Rezension: Merida

Schon im Zuge meiner nicht gerade frenetischen Rezension von "Ice Age 4" habt ihr mich mich mit der Aussicht auf "Merida - Legende der Highlands" getröstet. Mit gutem Grund; der Trailer sah vielversprechend aus, und Pixar hat bis jetzt noch keinen Film abgeliefert, der nicht fantastisch gewesen wäre. Bis jetzt.



Zur Erklärung, warum ich Merida nicht in die gleiche Liga wie etwa "The Incredibles" einordne, möchte ich kurz die Handlung skizzieren (und dabei so wenig "spoilern" wie möglich). Merida ist Prinzessin und hat keine Lust auf ihre Pflichten, ergo das Heiraten eines politisch geeigneten Prinzen. Sie gerät in Streit mit ihrer Mutter, verflucht sie und setzt, reuevoll, alles daran, den Fluch wieder zu brechen. Dazu muss sie ihre eigenen Schwächen und ihren Dickkopf überwinden und das Vorbild ihrer Mutter annehmen, um schließlich als gereifter Mensch dazustehen. In anderen Worten: Gähn. Quasi nebenbei löst sie noch das Rätsel um einen dämonischen Bären, der ihrem Vater das Bein weggebissen hat.

Kommt einem dieser Dämonenbär ein bisschen unnötig vor? Ist er auch. Die Macher bei Pixar müssen irgendwann eingesehen haben, dass ihre moralisch wertvolle Geschichte vieles ist, aber nicht spannend. Also erweiterten sie die Geschichte um Action- und Kampfelemente, die sich eben in einem Schloss nicht so ohne weiteres unterbringen lassen. Dafür musste also ein übernatürlicher Widersacher her. Weil das noch nicht reicht, kommen dramatisch übersteigerte Ritte durch den Wald dazu, eskalierende Streitereien zwischen diversen Schottischen Clans und sogar eine Explosion (in Zeiten vor Einführung des Schießpulvers wohlgemerkt).
So hinkt die Geschichte auf zwei ungleich langen Beinen daher; die fade aber emotional interessante Teenager-Story (und Merida ist der beste bockig Teenie, den ich bisher im Kino gesehen habe) und eine spannende aber sinnlose Monsterhatz. Der Film schafft es einfach nicht, diese beiden Elemente sinnvoll zu verbinden, auch wenn er sich nach allen Regeln der Geschichtenschreiberei darum bemüht.

"Merida" ist trotzdem ein guter Film, denn zwei andere Pixar-Markenzeichen sind hier so stark wie eh und je: Humor und Design. Über das komödische Talent bei Pixar muss man nicht viel Worte verlieren, aber über das Design darf man schwärmen. Von den roten Locken der Heldin über die Szenerie der kargen Highlands bis hin zu den physisch glaubhaft animierten Körpern - ganz gleich ob Mensch, Bär oder Fisch - das hier ist der State of the Art der digitalen Animationskunst. Alleine deswegen lohnt sich die Kinokarte.

Wer sich den Film im Originalton anschaut, bekommt noch ein weiteres Bonbon zu hören: die (charmant abgeschwächten) schottischen Dialekte - und einen schottischen Lord MacGuffin als Bonus für Hitchcock-Fans obendrein. Oh Mist, jetzt hab ich doch einen Witz vorweggenommen. Och, aye...

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Mit Kindern im Elsass: ein unterschätztes, geiles Urlaubsziel

Nackt schlafen, in einem Bett mit den Kindern

Elite-Namen