Es ist Weihnachten. Halte deine Kinder ungleich

Nicht der Nikolaus und ein Engel, sondern
Knecht Ruprecht und das Christkind
Weihnachten naht, und damit eine perfekte Gelegenheit, einen fast unausweichlichen Faux Pas des Elternseins zu begehen. Wir beschenken unsere Kinder ungleich. Es geht ja kaum anders - die Kleinen sind ungleich alt, haben unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse und Wünsche. Ein Stück weit spielt hinein, dass wir strategisch schenken, etwa mit Büchern einem lesefaulen Schulkind auf den Geschmack bringen oder mit Sportgerät einem Stubenhocker Gründe zur Bewegung liefern. Aus diesen Unterschieden ergibt sich ein Spielraum, was wir welchem Kind geben, und ich glaube nicht, dass es je einen Vater oder eine Mutter in der Geschichte der Menschheit geschafft hat, nicht dem einen Kind mehr zu geben als dem anderen.

Das ist übrigens verhaltensgesteuert, liegt uns sozusagen im Blut. Als Kinder noch geringere Überlebenschancen hatten, musste sich die Mutter oder der Vater eventuell aussuchen, welchem seiner Nachkommen er bevorzugt, und den besonders pflegen. Ähnliches Verhalten zeigen viele Säugetiere, man beobachtet das manchmal an Hauskatzen oder Hunden.

Jetzt geht es beim Schenken nicht ums Überleben, aber der Hang zur Unfairness sitzt eben doch in jedem von uns (und natürlich: wir bemühen uns sehr, jedem unserer Kinder gleich viel Gutes zu tun. Aber wir bemühen uns ja auch ums Abnehmen, darum mit dem Rauchen aufzuhören, nach Feierabend Spanisch zu lernen und immer lieb zu Tante Erna zu sein. Und wie gut funktioniert das so?) Dabei haben unsere Kinder schon von sehr frühen Tagen an ein Gefühl für Fairness, Belohnung und Rache. Wie Paul Bloom erklärt, setzt es irgendwann zwischen dem 5. und 8. Lebensmonat ein. Also häufig noch vor dem ersten Weihnachten, spätestens vor dem zweiten. Werden sie es uns ewig nachtragen? Müssen wir uns Schuldgefühle machen, die uns bis aufs Sterbebett begleiten?

Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich werden die Kleinen von der Bescherung so getiltet, dass sie für Nuancen wie Neid oder Unfairness kein Gespür mehr haben. Und dann heulen sie sowieso, weil die ganze Aufregung ja irgendwo hin muss. Aber vielleicht erklärt die ganze Frage der ungleichen Geschenke auch die Popularität des Krampus/Knecht Ruprecht: die Kinder sehen in ihren Eltern beides, und wir Eltern erkennen uns in der doppelten Autoritätsfigur wieder. Die einen kriegen was geschenkt, die anderen wandern in den Sack. Nicht, weil wir unfair sein wollen, sondern im Gegenteil. Manche Satansbraten haben es vielleicht nicht anders verdient. Weihnachten naht, eine perfekte Chance, sich auf diese Art auszuleben. Haltet eure Kinder ungleich (ihr habt keine Wahl.)


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