Mit Kindern in Sussex, UK: trotz Regen ein toller Trip

Am Pier in Brighton, Urlaub wie er sich gehört
Ein schwebender Wizard vor dem Brighton Pier.
Ich kann beschauliche Urlaube genau so wenig leiden wie All Inclusive Strandlangeweile. Ich will etwas unternehmen. Deswegen habe ich mich auf Sussex gefreut: ein Blick auf die Karte (oder in family4travels Blog) zeigt mehr Ausflugs-, Wander-, Erlebnis- und Spaßziele als man mit einem Jahresurlaub abdecken kann. Deswegen haben mein ABC-Schütze und ich eine Scouting-Mission gestartet und die Gegend zwischen Brighton, Hastings und London in einem Kurzurlaub auf Familientauglichkeit getestet. Unser Ergebnis war einstimmig: nächstes Jahr wieder. Trotz Motorölgestank in der "HMS Belfast", der dem Kleinen zusetzte, und den Preisen, die mich schlucken ließen. Ein paar Tipps, wie es preiswerter geht, will ich nicht vorenthalten.


Alfriston, Sussex
Die Jugendherberge in Alfriston
Hin kommt man sehr einfach: easyjet fliegt London Gatwick von vielen deutschen Flughäfen an, und von dort ist es mit dem Mietwagen (oder dem Southern Service Zug) nur ein Katzensprung bis an die Küste. Wir haben uns in einer Jugendherberge einquartiert, die sehr schnuckelig war und English Breakfasts anbot. Das Dorf selber liegt nur 5 Minuten Autofahrt vom Meer (bei Seaford, um genau zu sein), die engen Gassen sind aber für deutsche Fahrer und das möglicherweise nicht vertraute rechtsgesteuerte Auto ein Abenteuer. Ich habe meine Felge allerdings bei anderer Gelegenheit zerkratzt. Kommt vor. Deswegen: überlegt euch, ob ihr nicht eine Vollkasko ohne Selbstbeteiligung wählen wollt.

Unsere Ausflüge haben wir gemeinsam ausgesucht: London, Hastings und Brighton. Alle drei hatten Hits und Flops.

London: go see the queen

Urlaub in Sussex und London
Der McDo-Ballon ist nicht von uns. Ganz ehrlich!
Unsere Herbergsmutter empfohl den Zug von Seaford aus zu nehmen, was im Nachhinein zweifelhaft war - der öffentliche Nahverkehr ist auch in England nicht schnell oder zuverlässig. Als wir schließlich in London Victoria ankamen, war aber alles super: der Palast mit den Wachen, das Arsenal Stadium (ein Fußballfan, mein Kleiner), die sehenswerte Stadt mit ihren Doppeldeckerbussen (überraschenderweise ein Highlight), die Tower Bridge, die HMS Belfast (ich hätte noch eine Stunde länger in dem beeindruckenden Kriegsschiff bleiben können, mein Kleiner wollte lieber eine Stunde früher gehen), die Parks, das Essen... Wenn ich erwähne dass wir den ganzen Tag zu Fuß unterwegs waren und ich keine einzige Klage von meinem Sohn hörte gibt das einen Eindruck, wie schön der Tag war.

Hastings: Mittelalter und Spielhöllen

Fachwerk in Battle
Krummes Fachwerk gibt dem Dörfchen
ein etwas märchenhaftes Ambiente
Hastings kennt man von der berühmten Schlacht, die eigentlich ein paar Kilometer nörlich in "Battle" stattgefunden hat. Dort steht nun ein Kloster, das als historische Touristenattraktion und Denkmal bewahrt wird. Es ist sehr anschaulich und malerisch, der Hit waren aber die Bogenschieß-, Kampf- und Bastelangebote. Vielleicht haben wir ein neues Hobby entdeckt.
Hastings selber ist eine etwas eigenwillige Stadt, die uns vor allem wegen ihrer Spielhöllen in Erinnerung bleibt. Solche gibt es zwar überall an der Küste, aber hier kamen wir nicht dran vorbei. Die Gesetze in UK erlauben offenbar auch Kindern, um kleine Beträge zu zocken, und weil es draußen goss sind wir nicht schnell genug wieder raus aus der Arcade. Immerhin konnte ich meinem Sohn so vermitteln, warum das Zocken eine Sucht sein kann: nachdem er sein Tagestaschengeld an einem Coin Pusher verballert hatte, erklärte ich ihm das Gefühl in seinem Bauch (was er sehr gut nachempfinden konnte) und wettete, dass er es nicht schaffen würde, einen letzten Penny, den ich ihm gab, zu behalten statt einzuwerfen. Er litt ein paar Minuten ganz erheblich, letzten Endes gewann aber seine Selbstbeherrschung. Ich war etwas zwiespältig bezüglich unseres Besuchs. Einerseits finde ich Spielhallen blöd, Glücksspiel um so mehr, für Kinder insbesondere, andererseits hatte der Junge Mann Spaß und vielleicht auch was gelernt. Bei der Heimfahrt habe ich dann die Felge verkratzt, was meine Laune nicht besserte. Immerhin hat das Abendessen (bei einem Inder in Seaford) wieder mit der englischen Welt versöhnt.

Brighton Sea Life Aqaurium
Das Sea Life Brighton im ältesten Aqaurium der Welt

Brighton: das Pier, der Pavillion und die Parkuhren

Reisender, kommst du nach England nimm dir einen Sack voll Münzen mit. Sonst kriegst du keinen Parkplatz - und die sind teuer. Zwar kann man etwas weiter außerhalb parken und den Bus nehmen, aber... nichts aber. Doppeldeckerbusse sind toll, und viel billiger als der Parkautomat. Wir entschieden uns für diese Lösung und sahen die schmucke kleine Stadt von oben im strömenden Regen. Wind kam dazu, am Strand wehten rote Fahnen, als wir dort ankamen. Auf besonderen Wunsch besuchten wir das älteste noch betriebene Aquarium (ein Sea Life, was mittlerweile mein drittes ist.) Hübsch, aber nicht umwerfend. Ich empfehle die Aquarien in Lissabon und Barcelona. Leider waren wir nicht in der Nähe - das Wetter wäre sicher besser gewesen.
Dann folgte das Brithon Pier, um das man mit Kindern nicht herum kommt. Ein paar Pfund sollte man schon auszugeben bereit sein, um eine der Attraktionen oder Spiele zu genießen (und Spaß war es schon - so sehr dass wir am letzten Tagauf dem Weg zum Flughafen noch einmal bei bessereem Wetter hier her kamen). Der Höhepunkt für Papa war aber der Royal Pavillion, ein 200 Jahre altes Lustschloss, in dem Architekt und Bauherr ihre zeitgemäße Vernarrtheit in indische und chinesische Kunst und Kultur (oder was sie dafür hielten) austobten. Das nahe Museum ist auch sehenswert, sehr vielseitig in seinen Ausstellungen, und der Eintritt frei. Ein Geheimtipp, den ich ohne den Rat unserer Herbergsmutter nie entdeckt hätte.

Die weißen Klippen von Seaford

Strand in Seaford, Sussex
Das Geräusch müsst ihr euch vorstellen.
Am letzen Tag habe ich meinen Sohn dann mit Drohen, Erpressung und Bestechung zu einer kleinen Wanderung genötigt. Nachdem er sich die 1,5 km vom Seven Sisters Country Park Zentrum nahe Seaford zum Meer und den Klippen geschleppt hat, besserte sich seine Laune schlagartig. Es gab Steine zum Werfen, Steine zum Bauen, Steine zum Sammeln, Brandung zum nass werden. Der Rückweg verlief dann in wesentlich besserer Laune (auch weil die nächste Station Brighton war - siehe oben).

Fazit: Nächstes Jahr wieder, und Studium in London

Kieseldünen im Seven Sitsers Country Park
Gedeckte Farben am Strand - vor allem die
bunten Kiesel sind toll.
Ich hatte den Uraub als Sohn&Vater-Trip geplant, und wurde nicht enttäuscht. Wir konnten den Hello Kitty Park vor der Haustür billigend zur Kenntnis nehmen und links liegen lassen, dafür Fußballstadien, Spielhallen und Schiffe besichtigen. Aber Sussex hat unglaublich viel mehr zu bieten, und ich freue mich darauf, das nächstes Jahr zu erleben. Mein Sohn zumindest ist davon sehr angetan, und hat (noch vor Ort) beschlossen, dass er mit 18 zwei Jahre lang in London studieren will. Ich glaube eine bessere Kritik kann man vom Urlaubsziel nicht erhalten. 

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