Sonderregeln Fußball für Väter


Bild: ffela unter cc
Ihr denkt ihr kennt Fußball? Weit gefehlt - der Lieblingssport des Y-Chromosoms hat mehr Feinheiten, als man denkt. Vor allem Väter müssen eine Menge dazulernen, wenn sie zehn Jahre nach ihrer Vereinskarriere bei Eintracht Anderbach mit ihrem Sohn auf den Platz gehen. Es gibt ein geheimes Zusatz-Regelwerk, das kein Kinderloser kennt. Hier wird es geleakt.

Regel Nummer 1: Die Mathemathik der irrealen Zahlen 

Wir spielen hier nicht um zu gewinnen. So viel ist jedem klar. Ein Sechsjähriger verkraftet eine Niederlage schon mal, aber Spaß macht es keinem. Andererseits merkt er, wenn man ihn zu deutlich gewinnen lässt. Drittens ist die Wertung einer toller Weg, das Mathe-Verständnis zu fördern. "Wenn ich jetzt treffe, wieviel Schüsse muss ich dann vergeben, damit du gewinnst?" Wenn man das berücksichtigt, lernt man den Zahlenraum bis zehn ganz neu zu sehen. Nicht jedes Tor erhöht den Spielstand auf gleiche Weise.

Regel Nummer 2: Handicaps

Handicaps sind selbst auferlegte Erschwernisse, um ein ungleiches Match auszugleichen. Im Papa-Fußball sind nicht alle davon freiwillig. Sie alle haben einen Effekt: dass es gar nicht mehr so leicht ist, die Kontrolle über den Spielstand zu behalten. Zu den bekanntesten Handicaps zählen:

  • Die Abstandsregel: bei gegenseiteigen Torschüssen sind Papas Elfmeter vom Mittelkreis auszuführen, die des Sohns von knapp innerhalb des Fünfmeterraums.
  • Der Tochter-Malus: zwischen den Schüssen müssen kleinere Geschwister bespaßt werden. Das bedeutet Karussell-Schleudern und Liedersingen. Wer schon mal versucht hat schwindelig im Rhythmus von Socco-Socco Bachi-Bachi einen gerade Schuss aufs Tor zu machen, versteht das Problem.
  • Der Baby-Malus: Säuglinge müssen manchmal auf dem Arm getragen werden. Das Säuglingsalter definiert dabei die kleine Tochter. Auch mit 12 Kilo und zweieinhalb Jahren kann es dringend nötig sein. Der Anlauf zum Schuss wird dadurch nicht einfacher.
  • Der erweiterte Torwart: kleine Geschwister sind beim Fußball unser größter Fan. Darum stehen die Familienzwerge gerne nah bei Papa. Im Tor. In der direkten Schussbahn des erstanlich engagierten großen Bruders. Kopftreffer sind katastrophal, aber auch ein Beinschuss kann den Nachmittag ganz erheblich trüben. Die Nummer Eins im Tor der Eltern-Equipe muss also in erster Linie das Kind hüten, erst danach das Tor. Extra-Handicap: Nicht aufs Kleinkind zu treten. Extra-Extra-Handicap: Schlaue Sechsjährige verstehen diese Behinderung und schießen aus Prinzip in das Eck, das uns das Nesthäkchen versperrt.
  • Namedropping: Was lernen die Kinder eigentlich heutzutage in der Schule? Ganz offenbar die Namen der kompletten Bundesliga. Fragen wie "Ich bin Ciro Immobile, und du?" kann man nicht immer mit "Miroslav Klose" beantworten. Mindestens die wichtigsten hundert Köpfe sollte man schon kennen. Schließlich haben wir ja Zeit zum Pauken, wenn die Kleinen im Bett sind.
  • Dreck, Blut und Tränen: so sanft wir mit unseren Kindern auch umgehen: Fußball ist immer noch ein Sport, wo es ums Gewinnen geht. Da wird gekämpft, und es folgen Schmutz, Schmerz und Heulanfälle. Papa hat den Erziehungsauftrag, die grobe Misshandlung der teuren Kleider zu verhindern, andererseits aber einen Ganzen Kerl aus dem Kleinen zu machen. Feingefühl erfordert auch die Frage, welche Reaktion auf Wehwehchen und bundesligareife Leidensdarstellungen angebracht ist: für Anfänger gibt es die Wahl zwischen "Ist doch nur ein Kratzer, hab dich nicht so!" und "Oh mein armer kleiner Schatz, soll ich mal blasen". Für Profis gibt es noch die Option "Nette Show. Das könnte dir der Schiri glatt abnehmen. Aber jetzt lass uns weiterspielen."
  • Wo warst du, Adam?: Hand aufs Herz, ist eure Fitness noch so gut wie sie mal war? Vollzeitarbeitende Väter sind vor allem am Morgen nach (seltenen) Feiern und Einladungen nicht immer körperlich in Bestform. Je nachdem, wie spät es wurde, lässt die Konzentration schon mal nach. Extrabonus bei zahnenden Kindern, Minuspunkte wenn wir den Sonnenschein am Abend davor bei Oma geparkt haben.

Alles notiert für den Zettel im Handschuh? Fein, dann kann ja beim nächsten Elfmeterduell mit dem Stammhalter nichts mehr schiefgehen. Der Weg zur Weltkarriere ist damit frei. Anpfiff!



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