Alexander die Großartige Ausstellung im Lokschuppen Rosenheim

Siegerehrung - wer schafft die nötigen Punkte für den ersten Platz?
Ich gehe gerne in Museen, und meine Kinder können davon ein Lied singen. Ich behaupte sogar, mich gut genug auszukennen, um gute Tipps abgeben zu können. Die Ausstellung zu Alexander dem Großen im Lokschuppen hat das auf jeden Fall verdient. Zwar ist Rosenheim eher, nun, nicht ganz so zentral gelegen wie man es sich wünschen würde, aber wer nach Bayern kommt und ein paar Stunden Zeit hat, der sollte den Besuch hier in Betracht ziehen. Gerade für Familien mit Kindern sucht die Ausstellung (die noch bis Ende 2013 läuft) ihresgleichen.

Galeerenüberfahrt des Hellespont für die jungen Besucher.

Der Grund dafür ist, dass der Lokschuppen bei der Planung offenbar nicht Kosten noch Mühen gescheut hat. Ein Beispiel: sie haben extra dafür einen Spielplatz angelegt, in dem sich die Kinder mit antik griechischem Motto sportlich betätigen können. Es gibt Parcourkarten, auf denen sie ihre erreichten Punkte bei den einzelnen Disziplinen eintragen können. Für die "Goldmedallie" muss man sich schon ins Zeug legen. Unser Favorit war das Wagenrennen, aber auch das Reifenwerfen vom Pferd war sowohl neu als auch witzig.

Diese Liebe zum Detail zeigt ich auch in der Ausstellung: mit Leihgaben aus aller Welt (der Louvre etwa steuerte persische Fresken bei), hochkartätigen Multimediaelementen und natürlich einem Quizpfad für Kinder läd das Museum dazu ein, den Marsch Alexanders nachzuverfolgen. Dabei werden der historische Kontext genau so behandelt wie praktische Fragen - wieviel wiegt so ein Sarissa-Speer? Man kann es ausprobieren. Wovon ernährten sich die Soldaten (von 1,2 Kilo Getreidebrei täglich. Na danke!) und wie viel verdienten sie (eine Drachme pro Tag -  ein Zehntel Schaf ungefähr). Wie weit ist er marschiert (23.000 Kilometer - kein Wunder, dass in der Mitte der Ausstellung ein Ruheraum zum Verschnaufen einlädt).

Vor allem aber widmet sich die Ausstellung der Frage, was für ein Mensch Alexander gewesen sein mag. Immer wieder kommen Weggefährten, Frauen oder Lehrer zu Wort. Der Eindruck, der sich einem vor allem aufdrängt ist der, dass mit dem antiken Feldherren nicht gut Kirschen essen war. Seine Freunde lebten gefährlich, seine Feinde sowieso, und er scheint nur ein einziges Ziel gehabt zu haben: Krieg führen. Er war vermutlich ein seelisch ramponierter Mensch, dessen Leistungen gleichwohl beeindruckend in ihrer Kompromisslosigkeit sind. Meinen Fünfjährigen jedenfalls hat der alte Grieche sichtlich beeindruckt, und der Museumsbesuch gefreut.

Zwei nette Details sind mir als Elternteil in guter Erinnerung geblieben: der perfekt ausgestattete Wickelraum (geschlechterneutral, so dass auch Papas an die Arbeit können; mit Verbrauchsgütern für diejenigen unter uns, die ab und zu mal die Windeltasche vergessen; mit Babysitz, um den frisch versorgten Sproß sicher und hygienisch einwandfrei zu parken, damit man sich selber die Hände waschen kann (oder einem natürlichen Bedürfnis nachkommen will) einerseits und andererseits die Schließfächer, die auch regelrechte Zwinger enthalten, die genug Stauraum für das Gepäck einer Schulklasse, einen Kinderwagen (oder ein unartiges Kind) bieten.

Für Besucher aus Oberbayern bietet sich vermutlich die Anreise mit dem Zug an - der Lokschuppen ist mit einem gut ausgeschilderten Spaziergang durch die Innenstadt Rosenheims in zehn Minuten zu erreichen. Wesentlich weniger Stress als ein Feldzug durch ganz Kleinasien. Ich bin schon gespannt, was der Lokschuppen nächstes Jahr bringt - das Thema werden die Inka sein. Es lohnt sich aber auf jeden Fall (und ist nicht arg teuer), noch dieses Jahr dort vorbei zu schauen.




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