Männerstress

Unsere Nachbarn haben eine Tochter, eine echte kleine Prinzessin, blond und pink-o-manisch. Sie spielt sehr gerne mit unserem Brainbug, und die beiden kommen spitze miteinander aus. Nun hat die Süße aber einen kleinen Bruder bekommen, und ist wenig begeistert. Seitdem kommt sie lieber zu uns, als dass sie unseren Sohn zu sich einläd, und sie hat auch schon geäußert, dass sie ihren Bruder am liebsten loswerden möchte. In einem Typischen Fall von Entthronungstrauma ist sie in Verhaltensweisen verfallen, die sie seit den Babytagen abgelegt hat. So weit, so wenig dramatisch.

Nun hat sie Besuch von ihrem Onkel, ihrer Tante und deren drei Söhnen bekommen - alle so etwa in ihrem Alter, plus minus 2 eben. Die drei Racker sind sich sehr ähnlich, werden von ihren Eltern vorbildlich umsorgt und legen schon die typischen Lausbuben-Attitüden an den Tag. Sie werden ein paar Tage im Nachbarhaus bleiben.

Das ist für unsere Prinzessin zu viel. Ihre Eltern haben mit dem Neugeborenen alle Hände voll zu tun, und so hat das kleine Mädchen, umringt von lauter Jungs, keine Anlaufstelle für ihren Männerstress - außer meiner Frau.

So kam es, dass sie ganz aufgelöst und etwas nass zu uns gerannt kam und meiner Gattin gestand, dass sie an unseren Zaun gepinkelt hätte, was ihr sehr leid täte. Dabei war ihr ein Missgeschick passiert, und deswegen brauche sie nun eine neue Strumpfhose.
Nachdem es nun keinen rationalen Grund gab, warum sie nicht die paar Schritte in eines der zahlreichen Klos im Haus ihrer Eltern gemacht hat, tadelte und fragte meine Frau sie:
"Na so was! Warum hast Du denn an unseren Zaun gepinkelt."
Worauf die verzweifelte Antwort kam: "Weil ich es wollte!"

Arme Prinzessin. Aber was soll man tun? Wir können kaum zu ihren Eltern gehen und ein Gespräch über die psychologische Bedeutung des Zwischenfalls anfangen. Zum Trost könnten wir ihr vielleicht "Poke and destroy" von den Presidents of the United States empfehlen, vielleicht am besten in der Lego-Version.

In dem Song geht es auch um die Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen, und die rabiate Art der kleinen Herren der Schöpfung.

Aber muss das so sein? Müssen kleine Mädchen an kleinen Jungs so leiden? Und was bedeutet das für die Frage, ob Geschwisterchen besser das gleiche oder ein anderes Geschlecht haben sollten? Nicht, dass man es sich heute schon aussuchen dürfte (was manche nicht davon abhält, leider). Aber nur so dahin gesponnen: sollen wir hoffen, dass unser Brainbug mal ein Brüderchen bekommt, weil es beiden Kindern besser tut?

Ich bin ja der Meinung, dass die Reihenfolge "Erst ein Junge, dann ein Mädchen" Vorteile im späteren Leben bringt, vor allem was das Dating und die Beziehungen angeht. ER lernt gleich von Früh an, dass man Frauen besonders sorgsam behandeln muss, und dass sie eben ein kleines bisschen Extraaufmerksamkeit geschenkt bekommen, die ER sich erst lautstark erarbeiten müsste. SIE kriegt dafür gleich den Blick auf die ungeschminkte Wahrheit der männlichen Natur. Schlimmer als der große Bruder, und peinlicher, und irgendwo doch liebenswert, kann es später mal nicht mehr werden.

Dann klappt das auch mit dem Finden, Verlieben, Verloben, Heiraten und Kinderkriegen. Ein klarer evolutionärer Vorteil also.

Für euch alle noch ein Bonbon zum Schluss, ohne Grund außer des hohen Funk-Koeffizieten: "Girls and Boys" von Prince in der Coverversion von Markus Müller.

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