Rezension: Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 (Dada in 3D)

Mal eine Frage vorweg: wenn man den Titel eines Filmes schon lokalisiert, warum wählt man dann ein Wort wie "Fleischbällchen", das nun wirklich kein Mensch verwendet. Fleischpflanzerl, Bulette, Frikadelle - so heißt man das.
Nächste Frage: im ersten Teil ging es um Essen, dass vom Himmel fällt. In diesem nicht. Wäre nicht ein anderer Titel besser gewesen?
Dritte Frage. Können Hamburger die Freiheitsstatue wirklich aufessen? Klingt wie die Schilderung eines Plattencovers aus den 80ern. Flint Lockwood, Held des Filmes und eigentlich nicht dumm, glaubt es trotzdem.

Mit Beginn der dunkeln Jahreszeit laufen ein paar sehenswerte Familien- oder Kinderfilme an. Manchen (Papa kennt das) bieten die Gelegenheit zu einem ungestörten Nickerchen; man verpasst nichts. Andere sind optisch beeindruckend, aber platt, und ganz selten einmal gibt es Filme, die auch Erwachsene mitreißen können. "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2" ist - anders vielleicht als sein Vorgänger - keiner von diesen. Aber witzig ist er dennoch. Das Nackenkissen kann daheim bleiben.

Nicht der Handlung wegen - sie ist kindertauglich. Flint kehrt auf seine Insel zurück, um seine Essens-Maschine auszuschalten. Sein Auftraggeber ist der ewiglächelnde Chester V (ein Steve Jobs-Clone), der den jungen Erfinder nur zu seinen eigenen Zwecken missbraucht. Am Ende gelingt es Flint dank seiner Freunde, Schlimmeres zu verhindern und eine Insel voller süßer (ha, Wortspiel) Erdbeertierchen zu retten.

Unterhaltsam ist der Film, weil die Macher offenbar so viel Drogen genommen haben wie die Grundidee (Essen, dass zu tierischem Leben erwacht) vermuten lässt. Die Folge ist eine hohe Gagdichte, oft mehr im Hintergrund, mit der man manchmal kaum mithalten kann. Es sind kurzweilige 95 Minuten, ab und zu actionreich, niemals beängstigend. Ideal für die dunkeln Tage des Dezember.

An einem Punkt aber kommt der Film ganz nah an eine unangenehme Wahrheit, die den Spaß ein bisschen kaputt macht: als Flints Papa seinen neuen Gewürzgurken-Freunden das Fischen beibringt, und das belebte Gemüse Sardinen aus dem Meer zieht und verschlingt, beißt sich die Message des Films quasi selber den Kopf ab. Essen wird nicht lebendig dank einer SciFi-Maschine, Essen war vielmehr vorher lebendig. Jetzt ist es tot, und wenn wir es verzehren, wird es Teil eines neuen Lebens. Haarscharf schrammt "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2" an der Erkenntnis vorbei, dass etwa ein "Tacodil" oder der Cheesburger-Saurier (zwei knuddlige Sympathieträger des Films) aus zermahlenen Kühen bestehen. Das macht den Film so absurd, dass es fast noch witziger ist.

Dada in 3D.

Foto von christianz1969

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