Eltern+Kind+Smartphone=Notaufnahme

Ich liebe mein Smartphone. Noch viel mehr liebe ich meine Kinder. Wie sich zeigt, verträgt sich das nicht miteinander. Die Zahl der Kinder, die in der Notaufnahme aufschlagen, steigt. Und zwar mit dem Aufkommen der Smartphones, wie eine Analyse der Statistik zeigt. Um 10 Prozent nahm die Zahl der Notfälle zu, seit 2005 die ersten Geräte aufkamen. Der Anstieg lässt sich sehr gut beobachten in Gemeinden, die 3G-Netze bekamen. Sobald die neue Datenwelt den Eltern offen stand, hatten sie offenbar kein so sorgsames Auge mehr auf ihren Nachwuchs. Der fiel vom Klettergerüst, stolperte über eine Katze, rummste mit dem Bobbycar gegen einen Tisch mit riskant hochgelagerter Blumenvase... ihr kennt das. Böse Eltern. Oder nicht?
father & daughter moment 2
Tweet, tweet, tweet. ZZZ. Foto unter cc von Ambernectar 13
So ungern ich an die wenigen Fälle denke, wo meine Kinder sich was dramatisches getan haben (und nie waren diese Vorfälle notaufnahmenrelevant): man muss die Statistik aus den USA nicht überbewerten, oder zumindest im Zusammenhang des Gesamtphänomens digitale Mobilität sehen. Die Zahl der Fälle ist gering, verglichen etwa mit den Unfallzahlen im Straßenverkehr. In den meisten Fällen sind die typischen Spielplatzblessuren auch vergleichsweise harmlos. Eine durchgebissene Zunge heilt meist ganz gut.

Und es ist ja nicht so, dass Smartphones nur Nachteile haben, und Eltern sie aus rein egoistischen Motiven auf den Spielplatz nehmen. Viele von uns profitieren in ihrer Work-Life-Balance davon, wenn sie nicht im Büro sitzen müssen, die wichtigsten Nachrichten aber trotzdem zeitnah mitbekommen. Bisweilen ist das auch eine Vereinbarung, die der Arbeitgeber so akzeptiert, um Papa oder Mama eine Stunde früher gehen zu lassen um sich um den Nachwuchs zu kümmern. Man darf auch nicht unterschätzen, wie viel Zeit man sich mit einem Smartphone spart: Verabredungen, Recherchen (Rezepte), Koordination ("Mama, was sollen wir nachher einkaufen") - all das geht mit dem kleinen Blechdepp, während Junior turnt.

Und natürlich Zeitvertreib. Ob es nun auf Twitter, Facebook oder mit Spielen ist: Elternsein kann auch mal öde sein. Ein Handy hilft. Es wäre ziemlich unfair, das nicht als Grund zuzulassen.

Unterm Strich ist die Erkenntnis ein Denkanstoß, dass sich unsere iKids dank unserer iPhones öfter verletzen: so ab 1,50 m Kletterhöhe sollte ich das Gerät doch mal wegstecken und die Arme ausbreiten, um im Notfall meinem Nebenjob als Supermann nachkommen zu können (so wie weiter unten etwa unten). Nicht nur, dass man das Smartphone nicht einfach verbannen kann (wobei ich eine Woche Urlaub ohne immer genieße), die Gewinn/Verlust-Rechnung weist meiner Meinung nach immer noch ein Plus auf. Man kann das eben noch ein bisschen vergrößern, wenn man sich den Zusammenhang des Handys mit der Zahl der Unfälle von Kindern vor Augen führt.

Mein letzter Besuch in der Notaufnahme übrigens (und ich halte jedes Kind, dass nicht mindestens einmal dort landet für einen verkappten Außerirdischen) hatte gar nichts damit zu tun.
Das Spielzeug konnte erst zwei Stunden später von einer amüsierten Ärztin geborgen werden (übrigend innerhalb von drei Sekunden). Der Besuch in der spätabendlichen Klinik wird mir eher als amüsant in Erinnerung bleiben. Leider hab ich ganz vergessen, mit dem Handy ein Bild davon zu knipsen.


Und hier jetzt aufmerksame Superpapas:

: funny gifs



Kommentare

  1. Reine Wissenschaft. Wir sollten uns mal zusammentun für das Wohle der empirischen Sozialforschung...

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  2. Klaro, ein gutes Versuchslabor habe ich schon. Och ne, warte: das ist angewandte Mikrobiologie, was ich meine.

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