Wann besucht uns das Jugendamt?

Wann kommt das Jugendamt und holt mich ab? Ehrlich gesagt warte ich fast darauf.
Kommt es? Keine Ahnung. Wahrscheinlich nicht.
Sollte es? Vielleicht.
Gibt es einen Grund? Ich bitte Sie!

Tatsache ist, dass mein kleiner Brainbug heute morgen stolz verkündete "Ich habe gestern Alkohol in der Milch getrunken!" Wie ich ihn kenne schämt er sich nicht, das in der Krippe noch ein paar Mal zu erzählen. Wenn er dann auf die Frage "Wie kam denn Alkohol in die Milch?" wieder antwortet "Hat Papa reingemacht", dann muss ich ich auf den gesunden Menschenverstand unserer Erzieherinnen vertrauen. Oder aber morgen steht jemand vom Jugendamt da und fragt mich wo ich den Baccardi versteckt habe.

(Nur so anbei: ich verstecke ihn nicht; aber ich trinke auch nicht vor meinem Brainbug - nicht aus grundsätzlichen Überlegungen, sondern weil ich meine sieben Sinne beisammen brauche wenn er noch wach ist.)
Wie kommt Brainbug also auf den Gedanken, dass ich die historisch belegte Taktik zum Beruhigen von Kindern an ihm anwende? Schuld hat Herbert Grönemeyer. Sein Album "4630 Bochum" läuft zur Zeit in unserem Haus rauf uns runter - Mama ist ein Fan, und Brainbug liebt, was seine Eltern lieben, und will es immer und immer wieder hören. "Flugzeuge im Bauch" kann er auch schon singen. Das ist süß. Aber jetzt? "Wenn es Dunkel war, hat ich Alkohol in der Milch".

Oder, um die Quelle zu zitieren:
"...und wenn es dunkel wird greifen sie zum Glas
[...] Alkohol ist dein Sanitäter in der Not
Alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot..."

Soviel also zur Quelle. Sollten die Erzieherinnen hellhörig werden? Sollten Sie dem Amt Bescheid sagen? Wie sind die Richtlinien und Handlungsvorgaben in diesen Fällen? Da muss es doch ein Regelwerk geben.

Oh, mir fällt gerade ein, dass unser Krippenfoto, das an Brainbugs Kleiderhaken hängt, ihn auf einer Grillfeier zeigt, mit einer Spezi- und einer Bierflasche in der Hand. Uupps!

Vielleicht ist dieses Thema noch eines, wo man nicht gleich mit einer Kanone auf den Verdacht eines Spatzen schießen muss. Aber was wäre, wenn mein Sohn andere, schlimmere Sachen erzählt? "Papi steckt mir immer seinen *zensiert* in den Po." oder "Mama hat geblutet weil Papa sie haut." Irgendwo kommt doch bestimmt der Punkt, wo selbst eine verbeamtete Pflegekraft nicht mehr weghören kann, oder?

Das macht mich jetzt echt neugierig zu recherchieren, welche internen Vorgaben es für die hart arbeitenden Krippenkräfte gibt, ob sie Schulungen zu dem Thema Hinweis auf Missbrauch/Alkohol/Drogen kriegen, wie viel Gewicht darauf in der Ausbildung gelegt wird. In der Zwischenzeit warte ich auf die Dame vom Amt. Bin mal gespannt, ob sie mir meine Story glaubt.

Scheiß Herbert Grönemeyer. Ich hab ihn nie leiden können.

Kommentare

  1. Von unzähligen Erzieher/inne/n (gelogen, natürlich nur Erzieherinnen) in meinem Freundeskreis weiß ich vor allem, dass die meisten soviel um die Ohren haben, dass sie liebendgern weghören/-sehen, wenn Kinder sich irgendwie seltsam verhalten. Wenn eine einzelne Person dreißig Kinder beaufsichtigen muss, bleibt keine Zeit für genaueres Hinhören und Aufpassen. Mit anderen Worten, du bist sicher. (^v^)

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  2. Das enttäuscht mich fast. Mir wäre es lieber, wenn auf Probleme im Elternhaus geachtet würde - wenn mal ein echter Psycho unter den anderen Vätern oder Müttern sein sollte, würde ich den nicht gerne in Nähe meines Sohnes sehen.

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  3. Meine Frau ist selbst Erzieherin. Erzieher kriegen mehr mit, als man denkt :-) Und ungewöhnliche Verhaltensmuster fallen meist doch auf. Wobei ich nicht sagen will, dass den Erzieherinnen auch so manche Gefahr durch die Lappen geht.

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