Vom Stigma, ein Mann zu sein, ein Vater

Ich mag Spielplätze. Sie sind fröhliche Orte, Eltern ratschen, Kinder toben. Ich genieße es auch, meinem Sohn und meiner Tochter zuzusehen, beim Klettern zu helfen, mitzuklettern, sie auf der Schaukel anzuschieben. Aber ich habe ein ungutes Gefühl, wenn die Freundinnen meiner Prinzessin dabei sind. Denn was bei meinen Kindern geht, geht nicht bei denen anderer Eltern. Jedenfalls nicht bei den Mädchen. Das Stigma ein Mann zu sein verhindert es.

Ein Beispiel: um den goldenen Herbst auszunutzen, waren meine Tochter und ich auf dem nahen Spielplatz. Natürlich war er voll von Freundinnen und deren Müttern (und 3 Papas unter 30 Erwachsenen). Meine Prinzessin zog los, um ihre BFFs zu treffen, aber nach einer Viertelstunde rief sie mich schon zum Klettergerüst. Sie wollte sich an der Querstange hochziehen, und ich musste sie dazu anheben. Ich sah keine große Gefahr dabei, kam ihrem Wunsch nach, und hatte prompt ihre Freundin Gina an der Backe, die auch hoch gehoben werden wollte. Und ihre große Schwester Amelie auch.

Was soll man machen?  Ich kenne beide eher flüchtig - gut genug um zu wissen wer sie sind, Gina rennt mir beim Abliefern im Kindergarten öfter mal vor die Füße. Einerseits wäre es komisch, Nein zu sagen ("Warum?"). Ich finde Ehrlichkeit Kindern gegenüber wichtig, und die Erklärung warum ich denn zögere wäre vermutlich zu abstrakt.

Andererseits habe ich große Bedenken dabei, fremde Kinder anzufassen. Schon klar, warum, oder? Es ist ein Problem, dass auch (männliche) Profis in der Kinderbetreuung haben. Man kommt schnell in den Verdacht unlauterer, ja gefährlicher Absichten. Und der Verdacht reicht, um Schaden anzurichten.

Ich habe Gina und Amelie trotzdem hoch gehoben - mit sehr spitzen Fingern und großer Sorgfalt dass man meine Hände sieht. Wohl gefühlt habe ich mich nicht. Ich habe auch aufgepasst, ob sie nicht runter fallen (und wäre in Position gewesen sie zu fangen, falls doch). Alles also kein Drama.

Das Stigma und die "weiblichen" Berufe

Aber eines Tages, so fürchte ich, wird mir das zum Verhängnis. Situationen wie diese machen Missverständnisse möglich, die nur in einem begründet sind: in einer Stigmatisierung des Mannes als Täter. Das darf man nicht falsch verstehen: die Kriminalitätsstatistik belegt, dass Männer viel öfter als Frauen Straftäter sind. Aber gerade in Bereich der sexuellen Belästigung von Kindern sind die Zahlen niedrig.

Ich verstehe, dass die Sicherheit der eigenen Kinder vor geht. Dass Eltern große Sorge haben, dass ihr Kind missbraucht werden könnte. Ich weiß, dass Angst nichts rationales ist, und dass Menschen Risiken nicht als Statistik, sondern in Form von bekannten Einzelfällen begreifen - und Fälle von Kindsmissbrauch medial ein viel größeres Gewicht haben als andere, nicht weniger schlimme Verbrechen. Aber diese Gemengelage macht es nicht einfach, als Mann unverkrampft mit den Kindern anderer umzugehen.

Es ist kein Wunder, dass manche Berufe vorwiegend mit Frauen besetzt sind. Kinderpflege und Erziehung etwa. Den einen, einsamen KiGa-Betreuer in der Gemeinde beneide ich nicht um seine Position. Was schade ist - ich glaube das wäre ein Job für mich gewesen. Aber es ist ein Tanz auf dem Drahtseil, dass ich mir nicht antun möchte.


Bild: cc0 von Pexels

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