Das Leiden in der Frühzeit

Kleine Kinder wachen früh auf. Zu früh. Gerade vorzeitlich, um nicht zu sagen urzeitlich. Als arbeitender Erwachsener, der folglich uhrzeitlich aufstehen muss, gehen einem im Morgengrauen (also gut eine Stunde nach dem Wachwerden des kleinen Schatzes) einige Fragen durch den Kopf. Warum. Weshalb. Wo ist mein Kaffee?

(Das "Warum" des frühen Aufstehens ist tatsächlich eine Überlegung wert. Nachdem es in Mode ist, alles menschliche Verhalten mit dem vermuteten Nutzen in der Steinzeit zu erklären, könnte es vielleicht folgende Bewandtnis haben: Kinder, die ihre Eltern früher weckten, hatten eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit, weil sich die Familie früher auf die Suche nach Essen machen konnte und damit anderen, kinderlosen, Steinzeitlern voraus war. Dafür durften sie sich dann um 10 Uhr morgens dumme Sprüche anhören. "Na, wars mal wieder spät?". Mist-Neanderthaler.)


Über ein Viertel aller Eltern hat Probleme mit dem Schlaf Wachzeit ihrer Kinder, und zwischen 10 und 15 Prozent der kleinen Sonnenscheine sind in Wirklichkeit sogar regelrechte Morgensterne. (Kurze Anmerkung: Man unterscheidet bei den Menschen zwischen "Eulen" und "Nachtigallen", also Morgenmuffeln und Partymuffeln. Mein kleiner Brainbug geht derzeit glatt als Shakespearefan durch.
Junge Eltern, wie jeder weiß, sind dagegen eher der Typ "Feuchtes Handtuch": Egal wann, egal wo man uns hinwirft; wir bleiben regungslos liegen wenn gerade Gelegenheit ist.
Ich wünschte ich wäre eine Kleine Taschenmaus. Nicht nur klingt das unglaublich kuschlig, sondern das brave Tierchen bekommt über 20 Stunden Schlaf täglich.

Lösungen?
Einmal wach macht sich der müde Vater natürlich auf die Suche nach Lösungen für das Problem (und ich brauche keine Ausrede dafür wie "Mein Kind braucht mehr Schlaf, deswegen..." Ich bin müde, es ist mitten in der Nacht, was soll daran verkehrt sein wenn ich schlafen will?)

Zum Glück bin ich beileibe nicht der Erste, der sich hiermit beschäftigt, und es scheint ein paar vielversprechende Ansätze zu geben. Um dem Schlafrhythmus ihres Kindes auf die Spur zu kommen empfiehlt es sich, ein Schlaftagebuch zu führen. Es hilft ihnen, die beste Strategie zu entwickeln. Ein Wermutstrpfen vorweg: es geht nichts von heute auf morgen. Einen Schlafrhythmus zu verschieben dauert rund zwei Wochen.

1) Schlaf verlängern
Schwierig. Jedes Kind hat seinen eigenen Schlafbedarf, auch wenn diese Übersicht zur Orientierung hilfreich sein kann. Für Sie, nicht für das Kind.
Alter
NachtsTags (# der Schläfchen)Summe
1 Monat8 1/27 (3)15 1/2
3 Monate105 (3)15
6 Monate113 1/4 (2)14 1/4
9 Monate113 (2)14
1 Jahr11 1/42 1/2 (2)13 3/4
1,5 Jahre11 1/42 1/4 (1)13 1/2
2 Jahre112 (1)13
3 Jahre10 1/21 1/2 (1)12
Quelle: babycenter.com

Ein Tipp könnte sein, das Kind tagsüber und vor allem in den Nachmittags- und Abendstunden konsequent wach zu halten, damit es zur Bettgehzeit auch müde ist. Wenn Ihr Kind allerdings zwei Stunden nach dem Aufstehen schon wieder schlafen will ist dies ein Zeichen dafür, dass ihm oder ihr Schlaf fehlt.
Überprüfen Sie auch, ob ihr Kind von externen Faktoren (Lärm, Licht) oder internen Bedürfnissen (Hunger, Harndrang) geweckt wird, und versuchen sie gegebenenfalls daran etwas zu ändern. Eine zuckerarme, kohlehydratreiche Abendmahlzeit hält lange vor, und wenn das Kind nicht mehr zu viel trinkt, nimmt das ein wenig von der Dringlichkeit des Toilettenbesuchs (oder verhindert durchnässte Windeln)

Manchmal hilft es komischerweise auch, das Kind früher schlafen zu legen. Meine Schwiegermutter schwört, dass alle ihre Kinder immer früh aufwachten, wenn sie spät wach blieben und umgekehrt lang schliefen wenn sie früh ins Bett gingen. Übermüdeter Schlaf ist anscheinend nichts dauerhaftes.

2) Schlaf verschieben
Regelmäßigkeit ist sehr wichtig, sollte also ganz oben auf der Liste möglicher Schritte stehen. Ein Mittagsschläfchen zu streichen oder zu kürzen kann funktionieren, wenn das Kind dann aber grummelig oder ständig müde ist, dann kann es noch zu früh für diese Maßnahme sein. Verschiebungen funktionieren prinzipiell in kleinen, 15-Minuten-Schritten am besten. Auch die Essenszeiten sollten dann entsprechend verschoben werden. Das Frühstück sollten Sie nach dem Aufwachen auch hinauszögern (na viel Spaß dabei!) - die innere Mahlzeitenuhr ihres Kindes wird sich daran gewöhnen und nicht mehr so früh zu Tisch rufen.
Eine Stunde ingesamt wird aber meistens als Obergrenze für diese Taktiken angesehen.

Eine andere Methode ist natürlich, dass Sie ihre eigene Schlafenszeit verschieben. Das ist sicherlich schon ein Stück weit passiert. Warum nicht gleich brav und bürgerlich werden und um halb elf die Lichter löschen?

musste ja sein. Ein Youtube-Video von einem schlafenden Baby.
3) Diplomatie und Spielzeug
Warum soll, was für die Politik gilt, nicht auch in der Familie klappen? Wenn man dem Kind seinen Rhythmus lassen will oder muss, dann kann man sich vielleicht mit ihm darauf einigen, dass er die Zeit mit sich selber verbringt. Eine Vereinbarung (das geht zum Glück bei unserem Zweijährigen schon ganz gut), dass er/sie im Bett wartet kann funktionieren. Dabei helfen ein paar Kniffe:
  • Spielzeug nahe am Bett, ausreichend Licht zum Spielen (viele Tipps hierzu auf Englisch auf www.parenting-ed.org
  • Natürlich nichts allzu Lautes (Eletkronikspielzeug? Nicht OK. Kleine Rassel? Stört nicht sehr) oder Gefährliches (Kleinteile die verschluckt werden könnten nach Möglichkeit vermeiden, ebenso Schnüre, Kordeln, Stich- oder Schnittverursacher)
  • ein kleiner Snack auf dem Nachttisch kann den Frühstückshunger dämpfen. Kekse und eine Trinkflasche eignen sich.
  • was tun gegen den Harndrang? Je nach Windelsituation und Selbstständigkeit des Toilettengangs müssen Sie wahrscheinlich eine eigene Lösung finden. Weniger Flüssigkeit in der Stunde vor dem Zubettgehen kann hier helfen. Dieser und noch mehr gute Tipps (wieder auf Englisch) hat babyplace.com
  • ein fest vereinbarter Zeitpunkt wann die Nacht vorbei und der Morgen gekommen ist. babycenter.de hat dazu eine schlaue aber umständlich geschriebene Anleitung verfasst. Im Wesentlichen benutzt man einen Wecker, den man hinterhältigerweise immer später stellt, um das Kind an die Zeitspanne bis zum offiziellen Tagesbeginn zu gewöhnen und den Wecker als Startsignal zu etablieren.
  • Geduld und Akzeptanz, denn kein Kind ist stechuhrtauglich, also wird es immer mal wieder zu kleinen Ausreißern kommen.

Übrigens: ab dem neunten Lebensjahr, so Untersuchungen, beginnen die Kinder am Wochenende selbstständig länger zu schlafen.

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