Vatertag in einer Welt für Mütter

Gestern war also Vatertag. Ich habe meinen Spaß gehabt - und mein kleiner Brainbug auch, zusammen mit mir. Mama war arbeiten und am Abend zu ihrem Stammtisch. Insofern hat unsere kleine Familie das genaue Gegenprogramm zum typischen Vatertag absoviert.
Ich habe nicht das Gefühl, dass mir dadurch was verloren gegangen ist.
Schon die historischen Wurzeln der organisierten männlichen Besäufnistour sind wenig überzeugend. Initiationsrituale, Landpachtpflichten oder Prozessionen sind heute völlig weltfremd. Wenn man will, kann man den Feiertag (gibt es eigentlich eine Studie darüber, wieviele Leute die Bedeutung von Christi Himmelfahrt korrekt wiedergeben können?) als Bauern-Sponsoring betrachten (auch wenn Bild das noch nicht erkannt hat). Die Mietgebühren für die zehntausend Traktoren, die an diesem Tag mit Herrengesellschaften durch die Landschaft tuckern, müssen doch die järhliche Summe der EU-Subventionen um ein vielfaches überschreiten. Nicht "Ferien auf dem Bauernhof" ist die Zukunft unserer Bauern, sondern Saufen auf dem Traktor.

Vatertag ist eine peinliche Einrichtung, von den absurden Versuchen, ihn zu einer dem Muttertag ähnlichen Veranstaltung zu machen (siehe etwa diese Geschenkideen: Bürotasse, Mousepad oder E-Card. Kann man noch deutlicher machen, dass Papa daheim nicht vorkommt? Na gut, die Kochschürze ist ein Feigenblatt der häuslichen Relevanz). Mir scheint aber, dass zunehmend viele junge Väter ihre Rolle ganz anders sehen. Nicht, dass ich das gestern hätte beobachten können. Brainbug und ich waren das einzige Vater-und-Sohn-Gespann, dafür sind uns alle fünf Meter Vatertagsfahrten entgegen gekommen. Aber die Zeit für Ratschläge wie diesen geht dem Ende entgegen:
Und ich möchte außerdem wetten, dass das hier nie ernst gemeint war

Väter sind wichtig für die Entwicklung eines Kindes, gerade für Jungs, wie in den letzten Jahren immer deutlicher erkennt wird. Die fehlenden männlichen Grundschullehrer benachteiligen Jungs in der Schule (siehe auch den Artikel im Focus mit dem intelligenten Titel "Jungs sind keine Mädchen), und daran scheint auch niemand etwas ändern zu wollen. Die Elternzeitreglung ist deshalb ein unerwartetes Gottesgeschenk. Denn der Mann, der in den ersten Lebensmonaten von der Windel bis zur Wiege Ganztagsdienst am Kind hat, entwickelt eine tiefere emotionale Bindung, und wird auch in späteren Jahren mehr Zeit mit seinem Kind verbringen. Das wirkt sich hoffentlich auch auf den Lernerfolg von Jungs aus, wobei ich zugeben muss, dass ich meinem Kleinen gestern nur zwei Sachen beigebracht habe: Eiscreme isst sich mit den Fingern am einfachsten und Wasser ist zum Spritzen da. Ich zermartere mir den Kopf, in welchem Berufszweig das mal nützlich ist. Ich glaube wir Väter tun uns mit den großen, philosophischen Sachen leichter:



Es wird noch eine Weile dauern, bis im Getränkemarkt die 5er Packung Babyflaschen neben dem Kasten Flensburger steht.

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