Schlaf - die unbezahltbarste Sache der Welt

Nur wenige Menschen können den Wert des Schlafes so deutlich erkennen wie junge Eltern. Ehrlich - fragt mal eure Mutter, was ihr in den Monaten nach eurer Geburt durch den Kopf gegangen ist. Wenn sie ehrlich ist, dann wird die Antwort wahrscheinlich lauten "Schlafen. Vielleicht auch träumen." Und tatsächlich - in diesen aufregenden ersten Wochen nach der Heimkehr von Mutter und Tochter (oder Sohn) aus der Entbindungsklinik bestimmt kein Thema das Leben der Eltern so wie der Schlaf. Schläft das Baby durch? Wie teilen sich die Eltern die nächtlichen Fütter- und Wickelpflichten? Wer muss wann aufstehen, um in die Arbeit zu gehen?

Das ist natürlich für jeden anders: Ein paar von meinen Freunden hatten es viel schwerer als ich (mein Brainbug hatte den Dreh nach 6 Wochen raus), und das einzige was ich ihnen an Trost zukommen lassen konnte war, dass es jeden Tag ein kleines bisschen besser wird. Eine andere Freundin, die Zeit ihres Lebens mit Schlafstörungen zu kämpfen hatte und ihr Studium zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens auf Bestnote gepaukt hat, findet das Leben mit ihrer jungen Tochter vergleichsweise entspannend. Ich persönlich werde mich trotzdem immer daran erinnern, wie ich in finsterster Nacht mit dem quälend langsam nuckelnden Schatz auf dem Schoß im Wohnzimmer saß, und aus lauter Verzeiflung "Waterworld" im Fernsehen angeschaut habe. So schlecht der Film auch sein mag, für meine beinahe hirntote Übernächtigung war es genau das richtige.

Man kriegt nicht mehr alles mit, wenn die Augen nicht offen bleiben wollen.

Es gibt tatsächlich gute Tricks, wie man sein Kind zum Schlafen bringt: Swaddling funktioniert, vor allem verbunden mit sanftem Kopfüberwiegen und zischenden Geräuschen, die wohl an den Herzschlag der Mutter erinnern sollen (übrigens auch vermutlich der Grund für die häufige Rechtshändigkeit der Menschen: das links schlagende Herz der Mutter beruhigt das Kind, das deswegen links getragen wird, wmoit die rechte Hand frei ist zum Arbeiten). Manche Eltern schwören auch darauf, die Kinder mit ins Bett zu nehmen. Ich muss gestehen, dass ich das in den letzten Wochen ein paar Mal gemacht habe, weil mein Kleiner zur Zeit Trenneungsängste hat. Für alle, die das selber versuchen wollen: SPOILER ALERT - das Kind bleibt länger wach als sein vollzeitarbeitender Vater. Aber es ist sehr, sehr süß, wenn man irgendwann nachts aufwächt und ein schlafendes Baby neben sich hat. Siehe auch http://www.cutethingsfallingasleep.org/

Ein paar abschließende Gedanken noch, bevor ich dich mit dieser Entscheidung alleine lasse. Ist dir schon mal aufgefallen, dass Schlaf als eine der wenigen menschlichen Konditionen keinen Preis hat? Hunger kann man kaufen (naja, nicht dass es einen Markt dafür gibt. Aber die Diät- und die Lebensmittelbranchen, ewige Widersacher im Kampf um unseren Hüftspeck, bieten so ziemlich alles in diesem Bereich an.), Liebe ist notorisch käuflich, gute Laune auch (hey, warum sonst Blogs lesen?), Spannung, Entspannung... für alles gibt es Händler, Gurus, Coaches. Nur Schlaf hat keinen Preis auf dem Markt. Sein Wert ist auch nur schwer messbar. Für uns geplagte Eltern: fast unbezahlbar. Für einen Urlauber nach drei Wochen Strand: nicht so wichtig. Dabei hat jeder Nachfrage nach diesem wertvollen Gut Schlaf, er ist ja sogar lebensnotwendig.

Mir fällt gerade auf, dass Schlafen eine der wenigen Sachen ist, die wir unseren Kindern nicht bewusst beibringen. Alles andere - Laufen, Toilette, Reden, Malen, Musik - wird per Elternlernbuch eingebläut. Vielleicht ist das auch genau der Grund, warum ich mit meinem 20 Monate alten Sohn abends Extratouren machen muss, bevor er sich beruhigt hat und einschläft. Er kann nicht selber einschätzen, wie wichtig der Schlaf ist, und dass das aufregende Leben, dass er so genießt, auch noch morgen früh da sein wird. Er hat nie gelernt, selber zu bestimmen wann er ins Bett geht - das machen wir für ihn. Aber wann ist für diese Lektion der richtige Zeitpunkt? Irgendwie glaube ich nicht, dass ich das gerade heute ausprobieren muss - morgen ist Vatertag, und wir beide haben uns eine Menge vorgenommen. Da sollte er ausgeschlafen sein und gut gelaunt.

Kommentare

  1. Achja, schlafen. Undenkbar, dass wir früher mal sowas wie mehr als 4 Stunden am Stück geschlafen haben. Mit der Zeit gewöhnt man sich zwar an alles, aber wir warten trotzdem sehnsüchtig auf das Ereignis von Babys erstem "Durchschlafen".

    Es gibt übrigens schon auch eine Unmenge an Schlaflernbüchern und natürlich auch Schlaftrainingsmethoden, damit beschäftigt man sich dann irgendwann, wenn es gar nicht von alleine klappen will.

    Viel Spass morgen!
    Chris

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  2. Danke, Vatertag war wirklich toll - siehe oben. Aber anstrengender als jede Sauftour, bin kaum hochgekommen heute morgen. Brainbug auch nicht. Gestern hat er mich noch begrüßt mit "ALLES [gute zum Vater] TAG", heute mit "PAPA NEIN [lass mich schlafen ich hab'n Kater]"

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