Rezension (ein Film über Scheidung): Die Ökonomie der Liebe

Filme wie dieser sind der Grund, warum das französische Kino im Ruf steht schwermütig zu sein. Er erzählt die Geschichte einer Scheidung - Marie und Boris haben sich nichts mehr zu sagen, und bleiben wegen der beiden Töchter und des gemeinsamen Hauses zusammen. "Die Ökonomie der Liebe" zeigt ihren Weg von einer gemeinsam gelebten Trennung hin zu einer formellen - also ein Thema, das ich aktuell perfekt und unmittelbar nachvollziehen kann. Es ist eine traurige Geschichte. Warum zum Teufel tu ich mir so einen Film dann an? Nun, weil es ein hervorragender Film ist.



Man merkt "L'Economie Du Couple" (so der Orignaltitel, und der Film ist Belgisch/Französisch, um ganz korrekt zu sein) an, dass der Stoff für die Böhne geschrieben wurde. Bis auf eine Szene spielt er sich in den vier Wänden der kleinen Familie ab (die beiden Töchter, Achtjährige Zwillinge Jade und Margaux, sind ein absolutes Highlight, was die schauspielerische Leistung angeht). Manchmal wirkt das klaustrophobisch, aber es vermittelt auch die Intimität und Unmittelbarkeit, die Boris und Marie zu schaffen macht. Ihr Szenen sind immer dann am besten, wenn sie in dieser Nähe aneinander vorbei mit ihren Kindern interagieren müssen. Keiner von beiden ist "Der Böse" in dieser Trennung, aber beide kämpfen für ihre Gefühle, für das, was ihr Leben ausmacht.

Das schreiberisch und schauspielerisch umzusetzen ist schwer. Das Team der Autoren hat es großartig umgesetzt, und Bérenice Bejo und Cédric Kahn in den Hauptrollen setzen die anspruchsvolle Vorlage gut um. Sie hat sicher einen Satz extra Falten bei dem Dreh bekommen, und er tappt in einer Art bärigen Grolls durch die Szenerie, dass sein Chiroparktiker sicher schon Extratermine für sein verspanntes kreuz gebucht hat. 

Die Thematik einer Scheidung ist sicher keine, die man an einem unbeschwerten Kinoabend durchleben will. Aber wer sich damit befassen will oder muss, der wird diesen Film sicher schätzen. Vielleicht hilft er auch, sich klar zu werden über die Motive, die Paare in schwierigen Zeiten antreiben. Ich freue mich trotzdem auf den nächsten, unbekümmerten Film, den ich hier rezensieren darf - "Moana" sieht vielversprechend aus.

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