Mutterlose Familien, moralfreie Werbung


Nivea hat sich letztes Jahr unbeliebt gemacht mit Spots, die eine glückliche Familie ohne Papa zeigten. Viele regten sich darüber auf. In den USA hat sich Honey Maids eine Scheibe Creme abgeschnitten und auf ihre Cracker geschmiert: in "This is wholesome" zeigen sie glückliche neue Familienkonzepte. Natürlich haben sie einen Shitstorm geerntet, als sie schwule Väter zeigten. Und werden sich die Hände gerieben haben. So viel schöne Aufmerksamkeit. Wir sollten aufhören, uns von der Masche trollen zu lassen.


Der Cracker-Spot orientiert sich deutlich an der Vorlage von Labamba (eine von Niveas Agenturen). Ganz offensichtlich ist das kein Zufall. Wie unsere Kosmetikfirma auch haben sie ein Aufreger-Thema gewählt, um die Leute dazu zu bringen, ihre Werbebotschaft durch Empörung oder Diskussion auf Facebook oder Twitter zu verbreiten (oops, ich auch: "Nivea trollt und zu Weihnachten"). Anders als Nivea, die sich hinterher sehr zugeknöpft gezeigt haben, präsentieren Honey Maids wenig bescheiden ihren Erfolg mit dieser Masche in einem Antwort-Spot, der die Zahl negativer und positiver Reaktionen aufzeigt (die angebliche Zahl, wer weiß ob's stimmt.)

Beide Spots, wie auch die von Nivea, sind technisch großartig gemacht. Ähnlich wie bei Nivea bin ich befremdet von der Art und Weise, wie die Liebe von Eltern zu ihren Kindern hier instrumentalisiert wird. Alle Vorurteile, die man so gegen Werber hat, scheinen sich zu bestätigen. 

Und was ist nun mit alleinerziehenden Müttern oder Doppelvaterfamilien? Ich als Papa finde mich bei Honey Maid positiv wieder. Es gibt Blödsinn, den Väter ihren Kindern mitgeben können und der Müttern schwerer fällt. Hilfreicher Blödsinn, der im Leben genau so hilfreich und wichtig ist wie die Mama-Kniffs. Zum Beispiel nicht aufzugeben, wenn man zum ersten Mal auf die Skateboardrampe klettern will und die Kraft nicht reicht vs. Teilen mit Freunden, auch wenn die Zahl der Gummibärchen nicht unendlich ist. Aber es ändert nichts daran, dass ich mir wünschen würde, dass meine elterlichen Gefühle nicht als Hebel für irgendwelche Produkte missbraucht würden. Dabei ist es mir wurscht, ob es nun um Papa/Mama/Kind-Familien geht, Mama/Kind(/Kind/Kind/...) Familien oder offene Kommunen. Diese Lebesmodelle kommen in der freien Wildbahn eben vor, und das ist OK so. Aber wer sie in einem Werbefilmchen provokant in Szene setzt, verdient unsere Missachtung. Geht gefälligst woanders hin zum Pöbeln!

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