So ist der neue Vater, laut der Werbung

Werbung ist spannend: sie zeigt uns, was wir über uns selber denken. Werbe-Kreative versuchen immer, uns eine Figur als Vorbild zu präsentieren, von der wir sagen: "Hey, so cool bin ich auch." Und diese Figur verwendet natürlich zufällig das beworbene Produkt. Siehe diesen Spot. Wenn sich die Werbung an Eltern richtet, kann das geradezu aufdringlich sentimental werden.(Siehe die Nivea-Spots). Oder sexistisch. Der neuste TV-Blick in unsere Papa-Seele zeigt uns anders: aktiv, cool, aber immer noch ein wenig haushaltsfaul. Es wird also.
Väter und Männer allgemein sind ja bisher eher schlecht weggekommen in der Werbung: totgeschwiegen (Nivea), verunglimpft (jeder Spot vor 2010, exemplarisch dieser Geschirrspülspot auf Spanien), als Gag (hey, schwule Papas!) oder als Leinwand für 1001 technische Gadgets (hier oder hier). Sich darüber zu beschweren ist ein bisschen so als meckerte der Esel darüber, dass er nicht auf die richtige Art und Weise geschlagen wird. Werbung ist kein Zeichen der Wertschätzung, egal wie schmeichelhaft sie rüberkommt. Das einzige, was sie interessiert ist die Geldbörse.


Scheint, als wären Papas inzwischen öfter für den Familieneinkauf zuständig. Wie sonst wäre zu erklären, dass sich diese Cereal-Werbung an Papa richtet. Und sie tut ihr bestes, ihn so zu zeigen wie ein moderner Vater sich gerne sehen würde: aktiv, hip, cool, doppelt aktiv ("we do work-work and we do home-work") und vor allem für ihre Kinder da. Die Ehefrau kommt genau eine Sekunde lang vor (und sie liegt auch nicht neben Papa im Bett). Das Büro spielt gar keine Rolle.

So ganz glücklich bin ich mit meinem Spiegelbild aber noch nicht: er nimmt keinen Putzlappen in die Hand, die Wohnung ist immer noch pastellweiß, zu wenig unordentlich für drei Kinder und einen Hund. Er legt ein bisschen viel Wert auf Muskeln und Blut (und die halbe Familie hat irgendwelche Schrammen).

Ein letzter Meckerpunkt: schon wieder ein Spot, der damit anfängt, dass Papa oder Mama von ihren Kindern geweckt werden. Fällt euch denn nichts neues ein? Immerhin: eine versteckte Hommage an den "Paten". Auch nichts schlecht.

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