Das Bose-Einstein Kindensat

Am Wochenende hatte ich Gelegenheit, ein seltenes entwicklungsphysikalisches Phänomen zu beobachten: das Bose-Einstein Kindensat.
Satyendranath Bose und Albert Einstein hatten 1924 eine Theorier zur Quantenphsik aufgestellt, die sich problemlos auf Kindermengen mit über drei Teilnehmern übertragen lässt. Von einem Bose-Einstein-Kondensat spricht man, wenn bei sehr kalten Temperaturen einzelne Gasatome auf einmal miteinander zu verschmelzen scheinen und eine undefinierte Menge ergeben, die wir ein übergroßes ganzes Teilchen wirkt. Wie in der Quantenphsik so übrlich kann sich ein Beobachter nicht sicher sein, wo ein einzelnes Teilchen genau ist, oder aber wenn er es weiß, dann kann er nicht wissen, wie schnell er gerade ist.
Hallo, Ihr Eltern. Kommt euch das nicht bekannt vor?
Etwas sehr ähnliches passiert nämlich im Bose-Einstein Kindensat (mit "i"). Wenn man eine Gruppe von Kindern eines betimmten Alters - sagen wir zwischen Krabbeln und Einschulung - zusammen bringt und die Eltern sich gemütlich zu einem Kaffe, einer Limo oder einem Bier hinsetzen, verwandeln sich die einzelnen Schrate schlagartig in einen nicht näher zu definierenden Pulk, der überall und nirgendwo zu sein scheint und alles gleichzeitig macht. Ähnlich den Quantenteilchen wird es schwer, von einem bestimmten Kind zu sagen, wo es jetzt gerade genau ist, oder wie schnell.
Eine Ausnahme sind die wenigen, unschönen Augenblicke, wenn Mattis die Zugrichtung der Schwerkraft falsch eingeschätzt hat, die hinterhältige Rutsche ihn deshalb abgeworfen hat oder wenn etwa Lena ihren Anspruch auf das Bobbycar wieder einmal mit robusten Verhandlungstaktiken unterstreicht. Dann wird es auf einmal sehr einfach, ein einzelnes Kind zu orten, und der dazugehörige Vater oder Mutter weiß auch, wie schnell es ist; nämlich gar nicht. Ein waidwundes Kind wartet tränenüberströmt, bis es abgeholt, hochgehoben und getröstet wird. Es kondensiert sozusagen schlagartig aus.

Hier beitet sich übrigens noch eine zweite Analogie für große Kindergruppen an: die UNO.
Nein, Nein, Nein!
Es ist nicht schwer, sich als fürsorglicher Erzeuger in dieser Rolle zu sehen. Als Mitglied des Weltsicherheitsrats der Eltern will man eigentlich nur seine Ruhe und seinen Frieden, aber die Satellitenstaaten sind natürlich nicht so leicht davon zu überzeugen. Um dennoch zum Wohl der Spielgemeinschaft einzugreifen, stehen eine Reihe von Sanktionen zur Verfügung. Besonders hartnäckige Rebellen - sogenannte Rouge States - können auch zeitweise isoliert werden, aber wenn sich erstmal eine Achse des Bösen aus präpubertierenden Jungs herausgebildet hat, ist es möglicherweise Zeit für eine handfeste Intervention, mit friedensstiftenden und friedenserhaltenden Maßnahmen. Ban Ki-moon hat es auch nicht leichter. Wenigstens muss er keine Windeln wechseln.

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