Wegwerf-Kunst aus dem Kindergarten


Über meinem Schreibtisch hängt ein gerahmtes Blatt Papier mit bunten Handabdrücken von meinem Brainbug. Es ist eines der wenigen Kunstwerke von ihm, die einen Platz in der permanenten Einrichtung der Wohnräume gefunden haben. Ich mag es. Es passt zu dem Handabguss aus Gips und dem Handabdruck in Ton, die Links und Recht davon hängen.
Andere Kunstwerke meines Sohnes haben nicht so viel Glück. Sie liegen eine Weile rum, dann verschwinden sie unter anderen Stücken und werden schließlich entsorgt. Wir tun uns da leicht.
Andere Leute offenbar nicht so sehr. Die New York Times hat einen netten Artikel über das Für und Wieder des ewigen Aufbewahrens sämtlicher Kindergartenwerke und die psychologischen Auswirkungen.
Kriegt ein Kind einen Knacks, wenn man seine Kunst leichtfertig wegwirft? Kann ich mir nicht vorstellen - ist mir aber persönlich auch nie passiert. Persönlich fand ich es ein bisschen komisch, als ich mit Mitte 30 auf einmal Kistenweise alte Kunst von mir geliefert bekam, die meine Eltern aus ihrem Keller entrümpelten. Es war ein unfreiwilliger Trip in die Erinnerung, und ein weiterer Hinweis, dass die Dinge sich ändern. Nicht mal mein Papa hat noch Platz für meine Kindheitserinnerungen. Es hilft nichts: Ich muss wohl ein Buch darüber schreiben. (Zuschussverlage, hört ihr mich?)

Spaß beiseite: die New York Times empfiehlt eine sehr sinnvolle Lösung für die Kunstflut ("Zografiarhö"?). Eine temporäre Sammlung, die regelmäßig geleert wird, und deren beste Werke in die dauerhafte Sammlung übergehen. Der Rest wird "zeremoniell" entsorgt.
Burn, baby, burn. Verbrennt eigentlich dieser widerliche Glitzer rückstandsfrei?

Bild: Wikimedia Commons, User Zereshk

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