Ihr spürt eure Kinder immer bei euch? Mamas haben Recht, Papas, nun, metaphorisch auch.

Fühlt ihr euch, als wäre euer Kind ein Teil von euch? Ein Stück des Herzens, geht euch nie aus dem Kopf? Nun, liebe Mamas & Papas - die eine Hälfte hat Recht, und zwar ganz physisch-wissenschaftlich. Die andere Hälfte (wir Papas) müssen mit dem übertragenen Sinn Vorlieb nehmen. Es ist so: ab der siebten Schwangerschaftswoche und teilweise wohl für den Rest des Lebens sind Zellen des Fötus Teil der Mutter. Man findet sie etwa als Teil des Herzmuskels und im Gehirn. Das klingt nicht so romantisch, und es ist auch nicht so ganz klar welche Auswirkungen das hat. Außer der: Mamas von Jungs sind definitiv ein bisschen mehr Junge als vorher. Meinen Glückwunsch, vielleicht.
Baby Love
 Bild unter cc von rumpleteaser


Forscher der Universität in Leiden haben die etwas gruslige Arbeit gehabt: sie untersuchten Gewebe von 26 in oder kurz nach der Schwangerschaft verstorbenen Müttern männlicher Kinder auf Spuren von Y-Chromosomen. Herausfinden wollten sie, wo sich diese vom Fötus ausgewanderten Zellen bei der Mutter ansiedeln (am häufigsten übrigens in der Lunge). Einige dieser Zellen wiesen Eigenschaften auf, die bisweilen mit Stammzellen assoziiert werden. Andere Studien zeigen, dass sich diese Zellen (zumindest bei Mäusen) anpassen, eingliedern, wandeln (in Herzmuskelzellen etwa). Auch nach Jahren lassen sich die Zellen der Söhne im Gewebe ihrer Mütter nachweisen. Man wird ihn eben nie los, den Nachwuchs.

Das Phänomen nennt sich Mikrochimerismus, was eindeutig ein cooler Name ist. Man denkt an einen kleinen Löwen-Adler-Drachen als Haustier. Weil das mütterliche Immunsystem vermutlich gegen die fremden Zellen ankämpft, könnten Autoimmunkrankheiten eine Folge sein. Andererseits ist Mikrochimerismus ein fester Bestandteil der Säugetier-Biologie seit Urzeiten, und kann so schädlich nicht sein (nun, zumindest nicht für den Nachwuchs). Es wird vermutet, dass diese Zellen den Körper der Mutter beeinflussen, dem Kind mehr Ressourcen zu geben - über die Muttermilch, über Körperwärme, vielleicht auch noch pränatal durch die Nabelschnur. Ein spannendes Thema, ein kompliziertes Thema.

Aber der Gedanke ist großartig, und herzerwärmend: Ein Teil unserer Kinder begleitet uns überall hin und ist immer bei uns.

Kommentare

  1. Hallo

    Chimerismus...dass muss ich morgen mal meiner Frau erklären. Aber die ganze Sache klingt interessant und macht Sinn. Eine Mutter-Kind-Bindung ist ja nicht selten größer als eine Vater-Kind-Bindung. Und das, obwohl Papa seinen Nachwuchs mit Sicherheit genau so innig liebt. Aber kindliche Zellen kann der Papa nun mal leider nicht vorweisen.

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