"Niemand, der von einem Weibe geboren ward"

Morgen werde ich zum dritten Mal Onkel. Da besteht so gut wie kein Zweifel. Ich bin mir sicher, dass irgendwo ein Arzt, eine Hebamme oder ein Anästhesist den Geburtstag schon jetzt in ihrem Terminkalender stehen haben.
So was geht natürlich nur mit einem Kaiserschnitt. Es handelt sich in diesem Fall nicht um einen Wunschkaiserschnitt, und darüber bin ich froh. Nicht, weil ich meiner Schwägerin da ins Handwerk pfuschen will ("Handwerk"? Mit den Händen macht dabei sie eigentlich nicht viel). Vielmehr habe ich keine Lust, mich in die Debatte um die Zulässigkeit von Wunschkaiserschnitten einzumischen. Man muss sich das mal vor Augen führen: angeblich wurde der geplante Kaiserschnitt eines englischen Popstars von öffentlichen Protesten begleitet. Als ob so was auf der Straße entschieden würde (außer vielleicht im Stau, wenn die werdende Mutter nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus kommt, und das Kind im Rücksitz eines Taxis zur Welt bringt).
Nein, da will ich mich nicht einmischen. Mir gehen aber ein paar Gedanken zum Kaiserschnitt generell durch den Kopf, und ein paar metaphysische Bedenken.
Der erste ist der nach der Zukunft der Astrologen. Was soll aus der alten Kulturtechnik des Horoskops werden, wenn der Geburtszeitpunkt nicht mehr von den Sternen abhängt, sondern vom Schichtplan des Krankenhauses? Das ist übrigens nicht einfach nur so dahinphilosophiert. Wenn man der Kopräsidentin des Züricher Hebammenverbands glauben darf, wählen manche Eltern ihren Kindern das Sternzeichen bereits auf diese Art aus. Natürlich werden auch Termine manipuliert, wenn es ums Geld geht - der 1.1.2007 als Stichtag des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz hat dafür gesorgt, dass in den Tagen nach Neujahr die Geburtenrate kurzzeitig stark anstieg - allerdings nur, um die Flaute vor dem Jahreswechsel auszugleichen. Ich erinnere mich sogar an eine Bekannte, die ihren Empfängnistermin falsch wiedergab, um dem Arzt eine Rechtfertigung zu geben, den vermuteten Geburtstermin und damit den spätestmöglichen Termin für den Wunschkaiserschnitt nach hinten zu verlegen.
Meine zweite Sorge ist die, welches Omen wir einem Kind auf den Weg geben, wenn wir seine Geburt danach ausrichten, wann es "allen gerade passt". Shakespeare hat aus einem Kaiserschnittkind einen geweissagten Königsmörder gemacht, und damit dem Mysterium der Geburt einen passenden Platz in der literarischen Geschichte gegeben. Die zutiefst mundäne Terminschieberei ("Monat geht nicht, da geh ich zum Golfen") kann nichts Gutes bedeuten. Nur so als Randbemerkung zu lebensbewegenden Ereignissen nach Termin: zwei Drittel der Ehen sind schon wieder geschieden worden, die am 9.9.1999 geschlossen wurden.

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