Fotos aufheben: wo die meisten Eltern versagen

Ich sage es nicht gern, lieber Leser, aber wahrscheinlich bist du ein schlechter Vater / eine schlechte Mama. Zumindest bei einem Punkt: den Fotos deiner Kinder. Wenn unsere Lieblinge in 20, 30 Jahren heiraten, dann sind vielleicht von den süßen Babyfotos keine mehr übrig. Sogar unsere eigenen Kinderfotos aus den 70ern, 80ern oder 90ern sind vor der Vernichtung sicherer. Warum? Weil wir schlampig sind. Hier ist eine Anleitung, wie man es besser macht.Fotos sind heutzutage so einfach zu machen und so unkompliziert zu speichern wie nie zuvor. Jeder hat seine Kamera ständig in der Hosentasche, und nach zwei Wischern über das Smartphone ist das Bild online. Wo ist also das Problem? Opa und Oma haben kiloschwere Fotoalben von uns, die irgendwo im Keller vor sich hinmodern - sicherlich ist es heute einfacher, Babys erste Schritte festzuhalten (in Video, noch dazu).
Quäl dich, du Sau. Die Fotos speichern sich nicht von selbst.

Ja, im Prinzip. Nur ist die neue Einfachheit des Fotografierens gleichzeitig ihr größter Feind: wir vergessen unsere Schnappschüsse, lassen sie im Speicher des Handys liegen bis es voll ist, stellen es bei beim Lidl-Fotodienst hoch, um Abzüge zu bestellen, machen die Festplatte des heimischen Laptops voll und vergessen sie. Kein Wunder, wir haben genug zu tun, und es eilt ja nicht (außerdem, warum sollten wir was an diesem Zustand ändern? Digital hält doch ewig, nicht?).


  • Digitale Daten können tatsächlich ewig halten. Aber der Laptop nicht. Er wird kaputt gehen. Wer sagt, dass ich nicht morgen Kaffe über die Tastatur kippe, einen Kurzschluss produziere und alle Daten auf der Festplatte verliere? Mein Smartphone ist quasi darauf ausgelegt, nach zwei Jahren den Geist aufzugeben. Was passiert dann mit den Fotos, die dort liegen? Und Lidl hat kein Interesse daran, meine Bilder in 20 Jahren noch zu speichern.
  • Und die Ausdrucke, die wir von den schönsten Bilden machen? Abgesehen davon, dass sie teuer sind, darf man bezweifeln, dass diese Farbdrucke (und nichts anderes sind sie) die Zeiten so gut überstehen wie die chemisch entwickelten Fotos des letzten Jahrhunderts. Deren Technologie hatte 150 Jahre Zeit zu reifen. Es ist kein Zufall, dass die Familienfotos aus der Zeit der Dampfmaschine noch erhalten sind. Ob man das gleiche von den hochglanz-Lidl-Fotos in 150 Jahren wird sagen können? Bleiben wir mal vorsichtig skeptisch.
  • Also machen wir digitale Backups, kaufen uns eine externe Festplatte und installieren vielleicht sogar eine Software, die den Vorgang automatisiert. Das ist ein guter erster Schritt. Doch auch die externe Festplatte kann den Geist aufgeben - wenn sie voll ist und 15 Jahre im Keller schlummert, ist das sogar sehr wahrscheinlich.
  • Dann also ein online-Fotodienst wie flickr? Gut. Mit 1 TB Speicher sind wir auf der sicheren Seite, was die Kapazität angeht, und die Tatsache, dass es ein Cloud-Speicher ist, macht den Dienst relativ unanfällig gegen Katastrophen im Rechenzentrum. Nur ist die Mutterfirma Yahoo ein Privatunternehmen. Sie könnten pleite gehen, den Dienst schließen. Oder wir vergessen unsere Zugangsdaten. Von Facebook, das nicht als Foto-Dienst ausgelegt ist und notorisch alles verschwinden lässt, was älter ist als drei Tage ganz zu schweigen.
  • Zudem haben wir noch ein Problem: die schiere Masse an Bildern. Wie können wir in 30 Jahren einen Datenberg von 10.000 Kinderfotos sinnvoll verwalten? Ist Tims zwölfter Geburtstag jetzt in Datei CIM3498.jpg oder IMG4451.jpg?


Da wird sich die Gesichtserkennung aber schwer tun.
Abhilfe schafft zumindest hier Google+, dass als soziales Netzwerk ziemlich mau ist, aber als Foto-Tool super. Mit schlauen Apps und vor allem Algorithmen zur Sortierung von Bildern (wo und wann wurden sie aufgenommen, wer ist darauf zu sehen) ist der Dienst die aktuell beste Antwort auf das Foto-Problem.

Die Lösung: 3 Schritte (oder 5 für Vorsichtige)

Und damit sind wir auch schon bei der Lösung angekommen: wer es nicht dem Zufall überlassen will, ob die Diashow zum 40. Geburtstag des Sohnemanns die lustigen Nacktbilder aus dem Planschbecken enthält, der sollte:

  1. alle Fotos von allen Kameras zentral auf einem Rechner sammeln
  2. regelmäßige Backups auf einer externen Festplatte machen
  3. regelmäßige Backups nach Google+ hochladen und die Sortierungsfunktionen nutzen

  4. und für wirklich vorsichtige Menschen

  5. Abzüge der wichtigsten Bilder bei einem professionellen Fotostudio machen lassen und
  6. ein weiteres online-Backup bei einem Speicherdienst wie copy.com, dropbox.com et al. vornehmen

  7. Außerdem:
    6) sorgt dafür, dass eure Zugangsdaten zu diesen Fotodiensten auf eurem Grabstein stehen. Für die kommenden Genrationen.
Ein update: man sollte nicht überschätzen, wie regelmäßig Daten verloren gehen, egal wo. Cloud-Speicher sind davor nicht gefeit, ganz im Gegenteil. Ein Blogbeitrag von Dan Tynan erzählt einen Fall, wie er jedem passieren kann, solange die Dienstleister noch jung, ihre Geschäftsmodelle noch neu sind. Eines Tages waren Dans Daten weg, und er kann von Glück reden dass sie wiederbeschafft werden konnten. Ein Argument mehr für die redundante Speicherung von Fotos offline, online, auf Papier.

Und noch ein Nachtrag: Pixum ist kein Tool, um Fotos zu teilen. Es ist ein Dienst, der das Drucken von Bildern einfach macht, und das macht er gut. Aber wer seinen Freunden, seiner Familie Links zu den Pixum-Alben schickt, die er mit ihnen teilen will, gibt ihnen nur Zugriff auf qualitativ miserable digitale Kopien in winziger Auflösung. Und die Daten werden irgendwann gelöscht. Also: zum digitalen Teilen verwende flickr, Google+ oder andere.

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