zweiten Blick ist Star Wars vielleicht doch kein so gutes Vorbild für Vater-Sohn-Aktivitäten. Klar, das gemeinsame Laserschwertfechten ist noch ganz nett, und dass sie gemeinsam ihr Projekt "Stürzt den Imperator" durchgezogen haben, dürfte zum Bonding auch beigetragen haben. Aber die Sache mit dem Abschneiden von Gliedmaßen hinterlässt doch einen unschönen Beigeschmack. Vor allem eben wenn man - wie oben beschrieben - gerade vom vierjährigen Sohn rasiert werden soll. 

Es war dies einer von fünf Programmpunkten bei unserem Vater-Verwöhn-Programm. Vorausgegangen war ein Begrüßungscocktail, es folgten Fußmassage, Handcreme und Grillen. Weil es das erste Mal war, dass die Väter in diesen Genuss kamen, wirkte alles noch ein bisschen improvisiert. Aber der (neu eingestiegene) Leiter der Kigas hatte das Event im Griff (bis darauf, dass ihm eine Ladung Würstchen verbrannt sind. Nach gut eineinhalb Stunden waren wir fertig, und mein Sohn ließ sich von mir auf dem Heimweg noch das Ende von "Phantom Menace" erzählen. Zum mittlerweile dritten Mal - ich kann die Saga tatsächlich auswendig. Nur beim letzten Teil komme ich manchmal durcheinander. Zeit, ihm mir noch mal anzusehen.


Früher oder später muss ich meinen Schrat dann auch mitschauen lassen. Denn die Popularität des Stoffs unter den Jungs dürfte langanhaltend sein - ich schätze sie wird "Cars" übertreffen. Die Schlümpfe jedenfalls sind schon überrundet.

Was mir persönlich an dem SciFi-Werk gefällt sind die (etwas brachialen) Fragen zur Moral, die mein Sohn tatsächlich begeistert mit mir diskutiert. Hätte Anakin Amidala wegen seiner Berufung zum Jedi verlassen sollen? Wie ist es mit seinen Kindern - als er von ihnen erfuhr, hätte er sich da auf seine Rolle als Papa beschränken müssen und das Laserschwert an den Nagel hängen?

Die Frage bringt mich zurück zur Wut meiner Frau über die geringe Zahl an Vätern, die gekommen war. Sie wirft ihnen fehlenden Mumm vor, weil sie dem Chef nicht einfach sagen "Ich muss weg, Basta". Aber was versteht sie schon davon wie es ist, Recht und Ordnung in der Galaxie aufrecht zu erhalten und der Lichte Seite der Macht zu folgen?

Bild: Cayusa

Kommentare

  1. schöner beitrag ^^
    den letzten satz find ich ganz besonders toll !

    btw, ich kann in deinem blog die "folgen" funktion nicht finden (google+ hab ich nicht und möcht ich derzeit auch nicht) - bin ich nur blind, oder gibts die bei dir nicht? (:

    viele grüße vom gerade nicht mehr so sonnigen niederrhein

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  2. Jetzt gibt es eine RSS-Funktion :)

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