Spielen ist besser als lernen

Wie bereite ich mein Kind auf die Schule, Uni, Karriere am besten vor? Worauf muss ich Wert legen? Fleiß? Musisches Talent? Mehrsprachigkeit?
Alles nicht verkehrt, sicher. Ein paar aktuelle Studien zeigen aber auf, dass eine bestimmte Art von Spielen noch besser für den zukünftigen Erfolg ist als, sagen wir, Lesen und Schreiben schon vor der Schule beizubringen. Der Trick dabei: die Kontrolle der kognitiven Funktionen (die übrigens auch noch ganz generell den IQ fördert und später mal vor den Effekten von Alzheimer schützt.) Bonuspunkt: man braucht gar nix dafür, kein Spielmaterial.


Was also ist diese Wunderwaffe im Kampf für eine gute Abinote? Es ist die Art von Spielen, die das "Um-die-Ecke-Denken" erfordert. Im Englischen gibt es "Simon Says", ein dreckseinfaches Spiel: der Spielleiter gibt Kommandos, die anderen müssen sie befolgen - aber nur, wenn er vorher "Simon says" gesagt hat. In eine veschärften Version müssen die Mitspieler das Gegenteil von dem Kommando tun, wenn der Vorsatz "Simon Says" fehlte. Klingt einfach, ist aber selbst für schlaue Kinder nicht einfach. (Das Deutsche "Alle Vögel fliegen hoch" ist nicht ganz so anspruchsvoll).


(Paul) Simon says: "Hop on the bus, Gus."

Was Kindern fehlt ist die Fähigkeit, ihre Handlungen abstrakt zu hinterfragen und zu lenken - die kognitive Kontrolle. Genau wie bei einem zweisprachig Aufwachsenden, der gezwungen ist je nach Gesprächspartner und Situation verschiedene Sprachen zu benutzen.

Die abstrakten Fähigkeiten sind etwas, das man als Erwachsener oft voraussetzt, was aber in der Tat vom Entwicklungsstand des Kindes abhängt, was gelernt und trainiert werden kann. Mein kleiner Brainbug ist ein fantastischer Geschichtenfreund - er fordert sie ein, ist hochaufmerksam, stellt Schlussfolgerungen und Verbindungen, die ich ihm nicht zugetraut hätte. Aber wenn ich ihn bitte, selbst eine einfache Geschichte nachzuerzählen, versagt er. Das Wissen ist da - ich kann jeden einzelnen Umstand abfragen, er kennt die Handlung gut - aber das Werkzeug, diese Teile in einen zeitlichen und logischen Ablauf zu bringen, fehlt ihm. Aus Hänsel und Gretel wird "Ein Haus". Ende.

Das üben wir noch, genau wie "Simon Says". Mit gutem Grund: diese kognitiven Funktionen sind in Studien der beste Indikator eines guten Schulabschlusses (siehe ein Artikel der New York Times zum Thema). Und: man wird nicht so heiser wie wenn man den Herrn der Ringe nacherzählt. Zum mittlerweile zweiten Mal.

Nicht ganz uneigennützig auch: vielleicht hilft diese Selbstkontrolle auch dabei, dass mein Sohn mal aufräumt, Hände wäscht, nicht alle zehn Sekunden eine Erinnerung braucht, wenn er eine Aufgabe hat.
Man darf ja noch träumen, nicht?

Foto: Dilaudid

Kommentare

  1. Kann man diesen Artikel bitte genau so wie er ist in diversen Zeitungen und Eltern- + Schulratgebern abdrucken lassen? Ich als Pädagogin und Mama unterschreibe jedes Wort deines Posts und würde mir wünschen, dass noch mehr Menschen, die mit Kindern zu tun haben, wissen, wie der kleine Kopf und das effektive gehingerechte Lernen funktioniert! Toller Beitrag!

    AntwortenLöschen
  2. Danke. Ich hab den Verdacht, dass die "Nido"-Redaktion hier bisweilen mitliest. Vielleicht nehmen sie sich ein Herz.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Mit Kindern im Elsass: ein unterschätztes, geiles Urlaubsziel

Nackt schlafen, in einem Bett mit den Kindern

Elite-Namen