Kreuzbandriss: jetzt auch für Sechsjährige?

Montags ist Faßballtag. Die neu eingerichtete Gruppe für Vierjährige hat sogar einen der raren Hallenplätze bekommen, so dass mein Sohn jetzt auch im Winter trainieren kann. Er ist Feuer und Flamme.
Ich kann mich nicht erinnern, ob ich in dem Alter schon in den Fußballverein gedurft hätte. Ich erinnere mich an Eurythmie-Stunden (und kann heute immer noch nicht tanzen). Aber, hey, Fußball ist ein toller Sport, der soziales Empfinden und den Charakter fördert. Was soll also daran verkehrt sein, wenn mein Brainbug seiner Begeisterung so nachgehen kann. Ich krieg ihn ja kaum dazu, nicht auch noch in der Küche herumzukicken.

Nun, eine Beobachtung von Sportärzten in den USA macht mir etwas Bauchweh. Offenbar hat sich die "typische" Knieverletzung von Steppkes in den letzten Jahren veändert. Immer öfter beobachten die Mediziner nun Risse des vorderen Kreuzbandes, die bisher eigentlich eher eine Krankheit von Leistungssportlern waren. Nicht von Kindern.

Es wird nun spekuliert, dass der frühe Trainigsbeginn und die nicht kindgerechte Art des Trainings verantwortlich sind. Zu viel Druck, zu viel Leistungsanspruch, dazu die Belastung das ganze Jahr über, statt einer Winterpause. Das ist nicht gut für Knorpel und Sehnen im Wachstum.

"Es liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass die Kinder Profi-Athleten nachmachen wollen. Das führt dann zu sehr jungen Sportlern, die auf einem sehr extremen, leistungssportartigen Level trainieren. So haben Kinder vor 20 Jahren noch nicht gespielt. Und auch nicht den gleichen Sport das ganze Jahr über", so wird ein Dr. Lawrence zitiert, der als Orthopäde viele der verletzten Jungsportler behandelt hat.

Die Spätfolgen sind auch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: 12 bis 14 Jahre nach einer solchen Verletzung entwickelt sich bei 41 % der Jungs und  51 % der Mädchen ernstzunehmende Arthritis .

Der einzige Grund, dass ich nicht graue Haare kriege wenn ich an diese Zusammenhänge denke, ist dieser: mein Kleener ist sprunghaft, und so enthusiastisch er sich auch für etwas begeistern kann, und mit wieviel Ehrgeiz er sich auch reinkniet - ein halbes Jahr später sieht das meist ganz anders aus. Schach zum Beispiel hat er seit einem Monat nicht mehr verlangt. Dafür macht er jetzt Mathe.

Bis er sich für etwas anderes als Fußball interessiert, werde ich ihn einfach öfter mal auf seinem Fahrrad mit auf eine Tour nehmen. Darauf reagiert er sicher früher oder später so wie ich damals auf die Bergtouren meines Vaters ("nicht schon wieeeeder!", aber es "schmiert die Gelenke", wie es so schön heißt.

Außer mein kaputtes Knie bremst mich aus. Scheiß Arthrose.

Foto: depone

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