St. Martin, nicht Lichterfest, und warum Dummheit nicht brummt

Vorgestern habe ich eine Gans gebastelt, im Kindergarten. Für den Sankt-Martins-Umzug. War nett. Während der Kleber an meinen Fingern trocknete, habe ich überlegt was dieser Feiertag eigentlich bedeutet. Sankt Martin, so bringen wir unseren Kleinen bei, hat in einer echt kalten Nacht seinen Mantel mit einem Bettler geteilt (und ich bin stolz: wir haben eine Kiste mit Wintermänteln zur Flüchtlingsunterkunft gebracht). Und dann ist bald Weihnachten: die Geschichte von Flüchtlingen, die in einer Containerunterkunft Baumartk Turnhalle in einem Stall schlafen mussten. Und wegen Verfolgung und den Gräueln eines Despoten außer Landes flohen (nach Ägypten, wo sie vermutlich ihrer Religion wegen nicht gerade gerne gesehen wurden). Sankt Martin und Josef würden sich im Grabe herumdrehen wenn Sie wüssten, dass Ihre Geschichte jetzt mit der Ablehnung von Flüchtlingen assoziiert wird. So wie in einem Posting auf Facebook von einer der Pegida nahe stehenden Gruppe RockNord.
Der Post stammt von "RockNord", und ist Tippfehler-, aber nicht denkfehlerfrei.
Es ist natürlich klar, warum das dumm ist. Oder sollten wir es im Zuge der PC "unreflektiert" nennen? Nur um sie zu ärgern? Wenn Dummheit brummen würde, die Pegida wäre ein Imker-Verein.
Für den Fall dass man mich missverstehen könnte, hier nochmal zum nachlesen:

a) St. Martin ist ein christlicher Avatar der Nächstenliebe
b) Die Weihnachtsgeschichte ist eine von Flüchtlingen, die in einer Notunterkunft hausten - und dann die Menschheit retteten (siehe Bibel et al. - kann man auch in der Kirche hören).
c) Es gibt ein paar wenige Fälle, wo Umzüge und Märkte anders benannt werden als nach  "Sankt Martin" und "Weihnachten". Das ist jedermanns gutes Recht. Hierzulande.
d) Das eine (a und b) hat mit c nichts zu tun.
e) Niemand hat gesagt dass wir unsere Traditionen und Werte aufgeben müssen. Hat das wer gesagt? Ach so, richtig; Ihr habt das gesagt, liebe Pegida. Humanismus und Nächstenliebe sind deutsche Werte.
e) Deswegen ist dieser Post gleich dreifach dumm. Dumm weil ihr zwei christliche Mythen zitiert, die genau das Gegenteil Eurer Schlussfolgerung als Botschaft haben. Dumm weil ihr sie in Zusammenhang stellt mit was völlig unzusammenhängenden, und dumm weil eure Kernthese offensichtlich nicht von Deutschland handelt, sondern von weniger aufgeklärten Ländern.

Stellt euch vor, die Ägypter hätten Maria und Josef so behandelt wie Ihr es gerne mit Syrern tun würdet und sie zurückgeschickt. Die Bibel wäre eine verdammt kurze Sache geworden.



Kommentare

  1. Mit solchen Texten kommt man Pegida-Anhängern schon lange nicht mehr bei.
    Und ich halte es auch für gefährlich, sie alle einfach als dumm abzustempeln.
    Leider hat auch die Umbenennung von traditionell christlichen Festen/Umzügen eben doch etwas mit den Flüchtlingen zu tun. Die geht dann aber eben von deutschen Eltern aus, die der Meinung sind, dass solche offensichtlich christliche Namensgebung die Kinder aus anderen Kulturen vor den Kopf stoßen könnten. Und wenn es nicht die Eltern sind, sind es Menschen an anderen Stellen, die entsprechend Druck auf Erzieher und Lehrer machen. Allesamt schießen damit über das Ziel hinaus und gießen Öl ins Feuer von Pegida und Co.

    Mit tut besagter Facebook-Post auch jedes Mal in der Seele weh. Er müsste sich inhaltlich gegen jene richten, die mit Weihnachtsgebäck Gewinn machen wollen und Spekulatius und Lebkuchen als Herbst/Wintergebäck bezeichnen. Und eben mit jenen überfürsorglichen Mitmenschen, die sich unnötig Sorgen über das Seelenleben von Kindern aus anderen Kulturen machen.

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    1. Du hast Recht, einen hardcore-Pegidisten kann man nicht einfach überzeugen. Aber es gibt sicher Leute, die das rechte Gedankengut abwägen, und denen, glaube ich, sollte man dessen Dummheit durchaus auch ausdrücklich aufzeigen.
      Ganz anders als Du sehe ich die Sache mit der Umbenennung. Sie findet schlicht nicht in dem Maße statt, wie behauptet wird. Selbst das Multi-Kulti-München macht das nicht. Berlin macht das nicht. Selbst in unserer Grundschule, wo (gefühlt) über die Hälfte nicht dem christlichen Glauben angehören, wird nichts umbenannt. Und selbst wenn mal da oder dort eine Kita das Lichterfest ausruft: so what, es ist ein freies Land, und an Alternativen mangelt es nicht.
      Das Beispiel mit Lebkuchen und so ist auch ein interessantes. Keiner erinnert sich nämlich noch daran, dass die Adventszeit eigentlich eine Fastenzeit ist...

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    2. Hier gab es die Umbenennung in Lichterfest, weil das Weihnachtsfest mit den Kindern noch einmal ganz anders gefeiert wird... ohne Eltern und wirklich erst vor der Weihnachtspause. Wurde aber eben anders ausgelegt.Und prompt kam von den Eltern dieser bescheuerte Post.

      PS: Unser Chor wird regelmäßig schräg angeschaut, wenn er im Januar noch Weihnachtskonzerte in den Kirchen gibt. Ach ja, da wird Kultur verteidigt, mit der sich die Leute nicht mal auskennen und sie schon gar nicht praktizieren. Ich warte noch darauf, dass sie einen Brauch verteufeln und dann feststellen müssen, dass der christlicher nicht sein könnte.

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