Rezension: Minions - eine gelbe Familie

Die gelben Tic-Tacs sind echt omnipräsent, nicht? Meine beiden Kinder können auch nicht genug von den Minions bekommen. Deren Kinofilm war eigentlich schon beschlossene Sache, als er (am Ende von "Despicable Me 2" erstmals angekündigt wurde. Er hätte besser sein können, aber er war es trotzdem wert gesehen zu sein. Interessant ist aus meiner Sicht vor allem die Rolle des Elternbildes in dem Film, verglichen mit den beiden Despicable Me-Vorgängern. Warum? Wegen Kevin (das ist der längliche von den dreien). Das hängt damit zusammen, das ein guter Familienfilm auch den Eltern etwas bieten muss.
Minion Phil with BANANA!
Haben mehr für die Ernährung mit Obst
getan als jeder andere Kinofilm (Banana!).
Foto unter cc von Wilson Hui

Wir erinnern uns: Gru war als Hauptperson der ersten beiden Filme die Identifikationsfigur für uns Eltern. Er litt an idiotischen Erziehern, peinlichen Kindergartenaufführungen, augenkrebsverursached buntem Spielzeug. Er konnte den ganzen Grant ausleben, den wir manchmal unterdrücken, wenn wir das Leben unserer Kinder managen. Die Minions waren damals nur kleine Spaß-Einlagen. Chaotisch, gewalttätig, anarchistisch. Im zweiten Film bekamen sie mehr Raum, wurden etwas familienfreundlicher. Jetzt, im dritten Film, müssen sie selber die Hauptrolle spielen. Schwierig, denn sie taugen nicht dazu.

Minions als Mini-Familie

Die Filmemacher haben ein Trio Minions gewählt, die in ihren Rollen bekannt vorkommen - Kevin als Erwachsener, Steuart als peinlicher Teeanger, Bob als süßes Kleinkind. Ihr Dynamik als Kleinfamilie soll vermutlich helfen, Papa und Mama im Kinosaal eine emotionale Ansprache zu liefern (Kevin kümmert sich wirklich herzergreifend um Bob, und bringt Stuart so gut es geht auf Spur). Aber immer wieder zerbricht das Bild, nämlich dann wenn die drei in ihre Minion-typische Anarchie verfallen. Wenn Kevin den blinden, greisen Wächter der Kronjuwelen verprügelt, kann man sich nicht so recht wiederfinden.

Das soll nicht bedeuten, dass der Film nicht unterhaltsam ist. Die 68er-Referenzen sind zum Brüllen, die Minions sind geborene Slapstick-Darsteller, die Bösewichter Scarlet Overkill und Herb ein Highlight. Gegen Ende gibt es eine fantastische Verfolgungsjagd mit jedem Bösewicht und Monster, dass einem einfällt (mein Favorit: der Kettensägermörder mit Anlassschwierigkeiten).
Für wen ist der Film geeignet?
Apropos Kettensägermörder: drei-, vier oder zart besaitete Fünfjährige könnten vor allem die Verfolgungsjagd etwas beängstigend finden. Selbst wenn nicht, ist die Handlung etwas kompliziert zu verstehen - ist Scarlett jetzt böse oder lieb?

Ich vermute, der nächste Minons-Film kommt so sicher wie das "Banana" in der Kirche. Ich bin nicht traurig darüber. Aber auf "Inside Out" (Alles steht Kopf in der dämlichen deutschen Übersetzung) freue ich mich deutlich mehr.

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