Forschung liefert (kaum) Munition im Kampf um den Nachmittagsschlaf

Neulich hat Opa meinen Sohn mit einem blauen Auge nach Hause gebracht. Wohlgemerkt: die Blessur hatte nicht etwa das Kind. Nein, der Senior hatte versucht, sich gemeinsam mit dem Kleinen zum Nachmittagsschlaf hinzulegen. Gegen einigen Protest, aber anders als noch vor drei Monaten half auf das demonstrative Vorschlafen nichts. Mein Sohn randalierte im Bett rum und hat seinen Großvater schließlich meiner einer heftigen Bewegung voll am Kopf erwischt.

Es wird immer schwieriger, meinen Brainbug zur Siesta zu bewegen. Vorbei die Zeiten, wo er mir die Gelegenheit gab, mit ihm ein wenig der durchwachten Nacht nazuholen (wie viele Eltern kann man mich zu jeder Tages- und Nachtzeit irgendwohin legen und ich bin sofort in Morpheus' Reich.) Irgendwann wird er kein Nickerchen mehr brauchen - nur ist es noch nicht so weit. Das zeigt sich Abends, wenn der Kleene rumhängt wie der berühmte Schluck Wasser in der Kurve, und zu schlecht gelaunt ist um ins Bett zu gehen.

Die Schlafforschung würde von hohem Schlafdruck sprechen. Ein aktueller Artikel in der New York Times beleuchtet die zwei Systeme, die den Schlaf von Kindern (und Menschen allgemein) steuern. Der erste ist Tageslichtgesteuert und wird circadiane Rhythmik genannt. Er sorgt dafür, dass wir nachts schlafen. Der zweite ist der homeostatische Prozess: je länger wir wach sind, desto höher der Schlafdruck, desto müder sind wir. Bei Kindern ist der Schlafdruck höher, sie können schlicht gesagt nicht so lange wach bleiben. Babys machen deswegen gerne einen vormittags- und einen nachmittagsschlaf (und dass die Nacht am Anfang eher aussieht wie eine Serie von Sekundenschlafepisoden wissen wir ja aus leidvoller Erfahrung). Irgendwann nach dem ersten Geburtstag werden diese Nickerchen vereint zu einem echten Nachmittagsschlaf, der tunlichst nicht zu spät stattfinden sollte - der Schlafdruck ist sonst nicht hoch genug, wenn die circadiane Rhythmik nachts zu Bette ruft.

Das Ende des Nachmittagsschlafes
Irgendwann sinkt der Schlafbedarf (oder, im Falle von Chaoten wie meinem Brainbug, das Kind will einfach keine Pause vom spannenden Tag haben), und die Siesta entfällt. 80 % der 5-jährigen machen kein Nachmittagsschläfchen mehr. Das liegt auch an den individuellen Unterschiden im Schlafbedarf (die über die Jahre konstant bleiben - wer als Kind wenig schläft, schläft auch später weniger. Man vererbt das auch, würde ich meinen - ich habe als Kleinkind dem Großvater zwar keine Veilchen verpasst, war aber genau so wenig zu Nickerchen zu bewegen wie jetzt mein Sohn). Auch die Herkunft scheint eine Rolle zu spielen - die New York Times zitiert eine Studie, die Unterschiede zwischen dunkel- und hellhäutigen Kindern zeigte.

Der Stand der Wissenschaft: keine klaren Aussagen
Leider kann die Schlafforschung noch nicht viel dazu sagen, wann Kinder ihr Nickerchen aufgeben sollen oder können. Der gut gemeinte Rat, die körperlichen Bedürfnisse unserer Kinder zu beachten und zu achten ist nicht wirklich hilfreich - schon allein deswegen, weil ich mir Blessuren wie die von Opa sparen möchte. Andererseits ist das Thema wichtig - ich habe ein starkes Bedürfnis, meinem Kind in seiner wachen Zeit (wenn wir mal zusammen sind) möglichst viel Gutes zu tun. Spannende Sachen machen, Spaß haben, Wissen vermitteln, Neugier wecken, die ganzen guten Vorsätze eben, die man als Vater so hat. Am einfachsten für die Schlafsteuerung wäre es sicher, meinen Sohn zur rechten Zeit mal eine halbe Stunde Langeweile zu gönnen. Aber nicht nur ist mir das selber zuwider (ich kann auch nicht stillhalten), sondern es geht eben auch gegen meine guten Vorsätze.
Ich seh schon. Damit mein Kind besser schläft muss ich wohl selber gelassener werden.
Bilder:
hddod 

Kommentare

  1. Die "Serie von Sekundenschlafepisoden" hat mir gut gefallen - auf dem Bildschirm, damals nicht ;)

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  2. Wie ich meinem Bekannten in gleicher Situation versprochen habe: es wird alles ein kleines Bisschen besser, jeden Tag.

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