Wenn Du bist was Du isst, was ist dann dein Kind?

Oh, es geht auf Mittag zu. Vielleicht ist das der Grund für dieses Thema: was füttern wir unseren Kindern. (Vielleicht ist der Grund auch ein Streit, den meine Frau und ich gestern hatten. Nach drei Stunden Rumschrauben an dem Gasgrill, den sie sich gewünscht hat, war ich hungrig, und wollte ihr von meinem Essen auf ihre Bitte hin nichts abgeben. Das kam nicht gut an. Dabei weiß ich doch, wie das mit der weiblichen "Nein Schatz, ich will nichts esse, wirklich/lässt Du mich mal beißen"-Psychologie funktioniert. Und ich weiß auch, dass Männer Futterneid stärker empfinden als Frauen.)

Jetzt wollte ich dazu schon fast statt dem Wikipedia-Link diesen hier setzen, hab mich aber noch zurückhalten können. "Beziehung statt Erziehung" - passt eigentlich viel besser :)

Dabei ist der Futterneid einer der unsterblichen Tricks, wenn ich meinen Sohn dazu bringen will, etwas zu essen. Klappt nicht immer (blöde Gurken bleiben eben blöd), aber die Tatsache, dass Papa ihm was klauen und wegfuttern will, motiviert meinen Brainbug. Auch wenn der Happen deswegen nicht besser schmeckt (wie ich annehme) gewinnt er anscheinend an Wert durch die gesteigerte Nachfrage am Esstisch.

Ist mein Sohn also ein eiskalter Kapitalist, oder einfach nur so gesellig, dass er das Gleiche essen will wie ich? Wir werden es wohl nie erfahren. Ist auch nicht wichtig, zum Glück ist er ein guter Esser - mir tun die Leute leid, deren Kinder bei Tisch nur herumzicken. Ich erinnere mich an eine Mutter, die im Urlaub stolz berichtete, wie sie zwei Wochen vorher ihrer Tochter zwei Becher Sahne in die Suppe geschmuggelt hatte, und die Kleine hätte sie klaglos gegessen.
Zwei Wochen vorher! So lange erinnere ich mich nicht mal an meine Erfolge am Skatstammtisch. Der Fairness halber muss man aber auch sagen, dass die betreffende Tochter wirklich ein dünner Strich in der Landschaft war, wenn auch ein fröhlicher und lebhafter.

Das Spannungsverhältnis Eltern-Kinder-Essen ist trotzdem in den meisten Familien vorhanden. Sogar ich mache mir Gedanken, ob wir unserem Sohn die richtigen Sachen vorsetzen. Ernähren wir ihn gesund? Lernt er, mit seinem Hunger vernünftig umzugehen?

Was für ein Quatsch, nicht? Vernünftige Kinderärzte raten davon ab, auch nur groß darauf zu achten, was Kinder essen. In einer etwas skurrilen Studie aus dem Jahr 1928 wurde kleinen Waisenkinder eine Auswahl an verschiedenen Speisen zugänglich gemacht, ohne Druck oder Anweisung seitens der Kinderpflegerinnen, was oder auch nur dass sie essen sollten. Es stellte sich heraus, dass die Kinder sich selbst eine gut ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung zusammenstellten (es gab allerdings auch nicht so tolle ungesunde Sachen wie Cola, Chips oder dergleichen).

Ganz im Gegensatz dazu zwei kürzlich in den USA erschienene Ratgeber, wie man Kindern gesundes Essen unterjubelt. Pürrierte Avocado im Schokopudding und so.

Ich glaub bevor ich so was anfange, lass ich Brainbug einfach mal unbeaufsichtigt im Garten spielen. Da kommt er auch satt zurück:
(weil die Mutter seiner Spielkameradin von nebenan eine große Kühltruhe hat)

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