Zweisprachig: endlich erste Früchte

Soybean Sprouts During Early Growth
Foto: United Soy Bean Board unter cc
Ich habe seit sieben Jahren einen Knoten in der Zunge. Anfangs hatte ich Kopfweh - wenn man einen Tag lang zwei Sprachen durcheinander spricht, strengt das an. Inzwischen habe ich einen Weg gefunden, das es besser wurde (siehe unten). Immer wieder werde ich unterwegs darauf angesprochen, wie toll das ist, dass ich die Kinder zweisprachig erziehe. Es fällt durchaus auf: der Papa redet englisch (und viel), Sohn und Tochter antworten deutsch. Ich habe deswegen keine Sorgen - sie werden englisch reden können, wenn es in ihrem Leben nötig wird. Aber ein bisschen gewurmt hat es mich schon. Bis jetzt, endlich, erste zarte Triebe von richtiger Zweisprachigkeit keimen. Woher der Impuls kam, und warum sich die Kinder in ihrer Entwicklung unterscheiden, dazu ein paar Gedanken hier.
Immer öfter fangen mein Sohn (7) und seine Schwester (3) nun an, englische Begriffe zu verwenden. Er liest englische Schilder und errät recht oft, welches Wort hier gemeint ist (wer nur die deutsche Aussprache der Buchstaben aus der Schule kennt und den englischen Klang von Papa tut sich schwer damit. Aber immer wieder geht es doch.) Sie mischt Sprache in ihren Sätzen ("I bin jetzt ganz hungry") - etwas, dass ihr Bruder nicht gemacht hat. Sie produziert lustige englische Purzelbegriffe: "Apple-backed" für "buckled up" oder "Bumpy Jumpy" für "Bungee-Jumping". Wenn man ihn bittet, kann er - mühsam - einen einfachen englischen Satz formen. Sie ist sich offenbar bewusst, dass es zwei verschiedene Sprachen gibt (das fing mit 2,5 Jahren an: "Papa, Du hast da was falsch gesagt. Oma sagt immer "gelb").

Variante 1: Systematischer und pragmatischer zweisprachiger Lerner

Die beiden lernen ihre Sprache offenbar sehr unterschiedlich. Bei ihm war kein großer Trend zur Vermischung, er war auch nicht langsamer in seiner Sprachentwicklung, wie es bisweilen bei zweisprachiger Erziehung vorkommt (im Gegenteil). Ein IQ-Test hat ihm neulich auch auffallende Kompetenz im sprachlichen Bereich bescheinigt, was bei zwei Eltern, die mit der Sprache arbeiten nicht verwunderlich ist. Er musste nie englisch sprechen, weil das gesamte Umfeld deutsch spricht (und ich selber nie darauf bestanden habe, dass er mit mir englisch reden muss). Bei ihm gab es einen Schub, dass wir in England urlauben und er lesen lernt - die Kompetenz, selber wie oben erwöhnt die Sprache erkunden zu können hat seine Begeisterung geweckt. Er ist ein Forscher, und ich hoffe ich finde Wege, das zum weiteren Sprachtraining zu nutzen.

Variante 2: Künstlerische, sorglose und verspielte Lernerin

Seine Schwester ist ein anderer Typ: sie ist nicht ganz so schnell gewesen in der Sprachentwicklung wie ihr Bruder, aber sie spielt viel mehr mit der Sprache. Sie ist insgesamt eine Künstlerin, singt, tanzt, dichtet, reimt. Ihre Sprache ist ähnlich durcheinander: mir scheint, dass sie ihre deutschen Verwandten öfter mit englischen Begriffen verwirrt als ihr Bruder im gleichen Alter. Sie mischt die Sprachen durch, ich glaube sie begreift es als Spiel, dass es Deutsch und Englisch gibt, und manche Leute eben so reden und manche anders. Ich glaube der Auslöser war, dass zwei Menschen in ihrem engsten Bezugskreis - Bruder und Papa - auf Englisch sprechen. Sie formt sich im Kopf oder Herzen ihre Welt, und Englisch hat dabei eine wichtige Rolle. Solange wir ein Team sind und es ihr Spaß macht wird sie sicher weiter spielen. Ich hoffe, ich finde Spiele, die ihr Spaß machen. Rollenspiele vielleicht?

Wie ich mein Kopfweh loswurde

Zum Schluss noch die erwähnte Kur gegen das Sprachdurcheinander-Kopfweh. Mitten im Gedanken, an der Supermarktkasse, umschalten ist nicht immer einfach (aber es hilft). "Warten Sie, ich habs passend. Would you put that back please? No, it's not ice cream weather. Vier Cent habe ich immerhin. Nein, keine Treuepunkte. Could you push the cart? Careful, letz me..." Tee hilft. Bier hilft auch. Aber der Tag, an dem ich angefangen habe mit unserer Katze englisch zu reden war der Tag, wo das Kopfweh ein für alle mal verschwunden ist.
Und das darf mir jetzt mal ein Psycholinguist erklären.

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