Gegen die Impfpflicht, und gegen Eltern die nicht impfen lassen.

Dreimal kam in meiner Grundschulzeit ein Arzt und impfte uns klassenweise durch. Beim dritten Mal hatte ich so viel Angst, dass ich mich unter der Bank versteckte und mich weigerte. Zu meiner absoluten Überraschung kam ich damit durch. Schon damals gab es keine Pflicht, aber wohl eine starke Aufforderung zur Impfung. Das sollte so bleiben. Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, sind trotzdem im Unrecht. Jenny McCarthy, die ihre Karriere auf der falschen Behauptung aufbaut, Impfungen verursachen Autismus, ist dagegen eine gefährliche Egoistin.

Wie komme ich darauf?

Die Faktenlage ist relativ klar. Impfungen verursachen keinen Autismus. Die Authoritäten, die sich mit der nicht ganz einfachen Forschung auskennen, bestätigen das einheitlich. Argumente der Impfgegner lassen sich aber oft nur widerlegen, wenn man sich mit Medizin und Statistik besser auskennt als eine Diplom von der University of Google das auf die Schnelle erlaubt. Es gibt in der Tat Impfschäden - in sehr geringer Zahl. Die Risiken einer fehlenden Impfung sind sehr viel größer. Wer sein Kind vor Schaden bewahren will, der lässt es impfen.

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Leider sind Menschen sehr schlecht darin, abstrakte Risiken abzuschätzen. Ich will nicht, dass meine Kinder nach der Impfung Fieber haben. Wenn ich online von Eltern lese, die sogar noch schlimmere Horrorgeschichten erzählen, geht mir das nahe - sehr viel näher als eine offizielle Empfehlung und eine Statistik. Aber hier sind wir als Eltern und Erwachsene gefragt: als Siebejähriger kann ich mich noch unter den Bank verstecken. Als Erwachsener muss ich meine Ängste überwinden und rational entscheiden. Die Impfung ist für mein Kind das beste, und auch wenn sie mir Bauchweh verursacht - da müssen wir eben durch, meine Kleine und ich.

Aber es gibt da diese eine Studie... und die Pharmalobby unterdrückt die Wahrheit...

Impfgegner lieben es, die großen Studien als Propaganda der Pharmalobby abzutun, wenn sie für das Impfen sprechen, und kleine oder zweifelhafte Studien zu zitieren, die das Gegenteil behaupten. Was in mehrerer Hinsicht Unsinn ist. Die Pharmalobby ist nicht machtvoll genug, die Forschung über Jahrzehnte so stark zu beeinflussen - Forscher sind öfters mal dickköpfig und idealistisch. Jonas Salk verzichtete auf ein Vermögen, indem er seinen Polio-Impfstoff nicht patentieren ließ. Solche Leute kann man nicht so leicht kaufen. Oder, ein anderes Beispiel: auch die Öllobby mit ihrer ungleich größere Macht kann die Energiewende nicht aufhalten und die wissenschaftliche Wahrheit des Klimawandels nicht vertuschen.

Gegen Impfpflicht... 

In Folge des neuerlichen Auftretens von vermeidbaren Krankheiten, gegen die ein umfassender Impfschutz möglich wäre, erwägen manche Politiker bereits eine Impfpflicht. Das entspricht der deutschen Neigung, alles mit einem Gesetz zu regeln, oder mindestens mit einer Steuer. Ich hoffe dazu kommt es nicht. Wenn doch, wird die Reglung sicher bis zum EuGH durchgeklagt, und ich bin mir nicht sicher wie dessen Entscheidung ausfällt. Jemanden dazu zu zwingen sich eine Nadel in den Arm stechen zu lassen und sich spritzen zu lassen ist ein tiefer Eingriff in die Freiheitsrechte. Ich bin mir nicht sicher, dass die Argumente für eine Impfpflicht stark genug sind, ihn zu rechtfertigen.
Aber auch ganz persönlich verbitte ich mir die Einmischung durch die Behörden. Dieses Recht verlange ich auch für andere.

...und für die freie Rede gegen das Impfen

Genauso möchte ich Jenny McCarthy nicht verbieten, ihre gefährlichen Irrtümer zu verbreiten, auch nicht auf der großen Bühne der Massenmedien. Es ist unser Recht, uns zu irren, und unser Recht unsere Dummheit in alle Welt hinaus zu posaunen. Eines Tages wird sie ihren Fehler vielleicht eingestehen und sich fragen, wie viele Kinder deswegen sterben mussten. Vielleicht auch nicht - es gibt genug Fälle sturer alter Männer, die ihre Verfehlungen an der Welt bis zum letzen Atemzug rechtfertigt haben. Warum sollte das bei Frauen anders sein?

Kommentare

  1. Ein guter Text, der mich ein bischen mehr davon überzeugt, das ein Impfflicht keine gute Idee ist. Doch was hälst du davon, Kinder nur mit entsprechender Impfung in Kitas zu lassen? Damit wären die Kinder geschützt, die noch zu jung sind um geimpft zu werden. Es kollidiert auch nicht mit der Schulpflicht, denn in den Schulen sind die Kinder, alt genug um geimpft zu sein. Bleibt das Problem, dass es einige wenige Kinder gibt, die nicht geimpft werden können oder bei denen die Impfung nicht funktioniert, die werden weiterhin durch den fehlenden Herdenschutz gefährdet.

    Insgesamt eine schwierige Frage. Die Angst vor einer Ansteckung mit Masern ist bei mir jedenfalls inzwischen etwas gewachsen. Erst letzte Woche hatten wir einen Aushang in der Kita, dass ein Fall von Röteln aufgetreten ist, ergo gibt es bei uns ungeimpfte Kinder. Das macht mir Angst.

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  2. Hi Vadder - Gute Frage, das mit den Kitas. So aus dem Bauch raus laut nachgedacht würde ich sagen:
    a) bei privaten Einrichtungen uneingeschränkt Ja
    b) bei öffentlichen bin ich mir unsicher. Die Faktenlage reicht nicht für eine gesetzliche Pflicht, reicht sie dann dafür, so Steuergelder als sanftes Druckmittel einzusetzen?
    c) andererseits ist bei der Kita-Reglung kein direkter Zwang enthalten, weswegen die persönlichen Freiheitsrechte weniger stark eingeschränkt werden.
    Unterm Strich würde ich sagen "Ja, auch bei öffentlichen Einrichtunge", aber vor dem Papierkrieg des Impfnachweises graut mir schon jetzt.

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