Die gläserne Decke der Naturwissenschaften

Oder warum Mädchen selten Matheprofessorinnen werden


Mein kleiner Brainbug ist jetzt in dem Alter, wo er von Zahlen fasziniert ist. Hoffentlich hält das an, denn Ingenieure und Naturwissenschaftler stehen sicher auch in 20 Jahren noch gut da auf dem Arbeitsmarkt. Man darf auch annehmen, dass er das Zeug zur Uni hat. Also auch hier keine Schwelle auf dem Pfad zum Mathe-Diplom. Und er ist ein Junge. Das ist entscheidend.


Auch eine gläserne Decke. Und eine Karrieremetapher. Bild von Sappymoosetree

Mädchen machen keine Mathe. Das ist leider wahr, und verwirrend, weil ihre Leistungen damit nichts zu tun haben. Oft diagnostizieren wir ja eine Benachteiligung (offen oder verdeckt), wenn das Geschlechterverhältnis bei bestimmten Berufen oder Führungsebenen so deutlich wie hier ist. Ungefähr entsprechend dem Publikum bei einem Bundesligaspiel, möchte ich meinen. Dann werden Lösungen diskutiert. (Schönen Gruß an die Frauenquote, und viel Erfolg bei der nächsten im Bundestag.)

In einem interessanten Versuch haben Forscher an der University of Massachusetts nun versucht, den Gründen für die Mathe-Verweigerung der Studentinnen auf den Grund zu gehen. Sie gaben Studienanfängern der Naturwissenschaften Math-Testaufgaben, und werteten aus, wie viele davon die Studenten (beiderlei Geschlechts) in Angriff nahmen. Der Clou: ein Teil der Kandidaten wurde vorher von einem männlichen, die andere von einem weiblichen Tutor begrüßt.

Das machte einen großen Unterschied. Die Studentinnen, die von einer Tutorin in Empfang genommen worden waren, nahmen messbar mehr Fragen in Angriff. Ähnliche Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen: weibliche Studenten baten ProfessorInnen häufiger um Hilfe als Professoren, und antworteten häufiger auf allgemein gestellte Fragen von weiblichen Lehrkräften als von männlichen. Die Studentinnen hatten mehr Vertrauen in ihre mathematischen Fähigkeiten, wenn ihre Lehrer Frauen waren.

Dieser letzte Punkt ist entscheidend, denke ich, um die strukturkonservative Gläserne Decke in den naturwissenschaftlichen Berufen zu erklären. Es muss gar nicht der Fall sein, dass hier auf der Karriereleister sexistisch selektiert wird. Es wäre auch unberechtigt, den männlichen Professoren offene oder verdeckte Bevorzugung ihrer männlichen Studenten vorzuwerfen. Zudem gibt es keinen Hinweis darauf, dass sie auf irgendeine Art so unterrichten, dass die StudentInnen nichts verstehen, die Studenten schon (im Gegenteil: die Leistungen der StudentInnen waren eher besser den schlechter). Es scheint vielmehr so, als wäre die Freie Wahl unserer Karriere nicht so frei wie wir denken. Tief in uns drin scheinen Mechanismen am Werk, die bestehende Rollenverteilungen unterstützen, indem sie uns davon abhalten, in die berufliche Spielwiese des anderen Geschlechts zu gehen. Nicht weil wir nicht dürften, sondern weil wir nicht wollen. Kein Bock, danke.


Manche Gläsernen Decken sind ganz OK. Bild von thepicards

Doch wie weit das die Seltenheit von Doppel-X-Chromosomen in den Chefetagen erklärt ist eine andere Sache. Vielleicht. Wir können ja unsere Kanzlerin fragen.


Ein Nachtrag (22.3.2011): Eine aktuelle Studie am M.I.T. zeigt große Fortschritte seit 2002 im Kampf gegen die Gläserne Decke. Doch die Rollenbilder bestehen immer noch, und behindern auf eine neue, andere Art und Weise. Siehe die NYT unter http://www.nytimes.com/2011/03/21/us/21mit.html?_r=1&ref=homepage&src=me&pagewanted=all

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