Die Geburt der Grammatik

Dies ist ein kleiner Eintrag von einem Sprachverliebten. Er entspringt meiner Faszination darüber, wie man mit einem kleinen Kind der Entstehung von Sprache live zusehen kann. Damit meine ich nicht so sehr die neuen Wörter, die mein Brainbug lernt, und auch nicht das Kontextverständnis (den Konjuntik, den Begriff von Zukunft und Vergangenheit...) sondern die Grammatik.

Wenn jemand die Sprache lernt, ist das wie Maschinenbauen auf Gut Glück. Man schraubt und werkelt, und ab und zu lässt sich schon mal einen Blick ins Innenleben der Maschine werfen, während sie gerade läuft.

Ein Beispiel: Folgender Sazt von Brainbug, als er aus dem Raum gegangen war und wiederkam.
"Hast Du nicht geweißt, wo ich binne?"

Nett, nicht? Natürlich mit dem leichten Kinderlispeln gesprochen, das vielleicht auch an seinem kurzen Zungenbändchen liegt. Aber toll vor allem weil hier beide Verben falsch sind - aber nach völlig korrekten Regeln.

Zuerst "geweißt" - ganz klassischer Kinderfehler. Viele Dialekte haben ähnliche Spezialitäten. Ich streite schon seit Jahren mit meiner Frau (Germanistikerin...) darüber, ob es in Bayern neben "Es hat geschneit" auch "Es hat geschnien" heißen darf. Wahrscheinlich nicht. Aber dennoch.

Und dann: "Binne" - eigentlich völlig richtig von "bin" hergeleitet, parallel zu "ich finde" oder "ich laufe". Erste Peron Singular kriegt ein "e" angehängt. Ich binne. Was weiß mein Kind, dass das hier ein irreguläres Verb ist? Immerhin hat er es nicht mit "ich iste" versucht.

Ich bin begeistert. Mein Kind hat einen kleinen Grammatikmotor im Kopf. Nur die Feinabstimmung muss noch passieren.

Weniger begeisternd war, was er später an dem Tag zum ersten Mal von sich gegeben hat. Er rutschte gerade von einem Stuhl herunter, über den er klettern wollte.
Zitat Brainbug:
"Scheiße!"

Ach je...

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