Peng, Du bist tot!

Pew, pew, pew goes the decorative gourd.  Everything is a gun.
Foto von Ryan Tow auf flickr.
Habt Ihr Jungs? Dann ist es kein Geheimnis, dass alles eine Pistole sein kann. Außer es ist ein Schwert. Sogar ein Kürbis. Es ist sehr schwer, das zu verhindern. Generationen von Eltern haben es trotzdem versucht. Ich erinnere mich an eine furchtbar Moralin-saure Geschichte vom Kriegsspielen mit Opa, die ich mir damals anhören durfte. Wenn ich mit noch-nicht- oder gar-nicht-Eltern über das Thema rede, ist der Tenor meist der Gleiche. "Ich find's schrecklich. Bei mir gibt's das nicht!". Meistens behalte ich mit Blick auf den Babybauch meiner Gesprächspartner meist für mich, dass mit dem Y-Chromosom ziemlich unweigerlich auch eine Knarre Einzug in ein vormals friedliches Haus hält. Aber was ich gerne sagen würde ist: macht euch locker. Das ist das kleinste eurer Probleme.

Ich würde sogar sagen; es ist im Gegenteil ein positiver Faktor, dass ihr für eure Kinder nutzen könnt. Nicht nur, dass auch das Peng-Peng ein Rollenspiel sein kann, und die bekanntermaßen nicht zu unterschätzen sind, was ihren Wert für die geistige/seelische Entwicklung angeht. Ich muss das wissen, ich bin passionierter Rollenspieler. Und so was von seelisch reif. Dazu kommt noch, dass zumindest das Raufen bei Jungs unter der Überschrift "Körperlichkeit" läuft, und deswegen ein wichtiger Teil des Heranwachsens ist. Schließlich sind Schieß- und Kämpfspiele Sport, und wer die Generation iPad kennt, weiß wie schwer es sein kann, sie in Bewegung zu bekommen. Pädagogen und Erzieher von der Krippe bis zur weiterführenden Schule beklagen, dass Kinder immer unbeweglicher werden und weniger fit.

Es gibt also Gründe dafür, dass wir unseren Widerwillen gegen Spielzeugwaffen überwinden. Aber wie ist es mit der Angst, dass wir unsere Kinder damit Gleichgültigkeit zur Ausübung von Gewalt antrainieren? Dass sie vor lauter Begeisterung über ihre tolle Pistole und ihr Laserschwert nicht begreifen, dass im echten Leben Menschen sterben, wenn sie am falschen Ende des Abzugs stehen. Und zwar tausendfach und sehr unmittelbar - unsere Wohnconatiner für Flüchtlinge aus Syrien sind keine 500 Meter von unserem Haus entfernt. Die Kinder, die dort spielen, haben das vielleicht selber erlebt.

Aber die Angst ist vermutlich unbegründet. Kinder kennen den Unterschied zwischen Spiel und Ernst, je älter desto besser. Kein kleines Mädchen spielt "Vater-Mutter-Kind" und wird dann bei erster Gelegenheit mit der Pubertät absichtlich schwanger. Spiele machen Spaß, und haben den schönen Nebeneffekt, dass man Gedanken ausprobieren kann. Die richtigen Schlussfolgerungen kommen vielleicht gleich, vielleicht später. Vielleicht nie, oder es sind Fehlschlüsse. Wir können nicht verhindern, dass sich Kinder mit den Themen beschäftigen. Aber ich denke es ist allemal besser, ein Thema "gespielt" zu haben, als es immer nur verboten zu bekommen. Gerade schwierige Fragen wie die, welche Rolle Gewalt in einer Gesellschaft hat, brauchen Zeit zum Nachdenken. Spielen hilft dabei. Wenn Papa oder Mama mitspielen und man sieht was sie dazu meinen, ist das sogar noch besser.

Ich habe keine Bedenken, meinem Sohn zu erzählen, dass ich letztes Wochenende mit Farbkugeln auf andere Leute geschossen habe. Eine Riesensauerei wars, und ein Riesenspaß. Mein Kleiner weiß auch, dass ich ein überzeugter Pazifist bin, und versteht den Unterschied von Spiel und Wirklichkeit. Wenn er alt genug ist, können wir vielleicht mal zusammen hin gehen. Was das Klischee belegt, dass Männer nur große Kinder sind. Gut so - wie spielen, um die Welt zu begreifen.


Paintball. Nicht so schlimm wie man zuerst meint. Selber getestet, nachdem ich meine Bedenken überwunden hatte. Try everything once. Foto von Patrick Rehm auf flickr.

Kommentare

  1. Sehr guter Artikel, gefällt mir. Auch ich erinnere mich an die Vorträge der eigenen Eltern, aber dennoch durften wir dann mit "Waffen" spielen. Und weder mein Bruder noch ich sind dadurch gewalttätig geworden. Den Unterschied klar machen, das ist der Punkt, statt Verbote auszusprechen. Wie immer ist der Punkt, den Umgang mit etwas zu vermitteln.

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  2. Kann ich genau so unterschreiben. Wer sein Kind schon maßregelt, nur weil es mit einem Stock schreiend durch die Gegend läuft (ohne, dass auch nur ein anderes Kind weit und breit zu sehen ist), schießt über das Ziel hinaus - so gesehen vor kurzem in einem nahegelegenden Park. Kind muss Kind sein dürfen. Basta!

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