Wer zu spät in die Schule kommt, den bestraft das Leben

Noch sind wir nicht so weit, dass unser Brainbug in die Schule müsste. Ein Jahr bleibt noch. Außer wir halten ihn zurück, lassen ihn ein Jahr später einschulen. Das ist möglich - im Bekanntenkreis und KiGa gibt es zwei solche Fälle. Einmal Katja, die emotionale/soziale Probleme hatte, und einmal Pavel, dessen Deutsch noch nicht so gut ist.

Eltern von Elitekindern machen sich eher Gedanken darüber, wie sie ihre Sprößlinge effektiv gefördert kriegen, welche Zusatzkurse sich wo belegen lassen. So früh wie möglich, behauptet der Spiegel, und fügt hinzu, dass das Unsinn ist. Dass Kinder Liebe brauchen, ordentliche Verhältniss und kein Fernsehen. Nicht zum ersten Mal klingt der Deutschen Nachrichtenmagazin nach Generation Opa. Aber das nur nebenbei.
Das spätere Einschulen hat in den USA einen Namen: "Redshirting", nach einer obskuren Praxis aus dem Leistungssport. Mann mus kein Football spielen, um die vemeintlichen Vorteile zu sehen. Ältere Kinder haben einen Vorteil gegenüber den Altersgenossen, kriegen bessere Noten und damit vielleicht später einen besseren Studienplatz.

Klingt toll, funktioniert aber nicht. Es ist wahr, dass die Spätstarter in den ersten Jahren bessere Noten bekommen. Ihre Leistungen gleichen sich aber dem Durchschnitt an, und spätestens wenn sie beim Renteneintritt ein Lebensjahr weniger eingezahlt haben, bekommen sie dei Rechnung dafür (wenn es dann noch eine Rente gibt).

Ganz im Gegenteil: es sind die besondes jung eingeschulten Kinder, die profitieren. Sie hängen zwar notenmäßig oft ein bisschen hinterher, dafür sind sie im IQ-Vergleich mit ihren Altersgenossen im Vorteil. 5 Punkte im Schnitt hat ein Kind seinen Klassenkameraden voraus, wenn es zwei Monate vor dem offiziellen Termin eingeschult wurde.

Auch die emotionale Reife wird befördert. Ähnlich wie Kinder mit älteren Geschwistern (nicht aber jüngeren) erreichen sie ein "erwachsenes" Maß an Empathie früher. Katjas Eltern haben ihrer Tochter vielleicht keinen Gefallen tun, als sie sie aus der Schule zurück hielten.

Es zeigt sich, dass die Entwicklung des kindlichen Gehirns nicht so stark zeitgesteuert ist, sondern vielmehr vom Input abhängt. Wer früh zu rennen anfängt, kommt am Ende weiter. Sozusagen. Ach, a propos Rennen:

Es gibt allerdings auch einen echten Vorteil der späten Einschulung: körperlich reifer, bringen sie im Sportunterricht bessere Leistung, die der Lehrer (der ja auch nur ein Mensch ist) oft mit besserer Technik, größerem Einsatz und Talent verwechselt - und entsprechend bessere Noten vergibt.

Uns wohlmeinenden Eltern bleibt also die Wahl: Was ist uns wichtiger? Einser im Sport für unsere Kinder, oder Urlaub in der Toscana mit Siebzig?

Die ganzen Weisheiten oben - aber der Kritik am Spiegel - habe ich übrigens nicht selbst erfunden, sondern einem Artikel in der New York Times von Sam Wang, associate professor of molecular biology and neuroscience in Princeton und Sandra Aamodt, ehemaliger Chefredakteurin von Nature Neuroscience entnommen. Die beiden sind die Autoren des Buches "Welcome to Your Child’s Brain: How the Mind Grows From Conception to College."

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