Eine traurige Geschichte und die Frage nach der Verantwortung

Das ist mal eine traurige Geschichte: ein 16-jähriger stirbt an einer Krankheit, eine Lappalie, die leicht hätte behandelt werden können. Seine Eltern sind mit ihm nicht zum Arzt gegangen, weil ihre religiösen Überzeugungen es verbieten.
Vor kurzem war auch ihre Enkelin verstorben, unter ähnlichen Umständen.
Vornweg: ich finde Religion gut, ich finde Schulmedizin gut, ich bin der Meinung die Eltern hätten das Kind zum Arzt bringen sollen. Es vermute es ist einfach nur Dummheit auf vielen Ebenen, die zu diesem Drama geführt hat.
Aber: wenn ich mir ansehe, wie ich meinen Sohn erziehe (naja, es versuche), und wie ich mir Mühe gebe ihn zu aufwachsen zu lassen wie ich es für richtig halte...
...und wie ich versuche mir nicht zu viel dreinreden zu lassen von anderen, die nicht zur Familie oder Freunden gehören...
Da sind wir schon am Kern des Problems. Ich will das Beste für meinen Sohn. ich lasse ihn Rockmusik hören, verstecke mich nicht im Keller um mal ein Bier zu trinken, koche nicht vegetarisch oder Bio, erlaube Süßigkeiten, vermeide Fernsehen. Tausend Entscheidungen, die nur nach meinem (und Mamas) Kopf gehen. Ich würde mich ganz schön einspreizen, wenn mir einer Vorschirften machen wollte (und der Tag wird kommen, da bin ich mir sicher).
Die Eltern des toten 16-jährigen machen das auch nicht anders. Ihre Gemeinde war bestimmt auf ihrer Seite und hat sie unterstützt.
Woher weiß ich, dass ich nicht genau so einen Scheiß mache? Meine "Gemeinde" findet es auch OK, wie mein Brainbug erzogen wird. Alle sind voll des Lobes. Ich glaube es ist OK (und sage mir rotzdem jeden Tag es könnte noch besser gehen, wenn ich ein kleines bisschen konsequenter wäre, mich noch mehr einbringe, noch mehr Zeit frei mache für ihn).
Verantwortung saugt! Spektakuläre Versager wie diese Sekten-Eltern machen das nur noch deutlicher. Was soll man daraus für eine Lehre ziehen? Die eigenen Überzeugungen aufgeben? Die Verantwortung an andere abgeben ("Frau Doktor, sollte ich meinem Sohn...")? Ich rätsele.
Das einzige, was mir dazu einfällt, ist ein Zitat von Groucho Marx im Gespräch mit einer 20-fachen Mutter.

Groucho: "Why do you have so many children? It must be a terrible responsibility and a burden."
Mrs. Story: "Well, because I love my children and I think that's our purpose here on Earth, and I love my husband."
Groucho: "I love my cigar, too, but I take it out of my mouth once in a while."

Wahrscheinlich ist das einfach eine von diesen unbeantwortbaren Lebensfrage, die man nur mit Humor beantworten kann.

Bildverweis: KGW NewsChannel 8 Portland, Ore. – Couple sentenced in faith healing case

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