Scheideweg am 2. Geburtstag

Au weh, mein Schädel. Das lange Wochenende war ein Anlass zu ausgiebigen Geburtstagsfeiern, und das bedeutete von früh bis spät Remmidemmi bei uns, inklusive tobender Kinderscharen. Zwischen Händeschütteln, Aufräumarbeiten und Grillmeisterdiensten hatte ich aber trotzdem Gelegenheit, über eine Oma-Weisheit nachzudenken:

Zum zweiten Geburtstag hat man die Hälfte seiner endgültigen Körpergröße erreicht.

Das macht mir ein bisschen Sorgen. Unser Sohn ist nicht übermäßig hochgewachsen, er liegt in der Tat leicht unter der Kurve und wird also - genau wie Vater und Mutter - stets zu den meisten seiner Mitmenschen aufblicken müssen. Das ist kein Drama - uns hat's nicht geschadet, und eine vielzahl von anekdotischen und historischen Hinweisen lässt ja darauf schließen, dass die Kleinen eine Menge Drive haben (Prince, Napoleon....). Es heißt aber auch, dass er im Berufsleben finanziell benachteiligt wird. Eine neue (aber nicht wirklich neuartige) Studie von Professor John Komlos prophezeiht 200 Euro weniger Einkommen weniger pro Jahr pro Zentimeter fehlender Körpergröße.

Damit liegt das Stockmaß in einer Familie mit zwei anderen willkürlichen Größenangabe, die ebenfalls Auswirkungen auf das Einkommen hat: dem Hüftumfang und der Körbchengröße. Ersteres liegt in den schmaleren Hüften der männlichen Arbeitnehmer begründet (und ist damit natürlich nicht der Grund dafür, dass die Damen mit ihren weiterstehenden Hüftknochen weniger Geld verdienen, sondern eine korrelierte, aber nicht ursächliche Tatsache). Zweiteres, also die Frage nach dem Holz vor der Hütten, ist zugegebenermaßen eine unbewiesene Schlussfolgerung meinerseits: Schönheit beeinflusst bekanntermaßen die Karrierechancen, also vermute ich, dass auch die Oberweite von Frauen ihnen den Weg... ohhh, böser Gedanke, böse Behauptung, nicht? Stimmt auch ab einem bestimmten Punkt nicht mehr: angeblich ist erotisches Aussehen beim Weg in die oberen Firmenetagen für Frauen ein Nachteil, weil sie nicht mit dem Power/Macher-Image eines Chefs vereinbar seien.

Die Sache mit dem Geschlecht hat das Glück also karrieretechnisch zu Gunsten unseres Kindes entschieden, die der Attraktivität wohl eher nicht, und jetzt scheint sein Weg zum Erfolg auch noch durch ein "You must be at least THIS tall to enter management"-Schild blockiert zu sein.
Jump, baby, jump

Mit diesen müßigen Gedanken sitzt Papa also auf der Bierbank, rührt in der Teetasse und sieht seinem Spross beim Bemalen der Hauswände zu. Die bunten Krakel (die, hoffentlich, hoffentlich, einfach abwaschbar sind) reichen nur etwa bis zum Fensterbrett. Ein Trost aber bleibt dem biologisch bewanderten Vater: für die kommende Klimaerwärmung ist der Kleine dank Bergmannscher Regel bestens gerüstet.

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