Kind Nummer 2: wird es schlimmer oder besser?

Viele Leute haben mir vor der Geburt meiner Nummer 2 orakelt, dass es mit ihr ganz anders wird als mit dem Ersten. "Wir waren mit unserem Ersten bei 80 Prozent Leistung. Mit Nummer 2 waren es 120 Prozent". Oder: "Wirst sehen, die wird ganz anders. Eure Erfahrung bringt euch da nicht viel.". Aber auch: "Naja, jetzt wisst ihr ja schon, wie es geht."

Nach den ersten 20 Tagen traue ich mich jetzt ein vorläufiges Fazit abzugeben. Kind Nummer 2 - schlimmer, besser oder einfach nur anders als Nummer 1?


Das Gute:
  • Gelassenheit. Wenn man praktisch weiß, dass die ersten 120 Nächte hart werden, dann erträgt man es viel besser. Wer braucht schon Schlaf? Im Ernst - die Elterntechnik, an jedem Ort und in jeder Lage 5 Minuten nachzuholen verlernt man nie.

  • Routine und Infrastruktur: Man hat sich die Wege schon zurecht gelegt, kennt die Abläufe in Krippe, KiGa, bei Omas und Babysitter, und kommt nicht in Versuchung, einen 8-Stunden Ausflug mit einem Kleinwagen planen zu wollen. Das alles nimmt Reibungspunkte aus der Gleichung und baut Druck ab.


Das Schlechte:
  • Zank. Ein Kind ist Belastung, und dieser Streß führt zu Streit. Wir sind eben nur Menschen. Da, wo beim ersten Kind die Grenzen gezogen waren und die Vereinbarungen getroffen (ungerade Nächte ich, gerade Nächte Du) geht der Kampf entweder neu los oder wird mit noch größerer Hitzigkeit fortgeführt - schließlich weiß man ja jetzt genau, was auf dem Spiel steht, und wo man beim letzten Mal vielleicht den schlechten Deal bekommen hat (ein Tipp: es gibt mehr ungeradzahlige Tage als geradzahlige).
  • Enttäuschung: Kind Nummer 1 hat die Welt verändert. Das kann jeder Vater, jede Mutter bezeugen. Für die meisten dürfte es eine gute, eine fantastische Veränderung gewesen sein - das Kommen des Messias. Bei Kind Nummer 2 ist das einfach nicht drin. Der Heiland war schon da. Jetzt kommen nur noch Päpste.

Das Andere:
  • Vergessen: Die Erfahrung von Kind Nummer 1 hilft wie gesagt viel. Aber überraschend viel habe ich doch neu lernen müssen. Die Rüschen and er Windel rauszuzupfen hätte ich glatt vergessen. Wäre eine schöne Sauerei gewesen. Danke nochmal an die Hebamme im Krankenhaus für die Erinnerung.
  • Der Dritte Mann: Es macht einen Unterschied, ob man als Paar allein mit dem neuen Familienmitglied ist, oder ob die Dreierkombo VaterMutterKind ihn oder sie in ihrer Mitte begrüßt. Es ist dermaßen süß, unseren Vierjährigen zu beobachten, wenn er seine Schwester streichelt, dass wir seine ungewohnten und regelmäßigen Zornesausbrüche und Trotzphasen seit der Geburt gerne in Kauf nehmen. Wenigstens hat er nicht wie viele andere Kinder angefangen, nachts das Bett zu nässen oder auf einen Schnuller zu bestehen. Aber das Gleichgewicht der Aufmerksamkeit mussten wir vorher nicht berücksichtigen. Jetzt schon. Eine neue Aufgabe.

2 Mal Plus, zwei Mal Minus, zwei Mal unentschieden. Untern Strich also was? Wer jetzt noch nicht weiß, dass ich meine Kinder für das Größte halte, was mir je passiert ist, der muss nur die Einträge der letzten Jahre lesen. Und viel hilft viel; zwei Kinder sind besser als eines. Deswegen (und wie gesagt vorläufig): nicht alles ist besser. Aber es ist alles gut.

Bilder: von EssjayNZ und von Leo Reynolds



Kommentare

  1. Schöner Post! Du klingst weder euphorisch noch total am Ende- einfach normal. Das macht Mut :-)
    Der Spruch mit dem Heiland und den Päpsten ist köstlich, den merk ich mir!

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  2. Danke für das Lob. Ich hoffe, dass es bei euch mit Nr. 2 klappt, und dass auch bei euch alles gut wird.

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